«Wir haben jetzt keine Angst»

Stephan Lichtsteiner bereitet sich nach dem Erfolg gegen Honduras auf Argentiniens Messi, Higuain und Agüero vor. Wie er den Superstars Herr werden will.

Bereits vor dem Spiel zuversichtlich: Stephan Lichtsteiner an der Pressekonferenz am 24. Juni in Manaus. (Foto: Keystone)

Bereits vor dem Spiel zuversichtlich: Stephan Lichtsteiner an der Pressekonferenz am 24. Juni in Manaus. (Foto: Keystone)

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Stephan Lichtsteiner, wie gross ist die Erleichterung, Honduras besiegt zu haben und im Achtelfinal zu stehen?
Wichtig ist für uns, dass wir zu hundert Prozent Gas gegeben haben. Wir sind auf den Platz gegangen und wussten: Nach dar Partie müssen wir tot umfallen. Wir haben einen hervorragenden Match gemacht.

Es war eine neue Schweiz im Vergleich zu den ersten beiden Spielen. Die Mannschaft arbeitete viel solidarischer.
Nein. Für uns war immer klar, dass wir noch die gleiche Schweiz sind. Wir hatten zwei, drei Schwierigkeiten in früheren Zeiten, aber diese Probleme haben wir hervorragend gelöst. Wir spielten eine hervorragende Qualifikation, schlugen im ersten WM-Spiel Ecuador 2:1 und verloren darauf gegen Frankreich 2:5. Das kann passieren. Die Mannschaft ist sehr jung, wir kassierten die ersten beiden Tore innert einer Minute, aber wir haben uns deshalb nicht aufgegeben. Was heisst neue Schweiz? Es wurde viel über uns geredet nach dem Frankreich-Spiel, wir wurden kritisiert...

Und jetzt hat die Mannschaft eine Reaktion gezeigt.
Es macht mich extrem stolz, wie wir das Schiff steuern konnten, wie die Mannschaft reagiert hat. Wir sind auf den Platz gegangen und haben das umgesetzt, was wir uns vorgenommen haben. Wir waren geschlossen, haben miteinander kommuniziert. Mein Dank geht aber auch an den Staff, der uns viel gegeben und uns ausgezeichnet auf dieses Spiel vorbereitet hat. Und ein Dankeschön geht in die Schweiz, wo die Unterstützung für uns hervorragend ist. Meine Frau hat mir vor dem Spiel ein SMS geschrieben und berichtet, dass die Stimmung recht euphorisch ist, dass alle hinter uns stehen. Das hat uns Energie und Emotionen gegeben, damit wir über uns hinauswachsen können.

Die Schweiz spielte in der WM-Qualifikation 4:4 gegen Island und besiegte danach Norwegen auswärts. Braucht die Mannschaft Negativerlebnisse und Druck, um zu wachsen?
Nein. Wir haben eine extrem hohe Qualität, eine super Mannschaft. Wir können Fussball spielen und uns aus schwierigen Situationen befreien. Wir mussten fünf Tore gegen Frankreich hinnehmen und zeigen fünf Tage später eine solche Leistung. Das ist einfach überzeugend, das ist hervorragend. Wir sind auf einem sehr guten Weg.

Was hat die Mannschaft mit Xherdan Shaqiri gemacht? Er spielte wie verwandelt.
Nichts. Wir wissen, dass Xherdan den Unterschied ausmachen kann. Wir haben uns in seinen Dienst gestellt. Wir haben versucht, ihm vorne möglichst viele Bälle zuzuspielen und hinten die Räume so zu schliessen, dass er Risiken eingehen kann und wir auch bei Ballverlusten von ihm sofort bereitstehen, um den Gegner abzufangen. Es war extrem wichtig, dass wir ihn so ins Spiel bringen konnten. Und es war ein taktischer Geniestreich vom Trainer, Shaqiri als Nummer 10 aufzustellen im Zentrum, wo er momentan lieber spielt. Ausserdem hat Granit Xhaka auf der rechten Seite, auf für ihn ungewohnter Position, einen hervorragenden Match gemacht.

Die Schweiz spielte nach Ballgewinnen viel direkter nach vorne als in den ersten beiden Partien.
Wir wussten, dass wir Platz haben werden. Gegen andere Mannschaften wird das sicher nicht so sein. Aber wenn es so ist, dann haben wir die Qualitäten, um die Gegner zu bestrafen.

Wie gross ist nun die Lust auf Argentinien? Freuen Sie sich als Verteidiger auf Duelle gegen Offensivspieler wie Messi, Higuain, Agüero und Di Maria, oder würden Sie ihnen lieber aus dem Weg gehen?
Ich spiele fast jedes Wochenende gegen solche Gegner, es ist also kein grosses Problem für mich. Wie es anderen geht, weiss ich nicht. Wichtig ist, dass wir miteinander verteidigen und miteinander verschieben. Kommt einer der Gegner einmal durch, steht der nächste Mann von uns bereit. Wir haben zuletzt schon gegen sehr gute Teams gespielt und abgesehen von den fünf Treffern gegen Frankreich stets gut bestanden. Wir wissen, dass das ein einmaliges Spiel war. Wir haben jetzt keine Angst. Wir haben Topverteidiger.

Topverteidigung trifft auf Topsturm?
Es ist noch etwas früh, über Argentinien nachzudenken. Jetzt geniessen wir zuerst einmal den Moment.

Frankreich war ein grosser Gegner, Argentinien ist ein Team von ähnlicher Qualität. Welche Lehren ziehen Sie aus dem 2:5?
Wir lassen uns nicht mehr als Favorit abstempeln, wie es gegen Frankreich war – und laufen dann in Konter. Wir haben gegen Frankreich zwei schnelle Tore kassiert und danach probiert, ins Spiel zurückzukommen. Wir hatten Chancen zum 1:2, haben das Tor nicht gemacht, oder es wurde nicht anerkannt. Dann hatten wir Möglichkeiten zum 1:3, stattdessen erhielten wir die Treffer zum 0:5. Wir standen in der Defensive zu offen, waren zu weit voneinander entfernt. Das wird uns nicht mehr passieren.

Erstellt: 26.06.2014, 10:58 Uhr

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