Zuckrig bis bittersüss

In seiner ersten Soloschau in der Schweiz greift ein Künstlerduo seine Lieblingsthemen auf: die Fallstricke von Migration und Globalisierung.

Künstlerische Handzeichen für interkontinentalen Handel.

Künstlerische Handzeichen für interkontinentalen Handel. Bild: Van Brumelen & de Haan / Kunsthaus Zürich

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Zugegeben: Ihre Namen klingen ein wenig wie die tierischen Hauptdarsteller eines holländischen Kinderhörspiels. Damit hat es sich aber auch schon mit ihrer Kindertauglichkeit: Was das niederländische, seit zehn Jahren zusammenarbeitende Künstlerduo Lonnie van Brummelen (geb. 1969) und Siebren de Haan (geb. 1966) in seine Filminstallationen packt, ist nämlich stets durchtränkt von einer tiefen Melancholie.

Zum Beispiel, wenn darin Hände flink und beinahe zärtlich Zucker in Transportkisten flachstreichen – und dabei ebenso sinnlich wie kritisch den Lebensmittelhandel zwischen Afrika und Europa thematisieren. Oder wenn van Brummelen & de Haan den weltberühmten Pergamon-Altar, der im Berliner Antikenmuseum steht, Meter für Meter mit der Kamera abtasten, so, wie es ein Blinder mit seinem Stock täte.

Dabei liegt der Reiz dieser Arbeiten stets in narrativen Hakenschlägen: So sind den Pergamon-Sequenzen Porträtaufnahmen junger Türken gegenübergestellt, welche sich mühsam durch die deutsche Beschreibung der auf dem Fries dargestellten Szenen radebrechen. Van Brummelen & de Haan haben dafür Schüler des Istanbuler Goethe-Instituts eingespannt, die dort, kurz vor ihrer Auswanderung nach Deutschland, den obligatorischen Sprachkurs belegten. Tatsächlich entbehrt die Tatsache, dass Türken erst Hunderte von Kilometer weit fliegen müssen, um die architektonische Meisterleistung ihrer Ahnen zu betrachten, nicht einer gewissen Skurrilität.

Welch kulturpolitischen Sprengstoff derartige Projekte bergen, erkennt man auch daran, dass das Pergamon-Museum die Künstler nicht vor Ort filmen lassen wollte: Zu gross schien das Risiko einer daraus entbrennenden Diskussion zur Repatriierung des im 19. Jahrhundert eingeführten Bauwerks. So mussten van Brummelen & de Haan sich mit Abbildungen aus kunsthistorischen Publikationen behelfen – und verweist der Werktitel «Monument to Another Man’s Fatherland» nicht zuletzt auf die komplexen Langzeitfolgen der globalen kulturellen Durchmischung. Clever!

Am 1. 11. wird der neueste, rund 1 Stunde dauernde Film «Episode of the Sea» (2013) von van Brummelen & de Haan in einem speziellen Screening im Kunsthaus gezeigt; anschliessend Gespräch mit den Künstlern und Kuratorin Mirjam Varadinis. (Zueritipp)

Erstellt: 04.09.2013, 16:12 Uhr

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