Zusammenstehen, um den Schmerz in Liebe zu verwandeln

Zehn Jahre nach Absturz eines Swissair-Flugzeugs bei Halifax ist am Samstag in Kloten mit dem traditionellen Gottesdienst der 229 Opfer gedacht worden.

Gedenkgottesdienst in der katholischen Kirche Kloten: 229 weisse Rosen auf dem Altar erinnern an die Opfer.

Gedenkgottesdienst in der katholischen Kirche Kloten: 229 weisse Rosen auf dem Altar erinnern an die Opfer. Bild: Yvon Baumann

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Vor zehn Jahren, am 3. September 1998, stürzte eine MD-11 der Swissair auf dem Flug von New York nach Genf vor der Küste von Halifax ab. Alle 215 Passagiere sowie die 14 Besatzungsmitglieder kamen dabei ums Leben. Das Unglück erschütterte die Schweiz, galt doch die Swissair bis dahin als eine sehr sichere Fluggesellschaft. Am Samstag fand in der katholischen Kirche Kloten nun der Gedenkgottesdienst zum zehnten Jahrestag des Unglücks von Flug SR 111 statt.

«Keine Wunden aufreissen»

«Der Gottesdienst zum Zehnjahres-Andenken an die Verstorbenen entspricht einer Tradition», so der reformierte Flughafenseelsorger Walter Meier. «Dabei geht es nicht darum, alte Wunden aufzureissen. Vielmehr soll man sich an die Verstorbenen erinnern», sagt Meier. Das Flughafenpfarramt hat den Gottesdienst organisiert. Es hatte auch die Angehörigen der Passagiere und Besatzungsmitglieder gleich nach dem Absturz mitbetreut. Als die Angehörigen in den Tagen nach dem Unglück in Halifax eintrafen, war neben dem Care-Team auch ein Pfarrer des Flughafenpfarramts dabei. Claudio Cimaschi, katholischer Flughafenseelsorger, sagt: «Viele Leute stellen sich die Frage, wo ihr verstorbener Angehöriger jetzt ist. Mit dem Gedenkgottesdienst wollen wir ihnen Gewissheit geben, dass er nicht verloren, sondern bei Gott geborgen ist.»

Kurz vor 12 Uhr sammeln sich Angehörige und Betroffene vor der Kirche, viele kennen sich, begrüssen und umarmen einander. Am Eingang werden Kerzen und Gesangsblätter verteilt. Auf dem Vorplatz der Kirche steht unter anderen auch Beatrice Tschanz, die ehemalige Leiterin der Corporate Communications der SAir Group. Sie war nach dem Flugzeugabsturz an vorderster Front mit dabei und informierte die Öffentlichkeit. «Halifax ist nach dieser Zeit für mich abgeschlossen», so Tschanz. Doch auch sie nimmt am Gottesdienst teil. «Ich habe das Unglück verarbeitet», sagt sie, «doch es ist wichtig, den Angehörigen hier Respekt zu zollen.»

Als die Orgel den Gottesdienst eröffnet, ist die Kirche mit 400 Besuchern gut besetzt. Auf dem Altar liegen sinnbildlich für die Passagiere 215 Rosen, 14 stehen für die Besatzungsmitglieder in der Mitte des Bouquets – insgesamt 229 weisse Rosen, eine für jeden Verstorbenen des Unglücks. Aufmerksam hören die Besucher die Predigt von Diakon Cimaschi, unter ihnen viele ehemalige Swissair-Mitarbeiter. «Wir müssen zusammenstehen, so dass am Ende der Schmerz in Liebe verwandelt wird», sagt Cimaschi und spricht damit die gemeinsame Verarbeitung des Unglücks an.

Nach einer Kurzansprache von Beat Schär, dem Vertreter ehemaliger SwissairMitarbeiter, spricht Pfarrer Meier das von ihm oft gehörte «Wieso» an. «Wieso mein Mann, meine Frau, mein Kind?», fragt der Pfarrer stellvertretend für die Angehörigen. «Wir lernten loszulassen, mit der Zeit lernten wir, unsere Lieben loszulassen.» Beim eigentlichen Gedenkakt werden die 14 stehenden Rosen auf dem Altar als Zeichen der Gemeinschaft zu den liegenden gebettet, die Kerzen in den Händen der Besucher werden angezündet. In diesem Moment wird klar, dass die Zeit noch nicht alle Wunden geheilt hat – einigen Besuchern sind die Emotionen deutlich anzusehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.09.2008, 20:35 Uhr

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