Zum Hauptinhalt springen

Keine Umarmungen, keine KüsseAb jetzt gilt nur noch das Faustrecht

Die Fussballer der Schweizer Liga müssen beim Jubel ab sofort auf Rituale verzichten. Die Liga macht Druck. Doch es gibt kritische Stimmen.

Sehen wir solche Jubel-Bilder in der kommenden Saison nicht mehr? Gut möglich. Die Liga will sie nämlich untersagen.
Sehen wir solche Jubel-Bilder in der kommenden Saison nicht mehr? Gut möglich. Die Liga will sie nämlich untersagen.
Foto: Salvatore Di Nolfi (Keystone)

Nachdem das Schweizer U-21-Nationalteam am Dienstag den EM-Qualifikationsmatch gegen die Slowakei zum Schluss gekehrt und 2:1 gewonnen hatte, passierte das Logische: Die Spieler fielen übereinander her, bildeten eine Traube, brüllten und tänzelten umher. Doch mit dieser Art der Ekstase ist es nun vorbei. Zumindest in der Schweizer Meisterschaft.

Ab Freitag steht die 2. Runde des Schweizer Cups an, eine Woche später startet die Super League. Es wird auch eine Saison im Zeichen von Corona sein. Ab sofort ist zum Beispiel der Torjubel reglementiert. Im Covid-19-Konzept der Liga steht unter Punkt 10.19: «Beim Torjubel sind intime Berührungen wie Umarmungen oder Küsse, Shakehands oder das Abklatschen mit offener Hand untersagt. Ein Körperkontakt kann mit der Faust, dem Ellenbogen oder mit den Füssen erfolgen.»

Es gibt auch negative Stimmen

Die Schweizer Fussballliga (SFL) hat ihr Schutzkonzept Covid-19 zum Neustart im Juni erstellt und in den vergangenen Wochen überarbeitet und ausführlich ergänzt. Vor einer Woche wurde es den Clubs zugestellt. Am Donnerstagmorgen sensibilisierte die Liga die Trainer und Captains der Teams in einer Telefonkonferenz erneut zum Verhalten auf dem Platz. Beim Einlaufen, beim Torjubel, nach Spielschluss. Im Sinn von: Jetzt muss es jeder verstehen.

Wanja Greuel, CEO der Young Boys, René Bonk, Corona-Verantwortlicher des FC Basel, oder Christian Constantin, Präsident des FC Sion, begrüssen die Regelungen, auch diejenige beim Torjubel. Sie sagen, es brauche viele Gespräche und auch Zeit zur Abgewöhnung von Automatismen. Doch die Spieler seien empfänglich. Die Clubs haben sie in den vergangenen Wochen mehrfach instruiert.

In den Clubs gibt es aber auch Verantwortliche, die die rigide Haltung bei Jubelszenen für übertrieben halten. Sie wollen sich jedoch nicht öffentlich äussern. Sie monieren, die Regelungen könnten kaum eingehalten werden. Der Fussball würde seiner natürlichen Emotionen beraubt. Und: Kurze Kontakte bei einem Torjubel seien aus epidemiologischer Sicht nicht allzu gefährlich.

FCZ-Trainer Ludovic Magnin und Heliane Canepa machen es richtig: Sie begrüssen sich mit dem Ellenbogen.
FCZ-Trainer Ludovic Magnin und Heliane Canepa machen es richtig: Sie begrüssen sich mit dem Ellenbogen.
Foto: Ennio Leanza (Keystone)

Die Liga muss Fehler vermeiden

Die Bundesliga hatte beim Re-Start im Mai den innigen Torjubel verboten. Nach Verfehlungen von Spielern handelten die Verantwortlichen jedoch nachsichtig. In der Champions League waren Jubel quasi erlaubt. Die Uefa ging davon aus, dass die Spieler gesund sind und sich sowieso irgendwann zu nahe kommen, wenn sie über so lange Zeit zusammen sind.

Klar ist: Für die SFL geht es bei den Regelungen zum Torjubel zwar um den Schutz der Gesundheit, aber nicht nur. Es geht auch um die Aussenwirkung. Der Bund ist dem Schweizer Fussball den Öffnungen für Grossanlässe in hohem Masse entgegengekommen. Neu dürfen bis zu zwei Drittel eines Fussballstadions gefüllt sein. In Basel wären im äussersten Fall 25’000 Fans zugelassen. Die Richtlinien des Bundes gelten als die liberalsten weltweit.

Doch nun ist die Liga unter Druck. Sie muss Fehler vermeiden. Und vor allem muss sie dafür sorgen, dass die Fussballer mit ihrem Verhalten in der Öffentlichkeit als Vorbilder taugen. Sie wird gerade beim Torjubel auf Dialog und Sensibilisierung setzen und gegebenenfalls Ermahnungen aussprechen. Bei wiederholtem Fehlverhalten eines Spielers oder Teams würde der Einzelrichter der Liga ein Disziplinarverfahren eröffnen, das eine Busse oder gar Sperre zur Folge haben kann.