Meteorologe beschuldigt Turnfest-OK der «Grobfahrlässigkeit»

Die Evakuierung nicht geübt und kein externer Meteorologe vor Ort: Die Organisatoren des Turnfests in Biel werden mit neuen, massiven Vorwürfen konfrontiert.

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SRF-Meteorologe Felix Blumer attackiert die Organisatoren des Eidgenössischen Turnfests in Biel. Das Verhalten während des Gewitters am Donnerstag grenze an «Grobfahrlässigkeit», sagt er der «Schweiz am Sonntag».

Die Personenschäden hätten vermieden werden können, wird er vom Blatt weiter zitiert. Wie die Zeitung berichtet, verzichteten die Organisatoren des Eidgenössischen Turnfests auf einen Beratungsvertrag mit einem Wetterdienst, wie dies gemäss Meteo Schweiz selbst bei kleineren Anlässen üblicherweise der Fall sei.

Ernstszenario nicht geübt

Zudem räumt Turnfest-Direktor Fränk Hofer der Zeitung gegenüber ein, die Evakuierung des gesamten Geländes nicht geübt zu haben. Augenzeugen berichten von einer unsachgemässen Evakuierung und dem Ignorieren diverser Warnungen. Ein Mitglied des Stormchasing-Vereins Schweiz wird in der «Schweiz am Sonntag» zitiert, es sei klar gewesen, dass Menschenleben in Gefahr seien. Diesbezügliche Warnungen seien jedoch mit dem Hinweis, «man wisse schon, was man tue», abgewiesen.

Noch mehr Menschen als bisher angenommen sind im Gewittersturm vom Donnerstagabend am Turnfest in Biel verletzt worden. Fünf Personen hätten sich in einem Spital in einem anderen Kanton behandeln lassen, sagte ein Sprecher der Berner Kantonspolizei der Nachrichtenagentur SDA. Damit steigt die Zahl der Verletzten auf 84.

OK-Präsident besucht die Opfer

Gestern Morgen besuchte der OK-Präsident des Eidgenössischen Turnfestes, Ständerat Hans Stöckli (SP, BE), die im Berner Inselspital hospitalisierten vier Erwachsenen und ein Kind. Es sei für ihn wichtig gewesen, sich mit den am schwersten Betroffenen zu unterhalten, sagte Stöckli an einer anschliessenden Medienkonferenz.

Zu den möglichen Umständen des Dramas sowie allfälligen Verantwortlichkeiten wollte er aber nichts sagen. Eine Untersuchung sei eingeleitet und sie werde Antworten bringen, sagte Stöckli. Im Vordergrund steht die Frage, ob die Evakuierung des Geländes zu spät angeordnet wurde.

Klimaveränderung soll miteinbezogen werden

Der Direktor des Organisationskomitees, Fränk Hofer, und seine Equipe verdienten nach wie vor Vertrauen und seien auf der Höhe ihrer Aufgabe, sagte der frühere Bieler Stadtpräsident weiter. Das Turnfest habe zwei Gesichter gehabt, und damit müsse man leben.

Laut Stöckli müssen die Organisatoren solcher Veranstaltungen künftig die Klimaveränderungen miteinbeziehen. Er geht davon aus, dass sich meteorologische Extremlagen häufen werden. Wir könnten die gleichen Phänomene erleben wie in den USA, bemerkte er weiter.

Bisher war von 79 Verletzten die Rede gewesen. Am Samstag waren noch 11 Personen im Spital, wie Polizeisprecher Michael Fichter sagte. Der Zustand der beiden Schwerverletzten sei unverändert.

(mrs)

Erstellt: 23.06.2013, 09:11 Uhr

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