«Die Einschätzung des IWF ist weitaus dramatischer»

Ein gestern bekannt gewordenes Papier des IWF räumt die Möglichkeit eines Schuldenschnitts ein. Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Wirtschaftsexperte Markus Diem Meier erklärt, was das für Deutschland heisst.

Video: Jan Derrer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble hält einen temporären Austritt Griechenlands nach wie vor für das Beste, hat er heute erklärt, da ein Schuldenschnitt mit den Regeln der Eurozone nicht vereinbar sei. Gestern nun hat der Internationale Währungsfonds ein Papier veröffentlicht, in dem er die Lage in Griechenland sehr kritisch einschätzt. Seit der Schliessung der Banken habe sie sich dramatisch verschlechtert, und die Verschuldungslage sei noch instabiler geworden als noch vor wenigen Wochen angenommen.

Experten schliessen daraus, dass der IWF einen Schuldenschnitt nicht mehr länger ausschliesst. Da die Staatschefs in ihrer Einigung vom Montag klargemacht haben, dass eine Beteiligung des IWF für ein weiteres Hilfspaket zwingend sei, bringt sie das in ein Dilemma. Denn am Montag hielten sie ebenfalls fest, dass es keinen Schuldenschnitt geben dürfe, höchstens eine Streckung der Rückzahlungsfristen. Allerdings müssten dabei völlig unrealistische Bedingungen eingehalten werden, zum Beispiel müsste Griechenland das höchste Produktivitätswachstum in der Eurozone hinlegen.

Fraglich bleibt, ob und wie die Euroländer dem IWF in Sachen Schuldenschnitt entgegenkommen können und wollen. Und wie der IWF reagiert, wenn sie sich weiterhin weigern.

Erstellt: 16.07.2015, 15:11 Uhr

Bildstrecke

Griechenland stimmt neuem Reformpaket zu

Griechenland stimmt neuem Reformpaket zu Athen erhält weitere Hilfen, muss aber neue Reformen und Sparmassnahmen beschliessen.

Artikel zum Thema

«Dieses Europa gehört nicht Herrn Schäuble»

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble plante, Griechenland aus der Eurozone zu schmeissen, so Alexis Tsipras. Aufgegangen sei der Plan aber nicht. Mehr...

15 Länder stützen Schäuble

Die Mehrheit der Länder der Eurozone hat sich für die harte Linie Deutschlands ausgesprochen. Lediglich drei Staaten wollten Athen mehr entgegenkommen. Mehr...

«Ich schlief ein halbes Jahr nur zwei Stunden am Tag»

Saftige Details: Der griechische Ex-Finanzminister Varoufakis äussert sich nach seinem Rücktritt erstmals ausführlich über seine Zeit bei der Eurogruppe und die Gründe für seinen Rückzug. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Die Welt in Bildern

Animalische Athletik: Ein Tiertrainer im Zoo von Sanaa, Jemen, reizt eine Löwin so sehr, dass sie wortwörtlich die Wände hochgeht. (Januar 2020)
(Bild: Mohamed al-Sayaghi) Mehr...