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Neue Regeln in der Stadt ZürichÄrger über Registrierungspflicht für Grillstellen

Um an Ostern ein Gedränge um die Feuerstellen zu verhindern, führt Zürich ein Online-Reservationssystem ein. Dieses sei zu kompliziert, kritisieren viele.

Einen Cervelat bräteln wird weiterhin möglich sein, aber nicht für alle: Eine Grillstelle gibts nur nach einer Registrierung.
Einen Cervelat bräteln wird weiterhin möglich sein, aber nicht für alle: Eine Grillstelle gibts nur nach einer Registrierung.
Foto: Martin Rütschi (Keystone)

Über Ostern heisst es am Gotthard: schmollen statt rollen. Experten erwarten Stau wie vor Corona. Ein ähnliches, reichlich unerwartetes Problem beschäftigt derweil die Behörden 70 Kilometer nördlich des Tunnelportals: Vor den Rosten der Zürcher Grillstellen könnte es zum Osterstau kommen.

Was harmlos klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Das schöne Wetter könnte unzählige Familien nach draussen in den Wald und zum nächsten Grill locken. Die Stadt Zürich befürchtet Menschenansammlungen und sieht die Mindestabstände in Gefahr. Deshalb will sie den Zutritt zu den «Feuergrillstellen auf städtischem Grund» einschränken, wie sie in einer Mitteilung schreibt. Eine Grillstelle in der Stadt dürfe über Ostern nur nutzen, wer sich vorgängig registriere – und den Zuschlag erhalte.

Es geht um Schutz der Naherholungsgebiete

«Die Stadtverwaltung Zürich setzt sich ein für eine lebendige Gemeinschaft», heisst es in der Mitteilung. Gleichzeitig würden die Fallzahlen wieder ansteigen, eine dritte Welle kündige sich an. Daher habe sich das Tiefbauamt für die Registrierungspflicht entschieden.

Dazu hat die Stadt auf www.grillstellenreservation.ch ein Formular aufgeschaltet. Mit Name und Adresse ist es dabei nicht getan. So will die Stadt unter anderem auch wissen, wie viele Personen erwartet werden, in welchem Verwandtschaftsgrad diese zueinander stehen und welches «Grillgut» zum Einsatz kommen soll. Schwer zu beantworten dürfte für viele die Frage zum erwarteten CO₂-Ausstoss sein.

Das Formular des Anstosses: Auf www.grillstellenreservation.ch müssen sich Personen mit Wurstabsichten anmelden.
Das Formular des Anstosses: Auf www.grillstellenreservation.ch müssen sich Personen mit Wurstabsichten anmelden.
Quelle: Stadt Zürich

Nach einer Prüfung aller Angaben sollen die Auserwählten per E-Mail ein Ticket in Form eines QR-Codes erhalten. Dieses berechtigt dazu, zur angegebenen Zeit die angegebene Grillstelle zu nutzen. Bei einer allfälligen Kontrolle müsse das Ticket ausgedruckt oder digital vorgewiesen werden. Die Reservation könne einmal um eine Stunde verlängert werden.

Unmut von links bis rechts

Das Vorgehen der Stadt erntet Kritik. «Echt jetzt, Zürich, schreibt SVP-Kantonsrat Claudio Zumbühl auf Twitter. «Ich soll mich für eine Grillstelle bewerben? Unter anderem muss die CO₂-Menge angegeben werden. Gehts noch??», heisst es weiter. Unter dem Hashtag #grillgate machen Politikerinnen und Politiker über die Parteigrenzen hinweg ihrem Unmut über das Vorgehen der Stadt Luft.

SVP-Kantonsrat Zumbühl kann das Vorgehen der Stadt nicht nachvollziehen.
SVP-Kantonsrat Zumbühl kann das Vorgehen der Stadt nicht nachvollziehen.
Foto: Twitter

Das Tiefbauamt beschwichtigt. Auf Anfrage meint Sprecherin Glandyne Rüchiger, dass Angaben wie die erwartete CO₂-Menge nicht sakrosankt seien. «Uns dienen diese Informationen dazu, eine möglichst faire Auswahl zu treffen. Dazu brauchen wir mehr als nur Namen und AdresseSelektioniert werde nach Grösse der Gruppe, Alter der Teilnehmer und der Umweltverträglichkeit. «Familien mit Kindern haben sicher eine höhere Chance als Singles», erklärt Rüchiger.

Allerdings rumort es auch im Tiefbauamt selbst. Dort stören sich manche an der Ankündigung, dass auf einen konsequenten Vollzug gesetzt werde und man die Grillierenden kontrolliert werde. In der Mitteilung heisst es dazu: «Von Freitagabend bis Montagnachmittag wird ein eigens für diesen Zweck aufgestelltes Dialogteam des Tiefbauamtes die Registrierungen überprüfen.» Diese Mitarbeiter hätten zwar keine rechtliche Handhabe, Personen wegzuweisen, doch sie könnten jederzeit die Stadtpolizei aufbieten.

Da sich zu wenige Freiwillige für diesen unbeliebten Dienst gemeldet haben, hat die Stadt Mitarbeiter zwangsrekrutiert. «Ich bin Belagsplaner, kein Wurstpolizist», beschwert sich einer der ausgewählten Mitarbeiter des Amts, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. «Soll das doch die Kantonspolizei machendie loben doch immer ihren konsequenten Vollzug.»

121 Grillstellen betroffen

Die Stadt kann die Aufregung nicht verstehen. Das Dialogteam sei wichtig, um die Einhaltung der Bestimmungen zu kontrollieren, so Rüchiger. «Wir setzen bewusst auf ein eigenes Dialogteam anstelle der Polizei, weil wir an die Eigenverantwortung der Zürcherinnen und Zürcher glauben

Rund 121 Grillstellen gibt es laut grillstelle.ch auf städtischem Gebiet, 21 allein im Wald zwischen dem Unicampus Irchel und dem Zoo. Die Wurstpolizei wird einiges zu tun haben.

Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Aprilscherz. Wer alles darauf reingefallen ist und welche Reaktionen Zürcherinnen und Zürcher in das Formular eingetragen haben, lesen Sie hier.