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Konflikt im VielvölkerstaatÄthiopien steht am Abgrund

«Krieg ist die Hölle», sagte Abiy Ahmed, als er 2019 den Friedensnobelpreis bekam. Jetzt führt der äthiopische Präsident selber Krieg. Von einem Land, das sich fand, um sich gleich wieder zu verlieren.

Zu Zehntausenden auf der Flucht: Angehörige vom Volk der Tigray in der sudanesischen Stadt Hamdayet.
Zu Zehntausenden auf der Flucht: Angehörige vom Volk der Tigray in der sudanesischen Stadt Hamdayet.
Foto: Byron Smith (Getty Images)

Sie haben ihr den Stuhl vor die Tür gestellt, in ein dunkles Treppenhaus, ganz unten ins Erdgeschoss, wo die schmierigen Stufen in die Tiefgarage übergehen. Da sitzt Habosa Gebrezgiher jetzt, mit einem Telefon auf dem Schoss, alle paar Minuten ruft jemand an, sie nimmt den Hörer ab und sagt: «Momentan ist die Firma geschlossen, bitte rufen Sie später wieder an.» So geht das seit Wochen: Es läutet, sie hebt ab, sagt ihren Satz und wartet auf das nächste Klingeln. Dazwischen verschränkt Habosa Gebrezgiher die Arme, manchmal schaut sie der Festnetzleitung nach, die zurück in die Vergangenheit führt, in ihr altes Büro die Treppe hinauf, in ihr altes Leben.

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