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Analyse zur FCZ-SaisonAh, ein Magnin!

Vor dem letzten Saisonspiel bleibt für den FCZ ein tristes Fazit: Es war eine Saison zum Vergessen, mit zu vielen Gegentoren und zu wenig Stilsicherheit. Auch wegen des Trainers.

Ludovic Magnin sah viele unschöne Dinge von seinen Spielern in dieser Saison, nun will er «knallhart» analysieren.
Ludovic Magnin sah viele unschöne Dinge von seinen Spielern in dieser Saison, nun will er «knallhart» analysieren.
Ennio Leanza (Keystone)

Es gehört zum Verdienst grosser Maler, wenn Leute vor ihren Werken stehen und auf einmal sagen: Das ist ein Monet. Damit ist alles gesagt, das Gemälde schubladisiert, der Pinselstrich bestimmt.

Ähnlich verhält es sich mit der Arbeit eines Fussballtrainers. Tausende von Menschen schauen ihren Mannschaften zu und sagen irgendwann, kurz und klar: «Das ist typisch Klopp Oder: «Ganz klar Zeidler-Fussball.» Es sind kleine Komplimente an die Arbeit eines Trainers. Er hat Spuren hinterlassen.

Wo ist der Spielstil?

Beim FC Zürich ist Ludovic Magnin seit 30 Monaten Trainer, von Magnin-Fussball aber war bisher kaum die Redeund wenn, dann war das meist nicht sehr positiv gemeint. Ein Spielsystem, ein Stil, der über Monate wächst und sich festigt, ist auch nach über zwei Jahren noch nicht erkennbar. Man könnte anmerken: Das Einzige, was diese Saison System hatte, waren die konstante Inkonstanz und die hohen Niederlagen. Man schaut auf das 0:4 auf dem Resultatblatt und sagt: «Ah, ein Magnin

17-mal verlor der FCZ bisher in der Liga, nur Thun und Xamax waren schlechter (18), 8-mal kassierte Magnins Team vier Gegentore, 2-mal sogar fünf. Es war, als ob der FCZ gegen eine Wand fahre und dabei noch Gas gebe. Magnin erzählte immer wieder bei den Medienterminen vor den Spielen, dass er lieber 0:4 verliere, dafür auch mal ein 0:2 aufhole. So verhielten sich seine Spieler. Sie vergassen bei Rückständen das defensive Denken, vertrauten bei Fifty-fifty-Bällen dem eigenen Glück und machten gemeinsam stets den Schritt nach vorne. Bei Ballverlust sah dann das Abwehrdispositiv unversehens sehr unpässlich aus. Der FC Zürich um Goalie Yanick Brecher, wohl der beste FCZ-Spieler der Saison, kassierte 69 Tore.

Wie sich vier Mittelfeldspieler in der Tendenz eher nicht bewegen sollten: Das 3:1 des FC St. Gallen zeigt das schlechte Defensivverhalten des FCZ exemplarisch.
Wie sich vier Mittelfeldspieler in der Tendenz eher nicht bewegen sollten: Das 3:1 des FC St. Gallen zeigt das schlechte Defensivverhalten des FCZ exemplarisch.
Video: Instat/fra

So befiel die Mannschaft bei Rückständen oft eine Unsicherheit. Man ahnte, dass es womöglich nicht gut kommt, dass da noch mehr Gegentreffer folgen werden. Auf dem Platz standen oft Spieler, die ganz gut Fussball spielen können, doch nicht diese Widerstandkraft zeigen, diesen Willen, sich gegen Unwägbarkeiten aufzulehnen.

Es ist das Resultat einer missglückten Transferpolitik, die nach dem Saisonstart noch einmal überarbeitet werden musste. Der FCZ holte Pa Modou, Vasilije Janjicic und Aiyegun Tosin, weil die Mannschaft nicht genügte. Es folgte ein kleiner Aufschwung vor Weihnachten, in dem erstmals so etwas wie ein positiver Magnin-Fussball gespielt wurde. Vertikales Spiel in hohem Tempo und mit wenig Ballberührungen. Das sah gut aus und war erfolgreich, in sieben Spielen holte der FCZ 18 Punkte.

Doch bevor man von einem eigenen Stil sprechen konnte, war das spielerische Hoch auch schon wieder vorbei. Es folgte ein Tief. Die Inkonstanz war sogar im Kleinen sichtbar. Von Spiel zu Spiel, manchmal auch von Halbzeit zu Halbzeit. Und dann kam Corona und mit dem Virus die letzte, lange Krise. Der FCZ war nach der Quarantäne konstant ungenügend, er verlor sich in der sportlichen Bedeutungslosigkeit.

Magnin hat nach der jüngsten Niederlage gegen Luzern gesagt, dass man nun «alles knallhart analysieren» müsse. Eine Kurzanalyse zu seiner Arbeit fällt trist aus: Saisonziel Europa verpasst, kein Spielstil erkennbar, zu viele Gegentore, zu wenig Punkte, und die jungen Spieler machen kaum Fortschritte. Kevin Rüegg, Simon Sohm, Toni Domgjoni, Lavdrim Rexhepi, Izer Aliu haben zwar alle gute Anlagen, doch scheinen sie das grosse Potenzial, das man ihnen zuschreibt, nicht nutzen zu können. Magnin macht seine Spieler nicht besser.

Halten viel voneinander: FCZ-Präsident Ancillo Canepa und Trainer Ludovic Magnin.
Halten viel voneinander: FCZ-Präsident Ancillo Canepa und Trainer Ludovic Magnin.
Ennio Leanza (Keystone)

Es gibt einige Punkte, die gegen den Trainer sprechen und doch ist er noch immer da. Zwischen ihm und Präsident Ancillo Canepa ist ein Band, das trotz heftiger Belastungen nicht reissen will. Im Januar hat Canepa zum Erstaunen vieler den Vertrag von Magnin vorzeitig um zwei Jahre verlängert. Im Juni hat der Präsident dann Thomas Bickel, Sportchef und Kritiker Magnins, entmachtet. Mit dem neuen Sportchef Marinko Jurendic und Heinz Moser als Ausbildungschef holte er zudem neue sportliche Kompetenz in die Entscheidungsgremien.

Vielleicht hat Canepa gemerkt, dass seine Art, den Club zu führen, nicht mehr zeitgemäss ist. Vielleicht sind das aber auch einfach bloss neue Figuren in einem mässig erfolgreichen Club, der in einem Punkt stets gleich funktioniert: Am Ende entscheidet Canepa.