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Geburtstag einer Ikone Al Pacino in 80 Sekunden

Der US-Schauspieler wird heute Samstag 80 Jahre alt. Seine grössten Rollen im Video.

Anlässlich des 80. Geburtstages von Al Pacino haben wir 80 Sekunden aus seinen Klassikern zusammengetragen.
Video: Tamedia

Von ihm kam einst das fieseste Nein der Kinogeschichte. Wenn am Ende von «The Godfather» Kay ihrem Mann Michael Corleone die Frage stellt, ob er verantwortlich sei für die brutalen Morde an den Bossen der amerikanischen Mafiafamilien – man hat eben erlebt, wie seine Leute sich aufmachten in alle Ecken der Stadt und mit wie viel Fantasie und Lust sie an den Tötungsaktionen bastelten –, als Kay also fragt, ob das alles in seinem Auftrag geschehen sei, sagt er mit sanfter Bestimmtheit «Nein».

Gleich darauf füllt sich der Salon des Hauses, all die neuen Oberhäupter der Familien trudeln ein und erweisen Michael die Reverenz, dem neuen Paten der Stadt. Kay wendet sich ab und schweigt.

Michael Corleone ist eine Jahrhundertfigur, die drei grossen «Godfather»-Filme hindurch, und dass Francis Coppola ihn mit Al Pacino besetzte, ist der eigentliche Coup des Projekts. Nicht Marlon Brando, der traurig vor sich hinnuschelte, die Backen wattig ausgestopft. Die Produzenten hätten lieber Robert Redford oder Ryan O’Neal gehabt statt Pacino, und Pacino hätte lieber Michaels impulsiven Bruder Sonny gespielt.

Al Pacino als Michael Corleone in «The Godfather» von 1972.
Al Pacino als Michael Corleone in «The Godfather» von 1972.
Foto: Keystone

Dieser schien dem jungen «actor» näher, der in der Bronx geboren war, sich herumtrieb im Village, dort in den kleinen Theatern nächtigte, im Actors Studio das Improvisieren lernte, zusammen mit seinem Kumpel John Cazale, der dann im «Godfather» Michaels Bruder Fredo war.

Eine kühle Maske, aus der die zwei Augen stählern herausdringen.

Pacino ist die neue Method-Generation, er löste die Leibchen-Ikonen Brando und James Dean ab. Im zweiten Teil von «The Godfather» spielt er sogar an der Seite seines Lehrmeisters Lee Strasberg. Er und Michael sind Geschäftspartner, das heisst, sie versuchen sich gegenseitig umzubringen, aber Strasberg ist engstirnig, eitel, gierig. Michael hat schon die Eleganz der ganz grossen globalen Kriminalität. Eine Selbstdisziplin, die zur unverschämten Selbstgewissheit wird. Eine kühle Maske, aus der die zwei Augen stählern herausdringen.

Die Leute aus dem Actors Studio waren Aussenseiter, Kids aus den italienischen und jüdischen Viertel von New York, und ihr Spiel radikale Versuche von Selbstbehauptung. Monomanische, narzisstische Typen wie Robert de Niro, der so gern mit seinem Spiegelbild kommuniziert.

Leiserer Auftritt: Al Pacino als Fernsehproduzent in «The Insider» von Michael Mann.
Leiserer Auftritt: Al Pacino als Fernsehproduzent in «The Insider» von Michael Mann.
Foto: PD

Man hat Pacino immer wieder schamloses overacting vorgeworfen, aber das Korsett seiner Manierismen ist sehr viel lockerer als das des grimmigen «Taxi Driver». Nur einmal zog es sich zu, in William Friedkins «Cruising», da verkörperte er einen Cop, der undercover in der Schwulenszene von New York arbeitete.

Pacino kann ein richtiger Teamplayer sein, in Martin Scorseses Netflix-Eskapade «The Irishman» ist er als Gewerkschaftsboss Jimmy Hoffa sehr viel entspannter als die Scorsese-Bande De Niro, Pesci, Keitel. Es ist das erste Mal, dass er mit Scorsese arbeiten durfte, ein Modigliani-Projekt in den Achtzigerjahren wurde nie realisiert.

Er arbeitete mit Shakespeare

Im Team ist er auch in Michael Manns «The Insider», wo er den Produzenten der Fernsehsendung «60 Minutes» spielt, der einen Whistleblower vor die Kamera holt, der gegen die miesen Praktiken der Tabakindustrie aussagen will. Der Produzent kämpft entschlossen an seiner Seite, ein Held der Pressefreiheit, die bedroht ist von den Machenschaften des eigenen Senders. «Du bist ein Fanatiker», kanzelt sein Boss ihn ab, «du bist ein Anarchist.»

Pacino ist mürrisch in dieser Rolle und manchmal lächerlich, auf eine lässige Weise – er schafft das dank seiner Liebe zum Theater und besonders zu Shakespeare. Vier Jahre hielt er sich in den Achtzigern von Hollywood fern, blieb am Broadway, «Looking for Richard» hiess sein eigener Film, in dem er die Arbeit mit Shakespeare dokumentierte.

Ein Schauspieler, ein Verrückter, ein Heiliger?

«Manchmal denke ich, ich weiss nichts über die Schauspielerei», hat Al Pacino mal erklärt, «erst wenn ich dann zu spielen anfange – eine neue Figur, das ist aufregend.» Achtmal wurde er für den Oscar nominiert, zweimal für Michael Corleone, aber erst für «The Scent of a Woman» bekam er ihn. Er spielte einen Blinden, der die Lust aufs Leben zurückgewinnt, auf die Frauen.

Die rauchige Stimme, die uns nun fast ein halbes Jahrhundert begleitet, ist kratziger geworden, die Skepsis näher an Resignation gerückt. In «Manglehorn» hat er einen kleinen Schlüsseldienst und kümmert sich um all jene, die sich ausgesperrt haben aus ihrem Leben – nur er selber bleibt eingeklemmt in seiner Vergangenheit. Inzwischen träumt er von der ultimativen Rolle, dem König Lear. Der grosse Unbehauste, eine Rückkehr zu den Anfängen.

«Serpico», im Film von Sidney Lumet, war ein New Yorker Cop, der anders war als die andern. Kein Schmiergeld, dafür mit seiner Freundin ein paar Tanzschritte, «Singing in the Rain»... In der Abendschule, wo er Spanisch lernt, wird er mit Don Quijote konfrontiert. Was mag dieser sein, fragt der Lehrer – ein Schauspieler, ein Verrückter, ein Heiliger?

1 Kommentar
    Nicki

    schon 80 ? Ich liebte ihn in "Godfather"