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Film-Highlights der WocheAlle wollen diesen Gangster

In «The Wild Goose Lake» wird ein Bösewicht zugleich von Verbrechern und Polizisten gejagt. Dazu empfehlen wir weitere Kino- und Serienstarts.

Sowohl die Unterwelt als auch die Polizei jagen diesen Gangster (Ge Hu) in «The Wild Goose Lake».
Sowohl die Unterwelt als auch die Polizei jagen diesen Gangster (Ge Hu) in «The Wild Goose Lake».
Foto: Spot On

Hexenkinder

Dokumentarfilm von Edwin Beeler, CH 2020; 96 Min.

In der Schweiz wurden Neunjährige gefoltert und als «Hexenkinder» umgebracht, weil sie den gängigen Normen nicht entsprachen. Das ist 400 Jahre her. Aber noch vor 50 Jahren wurden Heimkinder – katholische und protestantische – aufs Grausamste misshandelt. Eine Bettnässerin in Einsiedeln zum Beispiel wurde Nacht für Nacht in die kalte Badewanne gesetzt und ihr Kopf unter Wasser gedrückt – Waterboarding bei den Nonnen, sozusagen. Der Innerschweizer Filmemacher Edwin Beeler trägt erschütternde Fälle aus verschiedenen Schweizer Heimen zusammen. Die Menschen, die er porträtiert, fesseln mit ihrer Authentizität und ihrem Mut zu sprechen. Und der Film überzeugt auch dadurch, dass er starke Bilder für die Umsetzung ihrer Gedanken findet. (ml)

Houdini

Ratched

Serie von Ryan Murphy und Evan Romansky, USA 2020; acht Folgen

Wenn es etwas Neues gibt von Ryan Murphy – Schöpfer von «Glee» und «American Horror Story» –, dann ist gewiss: Es wird queer, es wird seltsam, es wird vor allem stylish. Seine Serien bieten den extravagantesten Blick ins amerikanische Unterbewusstsein, diesmal in Form eines Psychothrillers nach dem Roman «One Flew over the Cuckoo’s Nest» (1975), der sich auf den Werdegang der sadistischen Krankenschwester Mildred Ratched (Sarah Paulson) konzentriert: 1947 beginnt sie ihre Arbeit in einer Klinik in Kalifornien, wo allerlei schreckliche Dinge ausprobiert werden, etwa Lobotomien, und wo man Homosexualität für eine Geisteskrankheit hält, die sich therapieren lässt. Ratched aber ist die geplagteste, gespaltenste Figur in dieser faszinierenden Schauergeschichte. (blu)

Ab Fr, 18.9., auf Netflix

The Wild Goose Lake

Gangsterfilm von Diao Yinan, China 2019; 113 Min.

Nicht alles, was aus Wuhan kommt, ist ein Debakel für die Menschheit, das beweist dieser exquisite Neo-Noir von Diao Yinan. In der chinesischen Unterwelt streiten sich zwei Banden darüber, wer wo Mofas klauen darf, es artet aus zur Prügelei, und am Ende hat der Gangster Zenong Zhou (Ge Hu) einen Polizisten erschossen, was er eigentlich gar nicht wollte. Es beginnt eine Menschenjagd von gewaltigem Ausmass, aber Zenong gelingt es dank der Hilfe einer Frau, sich zu verstecken. Jedes Bild ist effektvoll beleuchtet und komponiert, aber nichts ist plumpes Gimmick, sondern immer gibt es filmische Lösungen für eine nicht unromantische Geschichte über Flucht und Verrat. Der dunkle Wahnsinn – und der Auftritt des Gabelstaplers ist unvergesslich. (blu)

Houdini

Egoisten

Dokumentarfilm von Stéphane Santini und Géraldine André, CH 2019; 56 Min.

Die Médecins sans Frontières (MSF) haben einem Team von Filmemachern ihre Tore geöffnet; dieses lässt Helferinnen und Helfer und deren Angehörige zu Wort kommen. In Anwesenheit von Jürg Berger, der für die MSF im Südsudan stationiert war. (ggs)

Di, 22.9., 18.30 Uhr, Kosmos

Hellzapoppin’

Musical von Henry C. Potter, USA 1941; 84 Min.

Der Film läuft – und wird abgebrochen, weil der Regisseur mit dem Drehbuch unzufrieden ist. Ein neues muss her. «Hellzapoppin’» ist eine durchgeknallte Komödie übers Filmemachen, in der sich die Handlungsebenen ständig mischen. In der Reihe «Cinépassion», mit einem Kommentar von Volker Hartmann. (ggs)

Sa, 19.9., 10.30 Uhr, Arthouse Piccadilly

National Gallery

Dokumentarfilm von Frederick Wiseman, USA 2014; 174 Min.

In der Reihe «Richtig lang» läuft diese richtig lange Doku über die National Gallery in London. Ein umfassendes Porträt des Museums. Es geht um die Bewunderung für William Turners Gemälde oder um die Würdigung der Tatsache, dass bei der Gründung der Sammlung Gelder aus Sklavenausbeutung eine Rolle spielten. (ggs)

So, 27.9., 16.30 Uhr, Xenix

ZHdK-Diplomfilme

Da porträtiert eine Doku paralympische Sportler aus der Ukraine («Pushing Boundaries») oder erzählt eine Komödie von einer Frau, die Hunde vergiftet («Die traurige Ballade der Isabell K.»): Nachwuchsfilmerinnen und -filmer stellen ihre Abschlussarbeiten vor. Für alle Vorstellungen gilt eine Maskenpflicht. (ggs)

Di, 22.9., bis Fr, 25.9., Kino Toni, Pfingstweidstrasse 96