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Mamablog: Tipps für AlleinerziehendeAlleine im Wohnzimmer, Abend für Abend

So geht Trennung: Unsere alleinerziehende Autorin teilt mit uns ihre Erfahrungen der letzten Jahre.

Zeit für sich nehmen? Unmöglich! Treffen finden meist mit Kindern statt oder gar nicht.
Zeit für sich nehmen? Unmöglich! Treffen finden meist mit Kindern statt oder gar nicht.
Foto: Getty Images

Unbestritten, der Tag, an dem man sich eingestehen muss, dass die Beziehung gescheitert ist, fühlt sich sehr schmerzhaft an. Die gemeinsamen Ziele, wie Kinder aufziehen, Erlebnisse teilen und gemeinsam alt werden, hat man schlicht nicht erreicht. Liebesversprechungen, Träume und Wünsche haben sich verdünnt und schliesslich ganz in Luft aufgelöst. Meist bleibt ein Scherbenhaufen und Unverständnis für den anderen zurück.

Die Herausforderungen der letzten Jahre haben mich gelehrt, wie man als alleinerziehende Mutter dennoch Erfolg haben und positiv durchs Leben gehen kann. Diese Erfahrungen möchte ich gerne teilen.

Me, Myself & I

Die Arbeit ist getan, die Kinder im Bett. Und du? Alleine im Wohnzimmer. So ist das nun, Abend für Abend. Ruhe zu ertragen, ist anfänglich gar nicht so einfach. Ich verspreche aber bereits an dieser Stelle, nach etwas Übung kannst du gar nicht genug davon bekommen. Ich erinnere mich gut an den Moment, als ich von einer getrennt erziehenden Mutter zu einer alleinerziehenden Mutter geworden bin. Auf einen Schlag fielen jegliche Freiheiten und die Zeit für einen selbst weg. Entweder agiert man als Mutter oder als Berufsfrau. Dazwischen liegt der Arbeitsweg. Klar, dass spontane Highlights mit Freundinnen nun gar nicht mehr möglich sind. Treffen finden mit Kindern statt oder nicht. Das ist nicht jederfraus Sache.

Ich erinnere mich an ein Beispiel, da war ich mit einer Freundin zum Essen verabredet. Leider erkrankte die Babysitterin. So schlug ich vor, bei mir zu Hause statt im Restaurant zu essen. Weder goutierte sie meinen Vorschlag, noch verstand sie, wie gerne ich sie dennoch gesehen hätte. Was ich damit sagen will: Menschen begleiten einen nicht von Geburt bis zum Tod. Einige steigen frühzeitig aus, andere kommen dazu. Heute habe ich wunderbare Freundinnen. Die besten. Die hatte ich bereits vor zehn Jahren, auch wenn es nicht dieselben waren. Veränderungen bringen auch neue Chancen. Die Kunst ist, diese zu sehen und zuzulassen.

Mein Tipp: Suche dir für deine (Klein-)Kinder eine verlässliche Bezugsperson aus deiner Nachbarschaft. Wenn es bei der Arbeit mal später wird oder du abends weggehen möchtest, kann sie unkompliziert bei dir ein- und ausgehen und dich unterstützen. Wenn du die Kinder jedes Mal erst ans andere Ende der Stadt kutschieren musst, falls du – was selten genug vorkommt – mal abends oder am Wochenende ausgehen möchtest, ist der Aufwand für ein paar Stündchen Erholung so gross, dass du es vermutlich nicht sehr oft machen wirst. Abgesehen davon, dass du dir das Packen für die Übernachtung ausser Haus sparst, bleiben die Kinder so in ihrer gewohnten Umgebung, was auch für sie ein Vorteil ist.

Es ist wichtig, dass du dir Zeit für dich selber einplanst, wenn die Kinder das ganze Jahr über bei dir leben.

Deine Freundschaften verändern sich. Das ist nicht schlimm. Familien mit Kindern in ähnlichem Alter gibt es sicher in der Nachbarschaft. Wenn du alleinerziehend bist, kommt vielleicht eine Single-mit-Kind-WG in Frage. Oder hast du vielleicht sogar ein Zimmer frei, das du an eine oder einen Studierenden untervermieten könntest? Vielleicht erklärt sich dein neuer Mitbewohner sogar bereit, im Austausch gegen günstige Mietkonditionen an manchen Abenden zu Hause zu bleiben und ein Auge auf die Kinder zu haben? Es ist wichtig, dass du dir Zeit für dich selber einplanst, wenn die Kinder das ganze Jahr über bei dir leben.

Die neue Mama, der neue Papa

Wenn dein Ex eine neue Partnerin hat, ist das schmerzlich. Du wirst ersetzt. Natürlich war dir klar, dass das irgendwann einmal passieren wird, doch wenn es dann wirklich geschieht, erlöscht der letzte Funken Hoffnung, dass man wieder eine intakte Familie wird. Nimm es an. Weine, fluche, lass deinem Ärger Raum. Doch tue das nicht vor oder mit deinen Kindern! Nie. Du zerstörst damit viel mehr als es dir helfen würde. Für Kinder bleiben Papa und Mama die Besten. Eine neue Partnerin oder ein neuer Partner kann geliebt, geschätzt oder vergöttert werden, dennoch nimmt sie oder er nicht deinen Platz als Mutter oder Vater ein. Freu dich darüber, wenn sie toll ist, so gewinnen die Kids eine weitere positive Bezugsperson. Sollte sie doof sein, lernen die Kinder damit umzugehen. Sie werden bestimmt noch andere doofe Menschen treffen. Lass los und versuche, das Beste daraus zu machen.

Mein Tipp: Schreib dir deinen Unmut von der Seele. Schreib dir aber auch auf, warum es dir ohne deinen Ex besser geht. Führe Buch. Notier dir, in welchen Situationen du trauerst oder wütend wirst. Was sind die Auslöser dafür? Mit wem fühlst du dich gut, mit wem beginnst du an dir zu zweifeln? Mit diesen Angaben wirst du bald mehr über dich selbst erfahren und deine Stimmung besser steuern können. Und denk daran: Du bist immer die beste Mama oder der beste Papa für deine Kids.

Fehlendes Puzzleteil

Viele suchen nach einer gescheiterten Ehe verzweifelt nach einem Ersatzpapi oder -mami. Das fehlende Puzzleteil soll so gut und schnell wie möglich gefunden werden. Aber so einfach ist das nicht mit der Liebe. Und hier haben wir nicht nur Liebe, sondern zahlreiche unterschiedliche Bedürfnisse, auf die es Rücksicht zu nehmen gilt. Eine neue Beziehung braucht Raum, Zweisamkeit und Zeit. Darum gib dir Zeit. Und lass deinen Flirt erst dann zu deinen Schützlingen, wenn sich nach der anfänglichen Verliebtheit auch Vertrauen und Zuverlässigkeit einstellen. Denn auch Kinder, vor allem kleine, klammern sich wie verrückt an einen neuen Partner oder eine neue Partnerin. Auch sie wünschen sich, dass alles «normal» ist. Ein erneuter Verlust ist für sie schwer zu verkraften. Unsere Verantwortung als Mutter oder Vater ist riesig, und wir müssen unbedingt der solide Anker unserer kleinen Familie bleiben, statt Gefühlschaos und innerliche Unruhe zu riskieren. Nutze deine Energie für Schönes und geniess die Zeit mit deinen Kindern.

Mein Tipp: Nimm dir ab und zu deine Auszeit. Konzentriere dich im Alltag auf deine Kinder, deinen Beruf und deinen Freundeskreis. Geniesse deine Freiheiten. Und habe kein schlechtes Gewissen, wenn es mal nur Jogurt zum Znacht gibt.

Sie haben soeben den zweiten Teil einer Miniserie zum Thema Trennung gelesen. In ihrem nächsten Beitrag wird Olivia Hager über ihre Erfahrungen in Sachen gemeinsame Familienanlässe und Ferienplanungen schreiben.

14 Kommentare
    Lukas Huwiler

    Ich frage mich, wieso getrennte Beziehungen immer als "gescheitert" bezeichnet werden. Wenn man nach 25 Jahren den Beruf wechselt, redet auch niemand davon, dass man beruflich gescheitert ist. Im Gegenteil ist hier die allgemeine Wahrnehmung eher positiv im Sinm von Weiterentwicklung, Perspektivenwechsel etc. Vielleicht würde es generell besser klappen und auch bei einer Trennung helfen, Hass und ähnliches zu vermeiden, wenn die Einstellung wäre: Es ist solange gut zwischen zwei Menschen, wie es gut ist. Und wenn es mal nicht mehr so ist, war es deswegen vorher trotzdem gut. Und wenn das 10, 20 Jahre waren, ist der Begriff "gescheiterte Beziehung" ganz sicher unzutreffend.