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ProbefahrtAlles andere als kalter Kaffee

Mit dem neuen Mokka bricht Opel zu neuen Ufern auf – wieder einmal. Der kleine SUV auf Peugeot-Basis hat allerdings tatsächlich das Zeug zum Bestseller.

Komplett neue Designsprache: Mit dem Mokka-e will sich Opel neu erfinden.
Komplett neue Designsprache: Mit dem Mokka-e will sich Opel neu erfinden.
Bild: Opel

Passanten bleiben stehen, Köpfe drehen sich, hier und dort werden die Handys gezückt. Auf der ersten Probefahrt mit dem neuen Opel Mokka-e fühlt man sich wie in einem raren Hypercar. Nicht, dass der kleine SUV durch besondere Fahrdynamik hervorstechen würde. Doch die Blicke, die dem Neuling zufallen, haben eine vergleichbare Qualität: Wow, was ist denn das für ein Auto?

Es ist lange her, dass die Rüsselsheimer Marke mit ihrem Fahrzeug-Design für Aufsehen gesorgt hat – das gelang mit unvergessenen Modellen wie dem GT (ab 1968) oder dem Manta (ab 1970), in jüngerer Zeit jedoch nicht mehr. Die Neuauflage des Mokka soll das wieder ändern. «Mit ihm haben wir Opel quasi neu erfunden», sagt Opel-Chef Michael Lohscheller, und er betont: «Wir haben das Auto vom ersten Federstrich an in Rüsselsheim designt und entwickelt.» Besonders heraus sticht dabei der «Vizor» – ein neues Gestaltungselement, das den Kühlergrill, die Scheinwerfer und das Markenlogo optisch in einer Einheit vereint und so an das Visier eines Helms erinnert. «Wir wollen damit der Marke ein frisches, neues Gesicht geben», erklärt Designchef Mark Adams. «Unser neuer Vizor ist klar und unverwechselbar und bleibt der deutschen Tradition verhaftet, in der die Form der Funktion folgt.»

Neue Möglichkeiten

Es fällt nicht nur in diesen Aussagen auf, dass Opel aktuell gerne die deutsche Herkunft betont – die Rüsselsheimer bangen seit der Übernahme durch den französischen PSA-Konzern um ihre Identität. Doch die Fusion eröffnet auch neue Möglichkeiten. So basiert der neue Mokka auf einer PSA-Plattform – auf ihr entstanden bereits Modelle wie der Peugeot 208 oder der Citroën C4. Diese modulare Multi-Energy-Plattform (CMP) kann für Verbrennungsmotoren und auch für batterieelektrischen Antrieb verwendet werden, was den kleinen Opel-SUV umso spannender macht. Denn neben einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit 100 oder 130 PS sowie einem 1,5-Liter-Diesel mit 110 PS ist auch die Variante Mokka-e mit reinem Elektroantrieb (100 kW/136 PS) erhältlich.

Der Mokka-e verfügt über eine Batterie mit 50 kWh Kapazität, was für eine maximale Reichweite nach WLTP von 324 Kilometer reichen soll. Wie weit man in der Realität kommt, liegt in erster Linie am Fahrstil und an den Temperaturen – Opel gibt bereitwillig zu, dass die Reichweite im Winter auf etwa 250 Kilometer schrumpft. Das ist nicht viel, dürfte aber im Alltagseinsatz dennoch den meisten Autofahrern genügen. Geladen wird dafür ziemlich flott: An der Schnellladesäule mit maximal 100 kW Gleichstrom sind in 30 Minuten 80 Prozent der Batterie wieder voll, an der Wechselstrom-Wallbox mit 11 kW dauert das etwas mehr als fünf Stunden.

Gemütlich und komfortabel

Vom Elektroantrieb mit einer Leistung von 100 kW (136 PS) darf man keine Wunder erwarten. Der frontgetriebene Mokka-e beschleunigt munter und stürmt in 3,7 Sekunden auf 50 km/h, darüber geht es aber eher gemütlich zu und her. Tempo 100 ist in neun Sekunden erreicht, bei 150 km/h haben ihm die Entwickler einen Riegel geschoben – das reicht locker, ein kleiner SUV ist schliesslich kein Sportwagen. Der Fahrkomfort ist für dieses Fahrzeugsegment sehr gut, der Mokka rollt manierlich ab, von Fahrgeräuschen ist im Innern wenig zu hören, was bei E-Autos besonders wichtig ist. Bequeme Sitze – dafür ist Opel bekannt – und eine gute Ergonomie im Cockpit sorgen zudem dafür, dass man im franko-deutschen SUV gerne auch mal eine längere Strecke fährt. Das ist für einen 4,15 Meter langen Kleinwagen keine Selbstverständlichkeit.

«Der Mokka verkörpert perfekt die Markenwerte von Opel – deutsch, nahbar, begeisternd», ist Opel-Chef Michael Lohscheller überzeugt. Die Marke mit dem Blitz im Emblem arbeitet erneut an einem Imagewechsel – und mit Produkten wie dem neuen Mokka sind sie auf einem guten Weg dazu. Der SUV hat das Zeug zum Bestseller, zumal er nicht nur gut aussieht und umfangreich ausgestattet ist, sondern auch preislich attraktiv positioniert ist: Ab 24'490 Franken ist die Einstiegsvariante mit 100 PS zu haben, der vollelektrische Mokka-e wird ab 36’200 Franken angeboten. Wie viele Käufer sich für die E-Variante entscheiden, wird sich zeigen – Opel rechnet hierzulande mit einem Anteil von 20 Prozent. Da die Elektromobilität weiterhin boomt, dürfte dieses Ziel bald überschritten werden.

Ein Blickfang, auch von hinten. In den Kofferraum der E-Variante passen immerhin 310 Liter Gepäck.
Ein Blickfang, auch von hinten. In den Kofferraum der E-Variante passen immerhin 310 Liter Gepäck.
Bild: Opel
Der Mokka-e schafft bis 324 Kilometer nach WLTP, geladen wird mit bis zu 100 kW.
Der Mokka-e schafft bis 324 Kilometer nach WLTP, geladen wird mit bis zu 100 kW.
Bild: Opel
«Vizor»: Das Element aus Scheinwerfern, Grill und Emblem wurde dem ersten Opel Manta nachempfunden.
«Vizor»: Das Element aus Scheinwerfern, Grill und Emblem wurde dem ersten Opel Manta nachempfunden.
Bild: Opel
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11 Kommentare
    Asa Berg

    Die Frage ist, wieso kostet die elektrische Variante über 11'000 mehr als die benzingetriebene? Klar kostet der Akku mehr als ein Tank. Doch die Komplexität ist bei einem Benziner oder Diesel massiv höher. Wahrscheinlich soll so ein bestimmter Markt bedient werden, der bereit ist mehr zu bezahlen? Oder sollen die reduzierten Wartungskosten quasi im Vorfeld reingeholt werden?