Alles anders

Das Festival widmet sich Geschlechterfragen. Der Tänzer und Choreograf Nils Amadeus Lange tut das mit einem Hexentanz.

Tänzer aus der Zwischenwelt: Nils Amadeus Lange.

Tänzer aus der Zwischenwelt: Nils Amadeus Lange.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Zürich moves!, das Festival für zeitgenössischen Tanz und Performance, ist «queer» dieses Jahr. Die Tänzerinnen und Tänzer, Künstlerinnen und Künstler aus der Schweiz und dem Ausland ergründen in ihren Arbeiten die Eigenheiten und Identitäten der Geschlechter, sie fragen nach Uneindeutigkeiten, Grenzen und Grenzüberschreitungen. Als «queer» bezeichnet man jene, die nicht in das vermeintlich normale heteronormative Schema passen. ­Zürich moves! will solche gesellschaftlich geprägten Normen sprengen.

Einer, der das auf sarkastische Art tut, ist Nils Amadeus Lange. Der 25-jährige Deutsche feiert mit Teil II seiner Choreografie «666 Renewed» Premiere. Die Trilogie widmet sich Schönheit und Erotik, blosser Haut und Apple-Produkten. Teil II handelt von Hexen. «Es gibt drei Typen von Hexen: Die erste kann zaubern, die zweite wird von der Gesellschaft als Hexe bezeichnet, die dritte nennt sich selber so, hat aber keine Zauberkräfte», sagt Lange. Die Hexen in seinem Stück für zwei Tänzer(innen) gehören zu Letzteren. Sie bezeichnen sich als Heilerinnen. «In den 90er-Jahren gab es diese Aloe-Vera-Fanatikerinnen», sagt Lange. Von diesen Fitness- und Gesundheitsverrückten liess er sich inspirieren.

Die beiden so gut wie nackten Tänzer tragen Joggingschuhe, Aloe-Vera-Blätter zieren die ansonsten weisse Bühne. Und es kommen – als Vertreter einer weiteren ­Ersatzreligion – eine Reihe von Apple-Produkten zum Einsatz. Als Symbole des ­Kapitalismus. Langes Hexentanz ist inspiriert von Mary Wigman, 1886 in Hannover geboren und eine der ersten Ausdrucks­tänzerinnen. Wigman tanzte, ohne eine Geschichte zu erzählen, sie erforschte stattdessen Bewegungen, die ein menschlicher Körper vollführen kann. Statt eines Orchesters brauchte sie bloss den Rhythmus von Trommelschlägen. Auch Langes Hexenstück kommt fast ohne Melodien aus, es wird begleitet von harten, elektronischen Klängen. «Wie Musik aus einer Zwischenwelt», sagt er. Von ebendort scheint auch seine Figur zu kommen, die weder weiblich noch männlich ist.

Von 13. bis 20. März bietet Zürich moves! grenz- und genderüberschreitenden Tanz, Tanzfilme und Performancekunst. Verschiedene Orte. www.zurichmoves.com

Erstellt: 11.03.2015, 13:45 Uhr

Drei Festivaltipps

Yellow Towel
Dana Michel setzt sich mit den Stereotypen der schwarzen Kultur auseinander. Bemerkenswert.
Tanzhaus Zürich, Di 17.3., 20 Uhr

Eternal One-Night-Stand
One to one performances mit Ivan Blagajcevic a.k.a. Evalyn, Daniel Hellmann, Marie-Caroline Hominal u.a.Réunion
Do 19.3., 21 Uhr

The Dog Days Are Over
Der Belgier Jan Martens zelebriert das Springen.
Tanzhaus Zürich, Fr 20.3., 21 Uhr

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Blogs

Mamablog Es gibt nicht nur Heteros!

Sweet Home Trost aus der Pfanne

Die Welt in Bildern

Logenplätze: Die Bewohner der nepalesischen Ortschaft Bode verfolgen den Nil-Barahi-Maskentanz von ihren Fenstern aus. Während des jährlichen Fests verkleiden sich Tänzer als Gottheiten und ziehen durch die Strassen. (20. August 2019)
(Bild: Navesh Chitrakar) Mehr...