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Juicar wird eingestelltAlpiq gibt Elektroauto-Abo auf

Mit dem Abo für Elektroflitzer namens Juicar wollte der Stromriese Alpiq ein neues Geschäftsfeld erobern. Zwei Jahre nach der Lancierung wird es eingestellt.

Mit Juicar wollte Alpiq in ein neues Geschäftsfeld vordringen. Damit ist nach kurzer Zeit aber Schluss.
Mit Juicar wollte Alpiq in ein neues Geschäftsfeld vordringen. Damit ist nach kurzer Zeit aber Schluss.
Foto: Alpiq

Es sollte der grosse Wurf in Sachen Elektromobilität sein: Im August 2018 lancierte der Stromriese Alpiq das Auto-Abo Juicar. Der O-Ton bei der Lancierung: «Das Full-Service-Angebot» erfülle alle Voraussetzungen für «eine komfortable Elektromobilität». Alles ist inbegriffen: «vom Elektroauto vor der eigenen Haustüre über die passende Heimladestation, das öffentliche Laden und die Motorfahrzeugsteuer bis hin zur Versicherung und der Begleichung der Stromkosten» (Erfahren Sie mehr zum Thema Auto-Abo).

Damit das Angebot zum Fliegen kommt, holte man Ex-Miss Schweiz Melanie Winiger im vergangenen Jahr als Kopf für eine Werbekampagne. Im Januar dieses Jahres verkündete Alpiq dann: In der Schweiz verzeichne das Angebot eine stetig steigende Nachfrage. Deshalb wurde das Angebot in Italien und Deutschlandweit ausgerollt.

Doch was gross angekündigt wurde, endet jäh. Auf der Homepage von Juicar heisst es nun: Das Angebot wurde auf Ende Juni aufgegeben. Noch bis zum 30. September kann man es nutzen.

Entwickelt hat Juicar eine Ideenschmiede von Alpiq namens Oyster Lab. Wie viele Kunden das Angebot genutzt haben, gibt Alpiq nicht preis. Ebenso wenig, wie viel Geld das Projekt verschlungen hat. Man verzeichnete eine erfreuliche Nachfrage in der Schweiz, Juicar sei geschätzt worden von den Kunden und habe eine hohe Akzeptanz erfahren, so eine Alpiq-Sprecherin.

Doch warum lässt Alpiq das Angebot nun trotzdem fallen? «Die Überprüfung der derzeitigen Position von Juicar und eine sorgfältige Bewertung ergaben, dass der Markt nicht reif genug für ein reines Elektroauto-Abo-Angebot ist», sagt die Sprecherin auf Anfrage. Im Vergleich zum klassischen Auto-Abo-Markt würden «die zunehmenden Unterbrechungen der globalen Lieferkette und die verzögerten Zeitschienen neuer Elektroauto-Modelle» das Wachstum von reinen Elektroauto-Abos erschweren. Zudem sei die Autovermietung kein Kerngeschäft von Alpiq.

Bei der Konkurrenz läuft es besser

Auch wenn Alpiq sein Angebot nun einstellt: Auto-Abos boomen während Corona. Und auch solche Abos, die bewusst auf Elektroautos setzen, sind offenbar gefragt. Die SBB gehen beim Angebot SBB Green Class allerdings noch einen Schritt weiter. Dort kann ein Elektroauto mit ÖV-Abos und anderen Angeboten kombiniert werden. Alpiq betont, dass Juicar «eine gänzlich andere Ausrichtung» hatte.

SBB Green Class habe derzeit mehrere Hundert Kundinnen und Kunden, heisst es bei den SBB. Weil wegen Corona das Angebot nicht aktiv beworben werde, liege die Anzahl der Kunden leicht unter dem gewünschten Niveau, sagt eine SBB-Sprecherin. Es sei aber trotzdem zufriedenstellend für die SBB. Während Corona hätten Anfragen für das Angebot zugenommen. «Inwiefern sich diese Tendenz in den Zahlen von Green Class niederschlagen wird, bleibt abzuwarten», so die Sprecherin.

Während Alpiq keine Chance für ein reines Elektroauto-Abo sieht, versucht es TV- und Internetanbieter Teleboy mit einem eigenen Angebot in diesem Geschäft. Der Startschuss für das Projekt war im Dezember 2019, im April verkündete die Firma, dass über 100 Reservierungen eingegangen seien. Das Spezielle am Angebot: Wer das Auto mit dem Teleboy-Logo durch die Gegend fährt, zahlt weniger.

1 Kommentar
    G. Gehler

    Zudem sei die Autovermietung kein Kerngeschäft von Alpiq... eben.