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Breitensport nach dem LockdownAls ob es so einfach wäre

Der Stadtturnverein Bern ist einer der grössten polysportiven Vereine der Schweiz. Ab Montag dürfen seine rund 2000 Mitglieder unter Einhaltung der Schutzmassnahmen wieder Sport treiben – die wenigsten werden das tun.

Gemäss Corona-Schutzkonzept bereits eine heikle Situation beim Training: Junge STB-Leichtahleten bei der Stabübergabe in der Staffel.
Gemäss Corona-Schutzkonzept bereits eine heikle Situation beim Training: Junge STB-Leichtahleten bei der Stabübergabe in der Staffel.
Daniel Werthmüller - athletix.ch

Auf diesen Tag haben Sportler lange gewartet. Ab Montag dürfen sie auf die Trainingsplätze und in die Turnhallen zurückkehren, um ihrem Hobby zu frönen. So simpel das tönt: Für viele Clubs wird das zu einer veritablen Herausforderung. Weil nichts mehr ist, wie es einmal war. Um die Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, müssen alle Sportarten Schutzkonzepte umsetzen. So sind zwar Trainings in einer Gruppe von maximal 5 Personen möglich, aber es gilt, den Mindestabstand von zwei Metern einzuhalten. Garderoben und Duschen bleiben geschlossen, und die Anlage darf erst kurz vor Trainingsstart betreten und muss danach sofort wieder verlassen werden. Am Beispiel des STB, der 13 eigenständig organisierte Vereine zählt, zeigt sich, was nun auf die Clubs zukommt.

Geht der Trainingsbetrieb am Montag gleich wieder los?

Die STB-Leichtathleten werden am Montag als Einzige wieder trainieren. Und selbst bei ihnen kommen lediglich die Leistungssportler ab Stufe U-16 zum Zug. In einer Woche steigen dann als Nächste im STB die Basketballer ins Training ein. Zuerst müssen sie jedoch abklären, wie sie das Schutzkonzept überhaupt umsetzen können. Selbiges gilt für die Volleyballer. Es gibt auch STB-Vereine, die den Betrieb vorerst nicht aufnehmen, was primär am Alter der Mitglieder liegt. Beim Seniorensport gehören alle, bei der Fitnessgruppe einige Mitglieder der Risikogruppe an. Letztere hat aber eine Alternative gefunden: Einmal wöchentlich steht nun Pilates auf dem Programm, die Turner melden sich dafür einfach im Videochat an und folgen den Anweisungen der Leiterin.

Wie wurde das Schutzkonzept von den Vereinen aufgenommen?

Am wenigsten Mühe bereitet die Umsetzung den Leichtathleten. Sie können den Mindestabstand am ehesten wahren, zumindest bei den Leistungssportlern. Anders ist es bei den Kindern, weshalb sie nicht vor dem 8. Juni zusammen trainieren werden. «Für sie steht die Freude an der Bewegung im Vordergrund, das Miteinander, und das geht bei diesen Massnahmen ein Stück weit verloren», sagt Beatrice Born, Geschäftsleiterin der STB-Leichtathletik. Für andere Sportarten bringt es mehr Schwierigkeiten mit sich, die Vorgaben des Schutzkonzepts einzuhalten – was zur nächsten Frage führt.

Macht die Umsetzung Probleme?

Beim Basketball ist Körperkontakt unumgänglich, beim Volleyball kommt man sich am Block oder bei der Abwehr ebenfalls nahe. «Ein Mannschaftstraining ist so unmöglich», sagt Daniel Wahli, Präsident der STB-Basketballer. Aber selbst für die Leichtathleten ist die Umsetzung des Schutzkonzepts herausfordernd. Das beginnt bereits bei der An- und Abreise der Sportler. Viele von ihnen kamen vor Corona mit dem Tram ins Wankdorf zum Training. Nun sollte der ÖV ebenso wie Fahrgemeinschaften gemieden werden. Überdies müssen Trainingsinhalte angepasst und Material regelmässig desinfektiert werden.

Ist der Aufwand zu gross? Und hat es genügend Trainerinnen und Trainer, um die vielen Vorgaben zu erfüllen?

Die Planung erfordert zweifellos viel Arbeit von Trainern und Funktionären. Die Basketballer etwa überlegen sich, im Schichtbetrieb und nach Position der Spieler zu trainieren. Die zahlreichen Vorgaben lassen sich nur dank Mehreinsätzen und viel Flexibilität der Trainerinnen und Trainer wie gefordert umsetzen.

Ist die nötige Infrastruktur dafür vorhanden?

Die Stadt Bern öffnet am Montag sämtliche Anlagen. Anders sieht es in einigen Nachbargemeinden aus, in welchen die STB-Vereine ebenfalls trainieren. Auch das ist ein Grund, weshalb nicht alle den Betrieb sofort hochfahren können.

Gibt es Bedenken im Verein oder von Eltern und Behörden bezüglich Wiederaufnahme des Trainings?

Bis jetzt nicht. Sollten aber Eltern Zweifel haben, ihre Kinder wieder ins Training zu schicken, werde man verständnisvoll reagieren, sagt Wahli. «Wer unter diesen Voraussetzungen nicht trainieren möchte, wird deshalb keinen Nachteil haben.»

Ergibt es überhaupt Sinn, schon wieder zu trainieren, wenn bis auf weiteres keine Wettkämpfe möglich sind?

Für die Leichtathleten auf jeden Fall. Weil sie höchstwahrscheinlich die Einzigen sein werden, die im Sommer Wettkämpfe absolvieren dürfen. Die Basketballer können zwar bis auf weiteres nur Wurf- und Techniktrainings anbieten. «Aber das ist immer noch viel besser, als wenn die Spieler allein und ohne Anleitung trainieren», sagt Wahli.