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Corona bei SeniorenAltersheime müssen dringend Massentests einführen

Das Virus findet auch beim besten Schutzkonzept seinen Weg ins Heim. Bis alle geimpft sind, die dies wollen, gibt es nur eines: Bewohner und Personal regelmässig testen.

Auf Hilfe von oben zu hoffen, reicht nicht: Im Pflegeheim Ruferheim in Nidau hängt ein Schutzengel an einem Rollator.
Auf Hilfe von oben zu hoffen, reicht nicht: Im Pflegeheim Ruferheim in Nidau hängt ein Schutzengel an einem Rollator.
Foto: Raphael Moser 

Was in diesen Wochen in den Altersheimen vor sich geht, ist beispiellos: Wo das Virus eingedrungen ist, werden ganze Stockwerke oder gleich das ganze Haus für Besucher geschlossen. Bewohnerinnen und Bewohner müssen zehn Tage lang allein in ihren Zimmern bleiben, das Essen wird ihnen ins Zimmer gestellt.

Wir draussen bekommen oft nur noch die Zahl der Toten zu hören. 7500 Personen sind in der Schweiz an Covid-19 gestorben, seit Anfang Oktober jede zweite im Altersheim. Tatsächlich sind aber weitaus mehr Heimbewohner dem Virus erlegen: Gerade Ältere, die häufiger einen schweren Krankheitsverlauf haben, wurden oft vom Heim ins Spital gebracht.

Zu lange haben Kantone und Heime allein auf ihre Schutzkonzepte vertraut. Schutzkonzepte sind wichtig, aber man darf nicht meinen, dass das Virus deswegen nicht einen Weg ins Heim findet: Die Pflegenden müssen vielen Bewohnern beim Waschen, Anziehen und Essen helfen; das können sie nicht aus eineinhalb Metern Distanz tun. Wohl tragen sie dabei Maske und haben die Hände desinfiziert – nicht aber alle Heimbewohner.

Manche haben Atemprobleme und bekommen mit Maske nicht genug Luft. Andere sind dement. Wie will man ihnen erklären, dass sie jedes Mal, wenn sie eine Türklinke angefasst haben, 30 Sekunden lang die Hände waschen müssen?

Bevor der erste Bewohner hustet, hat sich schon eine ganze Reihe weiterer angesteckt.

Mittlerweile haben Fachleute das Offensichtliche erkannt: Wenn das Virus einmal im Heim ist, bringt man es nicht so schnell wieder hinaus: Bevor der erste Bewohner hustet, hat sich schon eine ganze Reihe weiterer angesteckt.

Die Heime müssen deshalb dafür sorgen, dass das Virus erst gar nicht ins Haus gelangt. Dafür hätten sie schon länger ein geeignetes Mittel zur Hand: Massentests. Bis heute hat mit Baselland aber erst ein Kanton begonnen, sie regelmässig einzusetzen. Andere evaluieren immer noch.

Massentests sind zunächst ein zusätzlicher Aufwand. Aber: Sie sind weniger umstritten als Impfungen, sie sind verfügbar – und sie retten die Leben von unseren Müttern, Vätern, Grossmüttern und Grossvätern in den Heimen.

60 Kommentare
    Markus Bohren

    Echt tragisch. Testen und nochmals Testen, weiss man seit Beginn der Pandemie. Ich kann das nicht verstehen. Dabei sollte man den Spitex nicht vergessen. Das Personal muss meiner Meinung nach, täglich vor Arbeitsbeginn getestet werden.