Zum Hauptinhalt springen

Lustig ists im AppenzellerlandAn der Nabelschnur des Humors

Wer auf dem Witzwanderweg durchs Appenzellerland unterwegs ist, trainiert die Lachmuskeln. Die Rundfahrt mit Zahnradbahnen und Schiff komplettiert das Landschaftserlebnis.

Wandernd lachen oder lachend wandern: Eine Familie amüsiert sich auf dem Witzwanderweg zwischen Heiden, Wolfhalden und Walzenhausen.
Wandernd lachen oder lachend wandern: Eine Familie amüsiert sich auf dem Witzwanderweg zwischen Heiden, Wolfhalden und Walzenhausen.
Foto: Daniel Ammann


Wenn man in Heiden AR am Bahnhof mit schallendem Gelächter empfangen wird, darf man nicht weiter erstaunt sein. Hier steht nämlich gleich neben den Geleisen eine Witzkiste. Darin werden via Videobotschaft Witze von waschechten Appenzellern erzählt. Wer zuvor in Rorschach SG ein Erlebnisrundfahrt-Ticket gekauft hat und dann mit der Zahnradbahn ins hübsche Biedermeierdorf auf knapp 800 Meter über Meer gefahren ist, mag es mit grosser Wahrscheinlichkeit auch witzig und lustig. Der Witzwanderweg zwischen Heiden, Wolfhalden und Walzenhausen ist sozusagen das Filetstück dieser abwechslungsreichen Rundfahrt durchs Appenzeller Vorderland.

Der Arzt sagt zum Mann: «Ihre Frau leidet an einer Stoffwechselkrankheit.» Da sagt der Mann: «Ja, Herr Doktor, das ist nichts Neues, das weiss ich schon lange. Jeden Monat will sie ein neues Kleid.»

Hat man Zeit, unternimmt man noch einen Rundgang durchs Dorf, setzt sich an den grossen roten Friedenstisch auf dem Dorfplatz (zwecks Beilegung allfälliger zwischenmenschlicher Konflikte) oder besucht das Henry-Dunant-Museum. Der Gründer des Roten Kreuzes hatte bis zu seinem Tod in Heiden gelebt und gearbeitet.

Witztafeln alle paar Hundert Meter

Rast neben der Zahnradbahn mit Blick auf den Bodensee.
Rast neben der Zahnradbahn mit Blick auf den Bodensee.
Foto: Appenzeller Medienhaus

Dann aber gehts den grünen Witzweg-Signeten nach. Schon bald stehen wir vor den ersten Tafeln, die alle paar Hundert Meter am Wegrand warten. Haben Sie den schon gekannt? Der Arzt sagt zum Mann: «Ihre Frau leidet an einer Stoffwechselkrankheit.» Da sagt der Mann: «Ja, Herr Doktor, das ist nichts Neues, das weiss ich schon lange. Jeden Monat will sie ein neues Kleid.»

Der erste Teil des Witzwanderweges ist mehrheitlich breit und führt leicht bergab Richtung Wolfhalden. Schon bald öffnet sich die Landschaft, man geniesst einen herrlichen Blick über den Bodensee.

Bei Hitze kühlt der Abschnitt im schattenspendenden Wald des Klustobels hinter Wolfhalden. Munter gluckst und sprudelt das Wasser. Die Wege sind nun enger und führen den Bach entlang.

Natürlich hören es die Appenzeller nicht gerne, wenn man sie als «Ostfriesen der Schweiz» bezeichnet. Aber eigentlich können sie damit ganz gut umgehen. Sie gehören zu den Kleinen im Land (was jetzt nicht unbedingt ihre Körpergrösse betrifft, sondern vielmehr die Fläche der Halbkantone), aber sie sind schlagfertig und wissen sich gut mit der Waffe des Geistes zu wehren. Was liegt da näher, als dies auch touristisch zu vermarkten.

«Witze sind schliesslich ein Appenzeller Kulturgut und das Appenzellerland sozusagen die Nabelschnur des Humors», meint Peter Eggenberger. Der Autor und Journalist war vor 27 Jahren zusammen mit Peter Bär vom ehemaligen Landgasthof Krone in Wolfhalden, Initiant des Witzwanderweges. «Damit wollten wir den Wanderweg zwischen Heiden und Walzenhausen aufwerten und mehr Leute in diese schöne Gegend locken.» Sie haben damit auch Pionierarbeit geleistet, war der Witzwanderweg doch einer der ersten Themenwege der Schweiz. 40’000 Witzfreunde machen sich jährlich während der Sommermonate auf den Weg – Familien, Alleinwanderer, Vereine und Gruppen.

Inzwischen haben wir den Weiler Sonder passiert. Immer wieder bewundern wir bezaubernde Appenzeller Häuser mit liebevoll angelegten Bauerngärten. Der Blick auf den Bodensee wird noch grandioser und die Laune dank der träfen Appenzeller Witze immer besser. Nur fehlt es unterwegs leider an Einkehrmöglichkeiten.

Per Zahnradbahn zum Schiff

Weiter gehts über saftige Kuhweiden und durch den Wald nach Walzenhausen. Von hier führt der Walzenhausen-Express, die schmalspurige, nostalgische Zahnradbahn, nach Rheineck hinunter – zum Schiff.
Konzentriert wendet der Kapitän die MS Rhynegg im Alten Rhein um 180 Grad Richtung Bodensee. Mit gedrosseltem Motor pflügt das Schiff durch das Naturschutzgebiet, das trotz der Kanalisierung als grösster Wildbach Mitteleuropas gilt – ein wahres Vogelparadies mit über 330 Arten. Enten und Schwäne begleiten uns, Fischreiher schweben davon. Bald schon sind wir auf dem offenen Bodensee, wo die zahlreichen Segel- und Motorboote für Dichtestress sorgen. Doch die gute Laune lassen wir uns darob nicht vertreiben.

In Zusammenarbeit von Appenzellerland Tourismus AR und SonntagsZeitung