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Gefängnispsychologin als Geisel genommenU-Boot-Mörder Madsen scheitert mit Fluchtversuch

Der verurteilte Mörder der Journalistin Kim Wall ist aus einem Gefängnis bei Kopenhagen geflohen. Er kam aber nicht weit.

Der dänische Erfinder Peter Madsen 2017 während seines ersten Gerichtsverfahrens.
Der dänische Erfinder Peter Madsen 2017 während seines ersten Gerichtsverfahrens.
Foto: Meyer Kenneth (dpa)

Freiheit kann man die paar Stunden im Visier der Scharfschützen der dänischen Polizei nicht wirklich nennen, aber für mehrere Stunden war dem dänischen U-Boot-Bauer Peter Madsen am Dienstagmorgen die Flucht zumindest vor die Gefängnismauern gelungen. Der wegen Mordes an der schwedischen Journalistin Kim Wall zu lebenslanger Haft verurteilte Erfinder Peter Madsen hielt mit seinem spektakulären Ausbruchsversuch am Dienstagmorgen die dänische Hauptstadt für mehrere Stunden in Atem.


Madsen hatte dänischen Medien zufolge offenbar mit mit einem «pistolenähnlichen Gegenstand» eine Gefängnispsychologin als Geisel genommen, und war von den Gefängniswärtern daraufhin ins Freie gelassen worden. In einem Wohngebiet nur einen halben Kilometer vom Herstedvester-Gefängnis entfernt war er dann von der Polizei umzingelt worden. Videobilder der Boulevardzeitung «Ekstrabladet» zeigen Madsen wie er an einem Grasstreifen sitzt und wie abwesend in die Ferne blickt, während ihn vor ihm auf dem Boden liegende Polizeibeamte in Schach halten. Ekstrabladet berichtete, Madsen habe sich «einen gürtelartigen Gegenstand» um den Bauch geschnallt, offenbar waren sich die Beamten lange nicht sicher, ob es sich dabei um einen Sprengsatz handelte. Bombenentschärfer waren auch vor Ort. Nach mehreren Stunden liess Madsen sich dann von den Beamten festnehmen.

Madsen sei gefasst worden, als er in einen weissen Lieferwagen habe springen wollen, sagte der Einsatzleiter der Polizei, Mogens Lauridsen, an einer kurzen Medienkonferenz am Nachmittag. Es deute nichts darauf hin, dass der Fahrer den Ausbrecher gekannt habe. Glücklicherweise sei Madsen nur kurz in Freiheit gewesen: Um 10.21 Uhr habe die Haftanstalt den Ausbruch gemeldet, um 10.26 Uhr sei er gestoppt worden. Lauridsen bestätigte auch die Geiselnahme. Die von Madsen gehaltene Waffe habe «lebensecht» ausgesehen, sagte der Vorsitzende des Gefängnisverbandes, Bo Yde Sørensen, der Zeitung «Ekstrabladet», deshalb hätten die Gefängniswärter Madsen ziehen lassen. «Wir durften nicht riskieren, das jemand getötet wird.» Noch ist unklar, ob es eine Waffenattrappe war und wie Madsen an sie gelangte. Gefängnisdirektorin, Hanne Høegh Rasmussen, sagte auf der Pressekonferenz, es werde nun eine Untersuchung geben, ob man die Sicherheitsvorkehrungen verschärfen müsse.

«Es gibt nur einen Schuldigen»

Ein dänisches Gericht hatte Madsen für schuldig befunden, die schwedische Journalistin Kim Wall auf einem von ihm selbst gebauten U-Boot während einer Fahrt im Kopenhagener Hafengebiet sexuell missbraucht, gefoltert und schliesslich umgebracht zu haben. Kim Wall war zuletzt lebend gesehen worden, als sie am 10. August 2017 im Kopenhagener Hafen Madsens U-Boot bestieg. Sie wollte eine Reportage über den Erfinder schreiben, der nicht nur das U-Boot gebaut hatte, sondern auch an einer eigenen Rakete arbeitete. Für die 30-jährige Journalistin, die für eine Vielzahl internationale englischsprachige Medien arbeitete, sollte es eine der letzten Recherchen in Europa sein: Sie wollte als Korrespondentin nach China ziehen. Tage und Wochen nach ihrem Verschwinden dann wurden Teile von Kim Walls zerstückeltem Leichnam ans Ufer angespült oder von Tauchern gefunden.


Im Prozess bestritt Madsen bis zuletzt, Kim Wall umgebracht zu haben. Vor ein paar Wochen erst konnte man Peter Madsen zum ersten Mal hören, wie er den Mord zugibt. In einer Dokumentation des Discovery Networks Dänemark beantwortet Madsen die Frage des Interviewers, ob er den Mord verübt habe mit «Ja». Später in dem Film sagt er: «Es gibt nur einen Schuldigen und das bin ich». Interviews Kristian Lindemann hatte Madsen 20 Stunden lang über Telefon im Gefängnis interviewt.

7 Kommentare
    W. Ruosch

    was ist nin zutreffend?:

    „aber für mehrere Stunden war dem dänischen U-Boot-Bauer Peter Madsen am Dienstagmorgen die Flucht zumindest vor die Gefängnismauern gelungen“

    „Glücklicherweise sei Madsen nur kurz in Freiheit gewesen: Um 10.21 Uhr habe die Haftanstalt den Ausbruch gemeldet, um 10.26 Uhr sei er gestoppt worden.“

    mehrere Stunden oder 5 Minuten?