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Kolumne von Markus SommAnmassend und hochmütig

Die Präambel «Im Namen Gottes des Allmächtigen!» aus der Bundesverfassung zu streichen, wäre falsch. Das müsste auch Linken einleuchten, denn sie ist ein Überrest einer einstigen Revolution.

Keine theokratische Verirrung, sondern eine subversive Botschaft: Präambel in der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1848.
Keine theokratische Verirrung, sondern eine subversive Botschaft: Präambel in der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft von 1848.
Foto: Peter Klaunzer (Keystone)

Im Namen Gottes des Allmächtigen! Mit diesen grandiosen Worten, die leuchten wie die Berge über einem Nebelmeer, beginnt der Text der Schweizerischen Bundesverfassung. Wenn es nach Fabian Molina geht, nicht mehr lange. Der junge Nationalrat der SP hat dieser Tage eine parlamentarische Initiative eingereicht, die den Zweck verfolgt, Gott aus der Verfassung zu entfernen, genauer: Die Präambel soll so abgeändert werden, dass kein Bezug auf Gott mehr erkennbar ist. Denn diese Anrufung Gottes, wo es sich ohne Zweifel um jenen der Christen handelt, widerspreche der Neutralität, die der Staat in religiösen Angelegenheiten zu beachten habe, begründet Molina seinen Vorstoss. Eine «demokratische Rechtsordnung» könne ihre Legitimation nicht an eine oder mehrere Religionen binden, zumal sie auch für Anders- oder Nichtgläubige zu gelten habe. Ausserdem hält es Molina für «hochmütig und anmassend», wenn eine Verfassung im Namen Gottes verkündet wird, um am Ende mit dem standardmässigen Argument der Linken zu schliessen, wonach fast alle Länder in Europa den Gottesbezug beseitigt hätten. Wenn es alle andern tun, müssen wir auch. Triumph des Konformismus.

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