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Aussergewöhnlicher FundAntiker Take-away in Pompeji entdeckt

Bei Ausgrabungen in der antiken Stadt haben Forscher ein vollständig erhaltenes Thermopolium gefunden – eine Imbissbude. In den Amphoren lagen gar noch kleine Reste von Essen.

Vollständig erhalten: Der ganze Steintresen in Form eines L.
Vollständig erhalten: Der ganze Steintresen in Form eines L.
Foto: Luigi Spina (Keystone)

Und wieder öffnet Pompeji ein Fenster auf die Antike und auf seinen Alltag, suggestiv und spektakulär. Bei Ausgrabungen in einem Teil der untergegangenen Stadt, der den Besuchern bisher noch verschlossen war, haben Archäologen zum ersten Mal ein völlig erhaltenes Thermopolium gefunden. So nannten die alten Römer ihre Imbissstuben mit Auslagen hin zur Strasse – vom Griechischen «thermos», «warm», und «poleo», «ich verkaufe». So etwas wie Street Food mit Take-away. Fast Food vor der Zeit also. In Italien nennt man sie bis heute ähnlich wie damals, nämlich «tavola calda», warmer Tisch.

Alles ist intakt, der ganze Steintresen in Form eines L mit den Löchern, in denen sie die Amphoren aus Terrakotta mit dem bereits zubereiteten Essen einliessen. Direkt für den Verzehr. Auch die alten Römer lebten offenbar in Hast, Mahlzeiten nahm man auch mal im Gehen ein. Allein in Pompeji gab es 80 solcher Gaststätten – an jeder zweiten Strassenecke eine. Von manchen sind Überreste entdeckt worden über die Jahre. Diese aber, an einer Piazza mit Zisterne und Brunnen, sieht so aus, als wäre sie gestern noch in Betrieb gewesen. Hinter dem Tresen fand man die Skelette zweier Männer, beide waren um die 50 Jahre alt, als sie starben. Ob einer der Besitzer war?

Wie bei einem Buffet: Die Löcher im Tresen, in die die Amphoren aus Terrakotta mit dem bereits zubereiteten Essen eingelassen wurden.
Wie bei einem Buffet: Die Löcher im Tresen, in die die Amphoren aus Terrakotta mit dem bereits zubereiteten Essen eingelassen wurden.
Foto: Luigi Spina (Keystone)

Die bunten Malereien an der Theke sind unversehrt, wie frisch gemalt. Das zentrale, etwas grössere Bild zeigt die Meeresnymphe Nereide auf dem Rücken eines Seepferds, wahrscheinlich das Logo des Lokals. Auf anderen sieht man Enten und Hähne – Tiere, die da geschlachtet, gekocht und verkauft wurden. Wofür steht wohl der Hund an der Leine?

Als die Forscher eines der Löcher öffneten, stieg ihnen ein starker Geruch von Wein in die Nase – ein Gruss aus dem Jahr 79 nach Christus, dem Jahr, als der nahe Vesuv die Stadt am Golf von Neapel mit einem Regen aus Lava, Asche und Feuer überraschte, sie unter einer Decke begrub und den Moment kristallisierte. Seit dem 18. Jahrhundert taucht Pompeji nun nach und nach auf und liefert immer neue Erkenntnisse über das Leben in der Antike.

Wahrscheinlich das Logo des Lokals: Die Meeresnymphe Nereide auf dem Rücken eines Seepferds.
Wahrscheinlich das Logo des Lokals: Die Meeresnymphe Nereide auf dem Rücken eines Seepferds.
Foto: Luigi Spina (Keystone)

«Das ist eine aussergewöhnliche Entdeckung», sagt Massimo Osanna, der Direktor des Parco Archeologico di Pompei. Man habe zum ersten Mal richtig interdisziplinär gearbeitet. Im Einsatz standen unter anderen Archäobotaniker und -zoologen, Anthropologen, Geologen und Vulkanologen. Sie studieren nun die kleinen Reste von Essen, die in den Amphoren lagen, um mehr zu erfahren über die Essgewohnheiten in der Antike, die Spezialitäten und kulinarischen Vorlieben – zumindest von jenen im Lokal der Meeresgöttin in Pompeji. Gefunden haben sie nicht nur Hühnchen- und Entenknochen, sondern auch Schwein, Fisch, Schnecken, Ziege. «Das ist ein Vorgeschmack auf die mediterrane Küche», sagt Osanna.

«Das ist ein Vorgeschmack auf die mediterrane Küche»

Massimo Osanna, der Direktor des Parco Archeologico di Pompei

Italiens Kulturminister Dario Franceschini geht noch etwas weiter: «Diese Entdeckung ist ein grossartiges Beispiel für den Wiederaufschwung unserer Landes.» Pompeji gelte mittlerweile weltweit als Vorbild für den Schutz und die Verwaltung des kulturellen Erbes. «Deshalb graben wir weiter und entdecken noch mehr wunderbare Dinge.» Ab April soll man die Imbissbude der Antike besuchen können, so die Pandemie bis dahin das Reisen wieder zulässt. Osanna sagt: «Das ist unser Geschenk zum Osterfest.»

23 Kommentare
    Bebbi Fässler

    Bot der Take a Way auch auch Falerner Wein und Garum an?

    Wenn, ja, dann war das ein toller Laden!