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Schutzanzüge statt MaskenAuch dieser Schweizer wagt sich auf die Kampfinsel

Die Kampfsport-Liga UFC hat zum Schutz vor Corona in Abu Dhabi eine ganze Insel reserviert. Mit dabei ist auch der Schweizer Volkan Özdemir.

Die Kämpfe finden in einer klimatisierten Halle statt, zur Vorbereitung können die Kämpfer aber auch das errichtete Oktagon am Strand von Abu Dhabi nutzen.
Die Kämpfe finden in einer klimatisierten Halle statt, zur Vorbereitung können die Kämpfer aber auch das errichtete Oktagon am Strand von Abu Dhabi nutzen.
Foto: DCT Abu Dhabi

Es dauert ein paar Minuten, bis die Verbindung nach Abu Dhabi steht, dann hört man Volkan Özdemir klar und deutlich. Seit Anfang der Woche ist der 30-jährige Fribourger in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wo er in der Nacht auf Sonntag den ungewöhnlichsten Kampf seiner Karriere bestreiten wird.

Wie andere Veranstalter hat auch die Kampfsport-Liga Ultimate Fighting Championship (UFC) nach Lösungen gesucht, um trotz der Corona-Krise ihre internationalen Veranstaltungen auszutragen. Dabei hat die UFC einen drastischen Ansatz gewählt und elf Kilometer einer Insel in Abu Dhabi abgeriegelt. «Fight Island» nennt sich das Event, bei dem auch Halbschwergewicht Özdemir an diesem Wochenende ins Oktagon steigen wird.

Volkan Özdemir, wie ist es auf «Fight Island»?

Merkwürdig.

Warum?

Ich sitze in meinem Hotelzimmer und schaue auf die Insel, wo auch der Grosse Preis der Formel 1 ausgetragen wird. Wir waren Anfang der Woche mal kurz auf einem Teil der Rennstrecke oder am Strand. Aber es ist surreal, wenn man bedenkt, dass niemand dieses Gelände betreten kann und nur wir Athleten und die Mitarbeitenden der UFC zugelassen sind. Wir haben elf Kilometer dieser Insel für uns alleine.

Haben Sie es sich so vorgestellt, als UFC-Präsident Dana White vor mehreren Wochen erstmals von «Fight Island» sprach und niemand wusste, wo diese liegen würde?

Nein. Im ersten Moment habe ich mir damals eine kleine Insel auf den Bahamas vorgestellt (lacht).

Die Besonderheiten im Vorfeld Ihres Kampfes haben schon bei der Anreise in Richtung Abu Dhabi begonnen.

Ja, es war eine lange Reise. Mein Team und ich sind erst nach London gereist, wo wir eine Chartermaschine der UFC bestiegen haben. In England mussten wir uns 48 Stunden in Quarantäne begeben und einen ersten Corona-Test machen. Nach der Landung in Abu Dhabi waren wir dann erneut 48 Stunden in Quarantäne. Insgesamt wurde ich vier Mal getestet, und vor dem Kampf sowie vor der Rückreise werden wir nochmals geprüft.

Das klingt sehr sicher – aber auch sehr verschwenderisch.

Es ist ein einmaliges Konzept. Ich habe bei keiner anderen Liga von so hohen Vorkehrungen gehört. In unserem Hotel tragen alle Mitarbeitenden nicht nur Masken, sondern komplette Schutzanzüge.

Haben Sie unter diesen Umständen nie überlegt, Ihren Kampf abzusagen?

Nein. Das ist mein Job. Und hier wird alles unternommen, damit wir geschützt sind.

«Dieser Kampf wird nicht über die volle Distanz gehen, dafür werde ich sorgen.»

Kann man sich in diesem Umfeld überhaupt noch geeignet vorbereiten?

Es ist nicht ganz einfach. In London hatten wir zum Beispiel nur ein kleines Hotelzimmer, da war nicht wirklich an Training zu denken. Und auch mit der Ernährung war es schwierig: Am Morgen gab es beim Buffet nur vorbereitetes, abgepacktes Essen. Das ist nicht das, was man sich wünscht, wenn man ein exaktes Kampfgewicht erreichen muss.

Und jetzt?

Hier haben wir alles, was man braucht. Auf unserer Etage gibt es gleich nebenan einen Raum, der mit Matten ausgelegt ist und wo ich mich mit meinem Team vorbereiten kann. Das ist nicht das Gleiche wie sonst, bei einem normalen Kampf. Aber ich musste ja schon in den letzten Monaten in der Schweiz improvisieren.

Wie sah das aus?

Normalerweise trainiere ich mit meinem Team in Neuchâtel. Das war nach dem Shutdown nicht mehr möglich. Ich habe viel für mich getan, besonders was Kondition und Kraft angeht. Ich war in der Natur, in den Bergen. Und vor einigen Wochen konnten wir dann ja wieder ins Gym zurück.

In Ihrem 22. Kampf treffen Sie auf den Tschechen Jiri Prochazka. Er gibt sein Debüt in der UFC, hat allerdings seine letzten zehn Kämpfe alle gewonnen. Neun davon via Knockout.

Ich bin bereit. Und Sie können sich schon mal darauf einstellen, dass dieser Kampf nicht über die volle Distanz gehen wird, dafür werde ich sorgen. Sein Stil liegt mir und ich weiss, dass ich der bessere Kämpfer bin.

Özdemirs Gegner zeigt sich auf Instagram bereit für den Kampf.

Das heisst, sobald Sie ins Oktagon steigen, haben Sie die aussergewöhnlichen Umstände vergessen?

Oh ja. Ohne die Zuschauer besteht vielleicht eine kleine Gefahr darin, dass man nicht von der ersten Sekunde bereit ist. Die Atmosphäre fühlt sich ja eher an wie beim intensiven Sparring. Aber ich werde bereit sein und ihn bei der ersten Chance, die ich habe, ausknocken.

Und dann? Kehren Sie in ein paar Monaten nochmals nach Abu Dhabi zurück?

Ich hoffe, dass künftig wieder Veranstaltungen mit Zuschauern möglich sind. Aber wenn nicht, dann ist es durchaus möglich, dass wir noch mal zurückkommen. Denn in der aktuellen Situation haben wir hier die sichersten Voraussetzungen.