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Noch ein Schlag für Flughafen-StandortAuch Gate Gourmet streicht hunderte Jobs

Nach SR Technics wird heute bereits der zweite grosse Stellenabbau bekannt. Es trifft bis zu 350 Angestellten des Flug-Verpflegers Gate Gourmet.

Harte Einschnitte: Gate Gourmet muss sparen und baut Hunderte Stellen ab.
Harte Einschnitte: Gate Gourmet muss sparen und baut Hunderte Stellen ab.
Foto: Thomas Egli

Jetzt geht’s Schlag auf Schlag in der Schweizer Luftfahrt: Nachdem diese Zeitung am Mittwochmorgen bekannt gemacht hat, dass der Technikdienstleister SR Technics rund 500 Stellen abbauen wird, kündigt nun auch der Caterer Gate Gourmet, der zum Gategroup-Konzern gehört, Streichungen im grossen Stil an. Wie diese Zeitung von einer vertrauenswürdigen Quelle erfahren hat, hat die Unternehmensspitze ihre Mitarbeiter am späten Mittwochmorgen an einem sogenannten Townhall Meeting über entsprechende Massnahmen informiert.

Gategroup-Sprecherin Nancy Jewell bestätigte die Information am frühen Nachmittag: «Gate Gourmet Zürich und Genf haben heute, den 22. Juli 2020, den Konsultationsprozess für eine mögliche Massenentlassung begonnen.» Die maximale Anzahl Angestellter, die ihren Job verlieren könnte, beziffert sie auf 350. Die meisten davon dürften am Standort Zürich anfallen. Total beschäftigt Gategroup in der Schweiz rund 2000 Personen.

Stark betroffen

Vor dem Corona-Grounding war Gategroup eine profitable Firma. Sie und ihre Tochter Gate Gourmet sind noch härter als andere Luftfahrtunternehmen von der Krise betroffen, auch weil zahlreiche Airlines auf den wenigen verbleibenden Kurzstreckenflügen ihr kulinarisches Angebot heruntergefahren haben. Das grosse Geld machen Flugzeug-Caterer aber mit der Versorgung von Langstrecken-Flügen – und die sind vom Stillstand stärker betroffen als die Kurzstrecke.

Wir sehen uns gezwungen, auf die aktuelle Situation zu reagieren, um das langfristige Bestehen unseres Geschäfts zu garantieren»

Nancy Jewell, Gategroup-Sprecherin

«Wir sehen uns gezwungen, auf die aktuelle Situation zu reagieren, um das langfristige Bestehen unseres Geschäfts zu garantieren», sagt Sprecherin Jewell weiter. «Wir werden den Prozess mit grosser Rücksicht auf unsere Mitarbeitenden durchführen und unsere Hilfe anbieten, wo eine Entlassung nicht vermieden werden kann.» Der Sozialplan, der bei den Entlassungen angewandt werden soll, sei bei Gategroup ziemlich gut, heisst es aus Mitarbeiterkreisen. Insbesondere dienstalte Mitarbeiter kämen im Vergleich mit anderen Firmen gut weg.

Keine Staatshilfe

Gate Gourmet schaffte es als Tochter der Swissair in 90er-Jahren zu globaler Bekanntheit. Nach dem Ende der Swissair wurde sie veräussert – im Laufe der Jahre ging aus ihr der Gategroup-Konzern hervor. Er hat eine Reihe von Catering-Töchter; Gate Gourmet ist eine davon. Gategroup gehörte bis Anfang 2019 dem chinesischen Luftfahrt-Konglomerat HNA. Zu dessen Firmen gehören mit dem Bodenabfertiger Swissport und dem Technikdienstleister SR Technics zwei weitere ehemalige Swissair-Töchter. Gategroup gehört mittlerweile dem malaysischen Private-Equity-Fonds RRJ Capital und dem singapurischen Staatsfonds Temasek. Der Hauptsitz ist allerdings nach wie vor in der Zürcher Flughafengemeinde Glattbrugg.

Anders als SR Technics wird Gategroup in der Schweiz nicht vom Staat unterstützt. Stattdessen hat der Bundesrat die Flughäfen angehalten, sich auf allfällige Pleiten von Gategroup und Swissport vorzubereiten und die nötigen Strukturen für Auffanggesellschaften zu schaffen.

Swissport schreibt plant nach eigenen Angaben als einziger der drei als systemrelevant eingeschätzten flugnahen Betriebe im Moment keine Massenentlassung. «Wir rechnen für 2021 mit einem rund 30 bis 40 Prozent tieferen Produktionsvolumen», schreibt eine Sprecherin. «Mit dem seit Februar 2020 geltenden Einstellungsstopp, der natürlichen Personalfluktuation sowie der Verlängerung der Kurzarbeit von 12 auf 18 Monate gehen wir davon aus, dass sich der Bestand an Mitarbeitenden selbst regulieren und dem neuen Bedarf von Swissport in der Schweiz im Jahr 2021 entsprechen wird.»

Zwei Firmen, gemeinsames Geschäft: Airline-Caterer Gategroup belädt eine Swiss-Maschine am Flughafen Kloten.
Zwei Firmen, gemeinsames Geschäft: Airline-Caterer Gategroup belädt eine Swiss-Maschine am Flughafen Kloten.
KEYSTONE/Walter Bieri