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Neue Fraktionsleitung der MitteAuf Andrea Gmür folgt nun wohl ein Mann

Mitte-Fraktionschefin Andrea Gmür gibt ihr Amt überraschend nach nur einem Jahr ab. Die Führungsarbeit sei ihr zusammen mit ihrem Ständeratsmandat zu viel geworden.

Nach vier Jahren im Nationalrat wechselte sie in den Ständerat: Andrea Gmür.
Nach vier Jahren im Nationalrat wechselte sie in den Ständerat: Andrea Gmür.
Foto: Alessandro della Valle (Keystone) 

Andrea Gmür war vor einem Jahr die Hoffnungsträgerin der neuen Mitte-Fraktion aus CVP, BDP und EVP. Die Luzerner Ständerätin mit St. Galler Dialekt sollte der drittgrössten Fraktion im Parlament ein frisches Gesicht verleihen. Doch nun muss Die Mitte bereits wieder nach einem neuen Fraktionsvorsitz suchen. Die 56-jährige Gmür gab am Montag überraschend ihren Rücktritt von ihrem Posten auf Ende April bekannt. Sie wolle sich künftig voll auf ihre Aufgabe als Standesvertreterin des Kantons Luzern konzentrieren, teilte sie mit.

Fraktionsmitglieder berichten, dass Gmür in letzter Zeit sichtlich gelitten habe unter der Belastung des Fraktionsvorsitzes. So sei es ihr gelegentlich schwergefallen, den Überblick über all die vielen Ratsgeschäfte zu behalten, sagt eine Kollegin. Zudem hatte sie als neu gewählte Ständerätin einen nicht ganz einfachen Stand gegen altgediente Ratskollegen aus ihrer Fraktion.

So hat Die Mitte für die 13-köpfige Ständeratsdeputation nochmals einen eigenen Gruppenchef in der Person von Pirmin Bischof. Als Neugewählte müsse man sich gegen die langjährigen Ständerate zuerst einmal seine Position erkämpfen, sagt ein Mitglied der Fraktion.

Für Andrea Gmür war es zudem ein Nachteil, dass der grösste Teil der Fraktion im Nationalrat sitzt und sie die Informationen aus der Grossen Kammer meist aus zweiter Hand erhält. «Die Erfahrung der letzten Monate hat mir gezeigt, dass es ein Vorteil sein kann, wenn die Fraktionspräsidentin oder der Fraktionspräsident im Nationalrat sitzt», sagt Gmür dazu. Mitte-Präsident Gerhard Pfister zeigte in einer Stellungnahme Verständnis für den «persönlichen Entscheid» Gmürs.

Grosse zusätzliche Arbeitslast

Gmür hatte sich im Januar 2020 in einer Kampfwahl ums Fraktionspräsidium gegen den Luzerner Nationalrat Leo Müller durchgesetzt, der unter anderem wegen seiner bescheidenen Französischkenntnisse unterlag. Gmür ist hingegen mehrsprachig, war Französisch- und Englischlehrerin an verschiedenen Gymnasien. Im Gegensatz zum 2011 in den Nationalrat gewählten Müller war Gmür jedoch zum Zeitpunkt ihrer Wahl auf der nationalen Politbühne wenig bekannt. 2015 wurde sie neu in den Nationalrat gewählt. Im Oktober 2019 konnte sie bereits in den Ständerat wechseln.

Sie habe schon mit sich gerungen, als sie sich um das Fraktionspräsidium beworben habe, sagt Gmür nach ihrem Rücktrittsentscheid. Sie sei sich bewusst gewesen, dass sie als neu gewählte Ständerätin mit dem Fraktionspräsidium eine grosse zusätzliche Arbeitslast übernehme. Diese Arbeitsbelastung sei mit der Corona-Krise nochmals grösser geworden. «Nun bin ich zum Schluss gekommen, dass ich meinen eigenen Ansprüchen an die Erfüllung meines Ständeratsmandats nicht mehr in genügendem Masse gerecht werden kann.» Für sie habe das Ständeratsmandat des Kantons Luzern Vorrang.

Andrea Gmür mit Parteipräsident Gerhard Pfister unterwegs vor dem Bundeshaus.
Andrea Gmür mit Parteipräsident Gerhard Pfister unterwegs vor dem Bundeshaus.
Bild: Anthony Anex (Keystone)

Erschwerend kam für Gmür dazu, dass in der Mitte-Fraktion seit den letzten Wahlen viele neue Köpfe sitzen. Die Truppe hat sich noch nicht richtig gefunden und es fehlt ihr an Leadern, die die Fraktion mit ihrem breiten Spektrum von Mitte-rechts bis Mitte-links zusammenhalten. Gmürs Vorgänger, der Tessiner Ständerat Filippo Lombardi, brachte es bis zu seiner Abwahl 2019 auf 20 Amtsjahre und hatte sich mit seiner langjährigen Erfahrung die Autorität in der Fraktion erwerben können.

Es kursieren nur Männernamen

Als mögliche Nachfolger kursieren im Moment nur Namen von Männern. Aus dem Nationalrat kommen der derzeitige Fraktionsvize Marco Romano (TI) sowie der Walliser Philipp Bregy infrage. Der 42-jährige Bregy sitzt zwar erst seit zwei Jahren im Nationalrat, gilt aber als aufstrebende Kraft des konservativen CVP-Flügels. Aus dem Ständerat bietet sich mit dem St. Galler Benedikt Würth ebenfalls ein Vertreter des rechten Parteiflügels an. Der 53-Jährige ist seit 2019 Ständerat und war zuvor St. Galler Regierungsrat.

Zwei potenzielle Nachfolger kommen wohl deshalb nicht infrage, weil sie 2023 für die Ämter als Nationalratspräsident (Martin Candinas) beziehungsweise Ständeratspräsidentin (Brigitte Häberli-Koller) vorgesehen sind.

12 Kommentare
    Da Nilo Eblinger

    "Auf Andrea Gmür folgt nun wohl ein Mann" - "leider" mitgemeint?