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Theaterhaus Gessnerallee streamtAufruf zum Widerstand

Online ist die Theaterwelt gar nicht in Ordnung. Zwei Projekte der Gessnerallee zeigen Wege aus der Krise heraus. Kühlschränke spielen auch eine Rolle.

Hommage an den Kühlschrank. Ist doch cool, was sich das Theater für das Home Office ausgedacht hat.
Hommage an den Kühlschrank. Ist doch cool, was sich das Theater für das Home Office ausgedacht hat.
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So langsam haben wir das Theater in der Küche satt. Und ignorieren schon Aufrufe wie: ­«Setzen Sie sich in die Küche, ziehen sie die Kopfhörer an und lassen Sie sich in eine Welt zwischen Gurken, Mayonnaise und unendlichem Surren ­entführen.» Schluss soll jetzt sein mit diesem Gurkentheater. Die Küche ist eigentlich zum Kochen da. Und nicht fürs Spielen.

Versucht haben es aber schon viele, uns in diese Welt zu entführen. Das Schauspielhaus probierte es mit Kuchenbacken mit Alicia Aumüller (in «Dekalog»). Das Theater Neumarkt mit «52 Hertz», dem Theater fürs Zuhause. Auch das Theaterhaus Gessnerallee wechselte neulich ins Aus-der-Küche-Streaming-Geschäft. Im Programm: «Fridge», eine Hommage an den Kühlschrank.

Konferenz für die Krise

Cool ist aber doch, welche neuen Formate die Gessnerallee sich ausgedacht hat, um die Zeit ohne Bühne zu überbrücken. Zum Beispiel lädt der ­britische Aktivist und Performer James Leadbitter aka the Vacuum Cleaner zur internationalen Onlinekonferenz «With For About 2020» (Auftakt ist Mittwoch, 3. Juni, um 15.30 Uhr).

Die wöchentlichen Präsentationen und Performances gehen ­«auf die aktuellen Herausforderungen ein, welche Covid-19 für viele marginalisierte Menschen und Gemeinschaften darstellt». Initiiert wurde diese «langsame Konferenz für eine sich schnell entfaltende Krise» von der englischen Künstleragentur Heart of Glass.

Mit dabei sind Künstlerinnen und Künstler von Australien über Deutschland bis Ghana. Und vielleicht ist es eine Möglichkeit, etwas darüber zu erfahren, welche Auswirkungen die Krise für die Menschen in anderen Ländern hat. Gerade die Kunst kann den Blick öffnen für das, was hinter dem Horizont passiert. Theater, auch online, hat viel mit dem Leben draussen zu tun.

Einen Weg aus der Krise heraus haben schon die Kollektive Neue Dringlichkeit und Kursk ­gefunden. Sie transformieren ihr Projekt «Der ­Widerspruch», das Mitte Mai an der Gessnerallee hätte Premiere feiern sollen, ins Streamingformat. Es geht um ein Denkmal, das die Nazis dem Volksliedkomponisten Friedrich Silcher in Tübingen errichtet haben, also um die Frage, wie die Kunst durch die Politik vereinnahmt werden kann.

Wir zoomen uns da sicher mal rein. Und hoffen, dass bald für das Theater der Vorhang wieder aufgeht. Offene Kühlschranktüren sind nicht alles.

Der Widerspruch. Ein einsames Volksliedwww.gessnerallee.chZoom-Theaterstück, Mi 3.– Fr 5.6., 20 Uhr, Eintritt frei , Anmeldung unter: kasse@gessnerallee.ch