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Gamestop-Reddit-WirbelAusgerechnet Elon Musk wird zum Helden des Aufstands gemacht

Sie nennen ihn «Papa Musk», er twittert für ihre Sache: Wie nur wurde der reichste Mensch der Welt zum Symbol des Kampfs der Kleinen gegen die Grossen?

Da freut sich einer überschwänglich: Elon Musk ist ein gewiefter Selbstdarsteller, ein guter Verkäufer und derzeit der Held einer Social-Media-Bewegung.
Da freut sich einer überschwänglich: Elon Musk ist ein gewiefter Selbstdarsteller, ein guter Verkäufer und derzeit der Held einer Social-Media-Bewegung.
Foto: Joe Raedle (Getty Images)

Elon Musk ist über 180 Milliarden Dollar schwer. Damit steht er an der Spitze der Rangliste der reichsten Menschen der Welt. Jüngst überholte er die bisherige Nummer 1, Amazon-Gründer Jeff Bezos. Musks Reichtum kommt von seinen Anteilen am E-Autobauer Tesla. Dessen Börsenwert wurde in den letzten 12 Monaten von 80 Milliarden Dollar auf zeitweise über 800 Milliarden Dollar gehypt.

Dieser Elon Musk also, ausgerechnet er wird zum Symbol des Kampfs der Kleinen gegen die Grossen. Die Reddit-Trader, die sich vorgenommen haben, den milliardenschweren Hedgefonds die Stirn zu bieten, sie nennen den Tesla-Gründer jetzt «Papa Musk». Sie kreieren Memes, die Musk als Supermann und Helden zeigen, Schulter an Schulter mit der linken Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez.

Vier Gründe, warum der Reichste der Reichen für den Aufstand nicht Hassfigur ist, sondern zum Helden hochstilisiert wird.

Er spricht ihre Sprache

«Gamestonk!!», twitterte Musk letzte Woche, mitten in den Wirren um den Gamestop-Aktienhype. Sofort wurde sein Tweet im Subreddit Wallstreetbets gefeiert. Er wurde für die Käufer von Gamestop-Aktien als Anfeuerungsruf verstanden. Wer aber ausserhalb dieser Wallstreetbets-Gemeinde versteht den Begriff Gamestonk – eine kreative Wortschöpfung aus Gamestop und Aktien (Stocks), in Memes ausgedrückt eben Stonks? Wohl nur die wenigsten. Musk aber weiss ganz genau, wie er mit einem Wort (mit wenigen Buchstaben) Reaktionen auslösen kann.

Er ist auch ein Rebell

Das Unkonventionelle ist sein Ding. Er will sich nicht einordnen lassen. Er macht, was er will, und das oft ohne Rücksicht auf Verluste. Ein Rebell halt. Das macht ihn wohl auch so interessant für den aktuellen Aufstand der Wallstreetbets-Gemeinde.

Während andere Chefs von Grosskonzernen Heerscharen von Kommunikationsprofis anstellen, um jede noch so kleine Botschaft PR-mässig zu polieren, spricht und twittert Musk frisch von der Leber. Dass er damit provoziert, aneckt und mitunter auch mal Schaden anrichtet, das gehört quasi zum Kalkül. Musk hat schon im Radiostudio gekifft, er twitterte Tesla von der Börse und er legt sich auch mal mit Amazon-Boss Jeff Bezos an.

Kiffen, wenn alle zusehen: Für Elon Musk kein Problem.
Video: Joe Rogan/Tamedia

Sein Rebellenimage scheint sogar gut fürs Geschäft zu sein. Wer etwas auf sich hält und über das nötige Kleingeld verfügt, der fährt heute Tesla. Ein Auto von Elon Musk zu kaufen, das hat ja auch irgendwie etwas mit David gegen Goliath zu tun. Während Konzerne wie Volkswagen, Toyota und GM Jahr für Jahr je rund 10 Millionen Fahrzeuge verkaufen, sind es bei Tesla gerade mal ein paar Hunderttausend.

Er war selber schon Opfer der jetzt Angegriffenen

Beim aktuellen Hype mit Gamestop-Aktien geht es den Reddit-Rebellen darum, den sogenannten Shortsellern (Leerverkäufern) eins auszuwischen. Die Leerverkäufer gerieten in die Schusslinie, weil ihre Wetten auf sinkende Aktienkurse von angeschlagenen Firmen zum Symbol eines ruchlosen Grosskapitals wurden. Elon Musk kennt den Kampf gegen Leerverkäufer nur zu gut. 2018 geriet er mit Tesla selber unter Druck der Märkte, als auf sinkende Aktienkurse seines Autoprojekts gewettet wurde. Schon damals wehrte er sich vehement und teilte auch verbal aus. Er forderte ein Verbot dieser Art von Spekulation.

Nun bringt er offensichtlich mit Genuss seine Energie in den Aufstand gegen die Leerverkäufer ein: «Here come the shorty apologists», schreibt er in einem Tweet: «Give them no respect. Get Shorty.» Kurz: Zollt den Leerverkäufern keinen Respekt.

Er ist ein Macher

Trotz seines enormen Reichtums dient Musk als Projektionsfläche für die Träume eines Aufstands. Das hat wohl auch damit zu tun, dass er sich – zumindest vordergründig – nicht allzu viel aus seinem Reichtum macht. Vor einem Jahr schrieb er auf Twitter, dass die Tesla-Aktie zu hoch bewertet sei (welcher CEO tut so was?). Das Papier gab damals an der Börse nach – in den Monaten darauf erreichte der Wert des Autobauers dann aber stetig neue Rekordwerte.

Überhaupt hat er seine Dutzenden Milliarden ja nur, weil Techkonzerne an der Börse in den letzten Jahren extrem an Wert zugelegt haben. Befeuert vom billigen Geld der Notenbanken. Musk selber spricht lieber von seinen vielen Projekten. Das verrückteste: Mit dem Spacex-Programm möchte er dereinst den Planeten Mars besiedeln – am liebsten schon bald. Mit seinen Raketen- und Weltraumplänen scheint Musk auch den Nerv der Reddit-Gemeinde zu treffen.

Aus Zuneigung kann schnell Abneigung werden

Dass Freund und Feind aber in Zeiten von Social-Media-Flashmobs schnell ändern können, das dürfte auch Elon Musk bekannt sein. Für seine kritische Haltung gegenüber den Corona-Massnahmen der Regierungen musste er in letzter Zeit ziemlich viel Kritik einstecken – auch auf Reddit. So impulsiv, wie derzeit die Wallstreetbets-Anleger agieren, und so unbekümmert, wie Musk sich benimmt, kann aus Zuneigung auch bald wieder Abneigung werden.

30 Kommentare
    Joe Amberg

    Das ist der gleiche Schwachsinn wie Trump als Retter der kleinen Leute...