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«Dieser Geruch von Tod war schrecklich»

Für die Welt war es unfassbar mitanzusehen, wie Manhattan am 11. September 2001 attackiert wurde. Kaum auszumalen, wie es sich für die New Yorker anfühlte. Redaktion Tamedia hat vor Ort nachgefragt.

Diese fünf New Yorker erinnern sich noch genau an den Tag vor zehn Jahren, als zwei Flugzeuge das World Trade Center und mehr zum Einstürzen brachte. Hier erzählen sie, wie sie die bangen Momente erlebt haben und was sich seither verändert hat.
Diese fünf New Yorker erinnern sich noch genau an den Tag vor zehn Jahren, als zwei Flugzeuge das World Trade Center und mehr zum Einstürzen brachte. Hier erzählen sie, wie sie die bangen Momente erlebt haben und was sich seither verändert hat.
Denise Jeitziner
Kenneth Santiago (47) ist Briefträger aus Staten Island/New York. Vier seiner Freunde verlor er bei den Anschlägen.
Kenneth Santiago (47) ist Briefträger aus Staten Island/New York. Vier seiner Freunde verlor er bei den Anschlägen.
Denise Jeitziner
Anthony Robinson (45) ist Ingenieur aus Manhattan/New York und kann sich noch genau an den Morgen erinnern, als ein Flugzeug seltsam tief über den Hudson River flog.
Anthony Robinson (45) ist Ingenieur aus Manhattan/New York und kann sich noch genau an den Morgen erinnern, als ein Flugzeug seltsam tief über den Hudson River flog.
Denise Jeitziner
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Der Briefträger Kenneth Santiago (47) aus Staten Island/New York(siehe Bildstrecke) arbeitet im U.S. Post Office gleich beim Ground Zero. Zum Zeitpunkt der Anschläge hielt er sich in einem anderen Postgebäude auf, nur wenige Blocks vom World Trade Center entfernt:

«Ich kann nicht vergessen, der Schmerz kommt immer wieder hoch, besonders jetzt, wenn sich der Jahrestag zum zehnten Mal wiederholt. Vier meiner Freunde sind bei den Anschlägen ums Leben gekommen. Ich versuche weiterzumachen und zu vergessen, doch es fühlt sich immer noch an, als wäre es gestern gewesen. Wir wollten gerade die Post austragen. Im Moment, als wir aus der Tür kamen, schlug das zweite Flugzeug im Turm ein. Ich stand einfach nur da und starrte nach oben, wo alles voller Rauch und Feuer war. Erst als das erste Gebäude einstürzte, realisierte ich, was da passierte. Als das zweite Gebäude zusammenbrach, rannten alle nach drinnen. Viele Gedanken schossen mir durch den Kopf. Was soll ich tun? Wie komme ich nach Hause? Wie kann ich mich beschützen? Ich dachte an meine Familie, konnte aber niemanden erreichen. Mehrere Stunden harrte ich hier aus. Zum Glück habe ich keine Verwundeten gesehen. Aber ich sah viele Leute, die innerlich verletzt waren. Irgendwie schaffte ich es, auf ein Boot zu kommen, um nach Staten Island gelangen. Ich hatte offenbar Glück, andere mussten viele Kilometer nach Hause laufen. Die Bilder am TV konnte ich mir nicht anschauen. Wenn heute Dinge geschehen wie ein Erdbeben oder ein Hurricane, denke ich immer als erstes an einen Terrorakt. Anfangs überlegte ich, aus New York wegzuziehen. Aber ich bin hier aufgewachsen und ehrlich gesagt ist das hier der beste Ort der Welt. 9/11 hat mich verändert. Davor habe ich mir Gedanken über kleine Dinge gemacht, heute versuche ich, bewusst zu leben. Angst habe ich keine, zumindest keine panische. Sicher kommt alles von Zeit zu Zeit hoch, bei allen hier ist das so. Doch wenn etwas geschehen muss, dann geschieht es. Ich bete und hoffe, das alles gut wird. Und ich versuche, weiterzumachen und mein Leben zu leben. Ich muss.»

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