China lässt prominenten Kritiker verhaften

Die Polizei hat einen bekannten uigurischen Wissenschaftler festgenommen. Die Spannungen zwischen dem chinesischen Staat und der muslimischen Minderheit nehmen zu.

Der Ökonom Ilham Tothi lehrt an der Universität in Peking: Tothi während eines Interviews im Februar 2013.

Der Ökonom Ilham Tothi lehrt an der Universität in Peking: Tothi während eines Interviews im Februar 2013. Bild: Keystone

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Ilham Tohti soll gestern gemeinsam mit seiner Mutter verhaftet worden sein. Von der Festnahme berichtete Tohtis Frau auf dessen Website Uighurbiz. Der Wirtschaftswissenschaftler an der Universität Peking hatte die chinesische Uiguren-Politik in den vergangenen Jahren offen kritisiert. Die tibetische Dichterin Tsering Woeser, eine Freundin des Ökonomen, bestätigte heute den Bericht. Die Polizei habe Tohtis Haus durchsucht und Telefone sowie Computer beschlagnahmt.

In der westchinesischen Provinz Xinjiang kommt es seit Jahrzehnten immer wieder zu blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Staatsmacht und den rund neun Millionen muslimischen Uiguren, die sich von der Zentralregierung unterdrückt und von zuziehenden Han-Chinesen an den Rand gedrängt fühlen.

Regierung macht Uiguren für Terroranschläge verantwortlich

Seit Frühjahr vergangenen Jahres nahmen die Spannungen in der im äussersten Westen gelegenen Provinz zu. Peking machte Angehörige der ethnischen Minderheit wiederholt für «Terrorangriffe» mit zahlreichen Toten verantwortlich.

Ende Oktober war auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking ein Auto in eine Menschengruppe gerast und in Flammen aufgegangen. Die Wageninsassen - nach Polizeiangaben drei Uiguren - sowie zwei Touristen wurden getötet, 40 weitere Menschen wurden verletzt. Die chinesischen Sicherheitsbehörden sprachen von einem «Terroranschlag» radikaler uigurischer Islamisten. In der Folge wurden in Xinjiang laut Aktivisten 53 Menschen festgenommen. (ldc/sda)

Erstellt: 16.01.2014, 07:14 Uhr

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