Der Iran schweigt seinen Freund und «Helden» plötzlich tot

Teheran befürchtet, seinen wichtigsten Partner in der Region zu verlieren. Vor kurzem ehrte der Iran den syrischen Präsidenten Assad noch mit einer Medaille. Nun verliert das Regime lieber kein Wort mehr über ihn.

Zeichnete seinen Freund Assad rechts) 2010 mit einer Ehrenmedaille aus: Mahmoud Ahmadinejad (links).

Zeichnete seinen Freund Assad rechts) 2010 mit einer Ehrenmedaille aus: Mahmoud Ahmadinejad (links). Bild: Keystone

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Als der syrische Präsident Bashar al-Assad spät im vergangenen Jahr den Iran besuchte, bekam er eine Helden-Medaille verliehen und sprach bei einer live im Fernsehen übertragenen Zeremonie von einem unerschütterlichen Bündnis.

Nun hat eine nervöse Führung im Iran eine Nachrichtensperre für Berichte über Assads Anstrengungen ausgesprochen, eine anschwellende syrische Protestbewegung im Zaum zu halten. Teheran sieht sich mit der beunruhigenden Aussicht konfrontiert, einen treuen Partner in der Region zu verlieren.

Die Islamische Republik Iran schaffte es nach der umstrittenen Präsidentenwahl im Juni 2009 ihre hauseigene «Grüne Revolution» abzuwürgen. Nun wird Iran in einen Aufstand gezogen, der sich im Nahen Osten ausbreitet und dabei auch Syrien und Bahrain erfasst hat.

Irans wichtigster Mittelsmann

An dem bisher tödlichsten Tag der syrischen Proteste am vergangenen Freitag, kamen mehr als 100 Menschen beim Vorgehen der syrischen Regierungskräfte ums Leben. US-Präsident Barack Obama beschuldigte Assad daraufhin, den Iran um Hilfe ersucht zu haben, um die gleichen brutalen Taktiken anzuwenden, auf die der Iran vor zwei Jahren zurückgriff.

Für den Iran ist Syrien mehr als ein seltener Freund in einer Region, in der Teherans Absichten das Misstrauen der Araber wecken. Syrien ist Irans wichtigster Mittelsmann, das Bindeglied zur antiisraelischen Hizbollah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen.

Sollte Assads Regime stürzen, wäre der Iran eines loyalen arabischen Partners beraubt, in einer Region, die sich durch die Volksaufstände neu ordnet.

Widersprüchliche Aussenpolitik

«Iran und Syrien repräsentieren die antiamerikanische Achse in der Region. In dieser Hinsicht, strebt der Iran danach, dass Syrien ein Alliierter bleibt», sagte Schadi Hamid, Forschungsleiter des Brookings Doha Centers in Katar. Das Problem ist, dass die iranische Aussenpolitik widersprüchlich ist.»

Der Iran mag noch andere Optionen in der Region haben. Er steht in Verbindung mit der von Schiiten geführten Regierung des Irak, entwickelt Beziehungen zur Türkei und macht Annäherungsversuche an das postrevolutionäre Ägypten.

Doch die Aufstände haben dem Iran auch die verschärfte Opposition der reichen und zunehmend einflussreichen Golfstaaten beschert, die glauben, der Iran unterstütze schiitisch geprägte Proteste in Bahrain.

Leise Töne zu Syrien

Die Ambitionen des Iran seinen Einfluss in der Region auszubauen, könnte durch Assads Sturz geschwächt werden, meint Theodore Karasik, Experte für die Region und von dem in Dubai ansässigen Institute for Near East and Gulf Military Analysis.

«Die ägyptische Revolution könnte als strategischer Verlust für den Westen verbucht werden, aber ein Machtwechsel in Syrien würde die strategische Neuordnung des Nahen Ostens bedeuten und dem Iran einen noch grösseren Verlust zufügen», sagt Karasik.

Es ist schwierig, die iranische Strategie im Fall Syrien zu fassen. Die herrschenden Geistlichen haben es den Inlandsmedien untersagt, über die Revolte zu berichten. Es gibt keine Debatten im iranischen Parlament und die Führung, inklusive des sonst wortgewaltigen Präsidenten Mahmoud Ahmadinejad, hält sich mit Äusserungen zurück.

Der staatliche englischsprachige Sender Press TV sendet hingegen relativ neutrale Berichte für und gegen Assads Regime. Der iranische arabischsprachige Sender Al Alam zitierte am Samstag den iranischen Aussenamtssprecher Ramin Mehmanparast, der Obamas Anschuldigung zurückwies, der Iran sei in Syrien aktiv.

Lob und Tadel

Bei einer Ansprache am Samstag lobte der oberste religiöse Führer des Iran, Ayatollah Ali Khamenei, das «islamische Erwachen» der Region – eine Referenz an die oft wiederholten Behauptung, die Volksaufstände seien von der Iranischen Revolution von 1979 inspiriert. Khamenei erwähnte Syrien nicht, stattdessen äusserte er sich zu Libyen, Jemen und Bahrain.

Chameneis Ansprache fasst den Zwiespalt der iranischen Aussenpolitik zusammen. Der Iran hat mit scharfen Worten das Durchgreifen des sunnitischen Königshauses in Bahrain gegen die von schiitischen Oppositionellen getragenen Proteste kritisiert. In Teheran warfen Studenten Brandsätze gegen die saudische Botschaft, weil das Land Truppen nach Bahrain entsandte.

Für die Demonstranten in Syrien machte sich der Iran nicht stark. Der Iran ist jedoch nicht das einzige Land, das seine eigenen Interessen mit dem Ruf nach Wandel versucht auszubalancieren. Die USA haben sich gegen den libyschen Führer Muammar al-Ghadhafi stark gemacht, zu den Aufständen bei den strategisch wichtigen Partnern Jemen und Bahrain waren aus Washington weniger laute Töne zu hören.

(miw/dapd)

Erstellt: 27.04.2011, 22:57 Uhr

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