Kommt das Burka-Verbot in Ägypten?

Eine Gesetzesvorlage will die Vollverschleierung verbieten. Das Argument: Terroristen würden sich unter der Burka verstecken.

Für manche ein Terrorrisiko: Eine Frau im Nikab geht an Sicherheitskräften vor der Nationalen Wahlbehörde in Kairo vorbei.

Für manche ein Terrorrisiko: Eine Frau im Nikab geht an Sicherheitskräften vor der Nationalen Wahlbehörde in Kairo vorbei. Bild: Keystone

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Ägypten hat ein zwiespältiges Verhältnis zur Vollverschleierung von Frauen. Während in den Achtzigerjahren in Kairo muslimische Frauen noch mit offenen Haaren durch die Gassen gingen, haben sich Burka oder Nikab in den letzten Jahren zu einem normalen Bestandteil des Strassenbildes im grossmehrheitlich muslimischen Land gewandelt.

Ein neuer Vorstoss im ägyptischen Parlament will nun die Burka komplett von der Strasse verbannen. Die Vollverschleierung auf öffentlichen Plätzen soll «zu jeder Zeit und unter jeglichen Umständen» verboten werden, zitiert das Nachrichtenportal «The Media Line» aus der Gesetzesvorlage. Ein Verstoss gegen das Gesetz würde mit einer Busse von 1000 ägyptischen Pfund (56 Schweizer Franken) bestraft.

Das Burka-Verbot sei notwendig, «um den Staat beim Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen», sagt Politiker Ghada Ajami zum Nachrichtenportal. Islamisten hätten es leichter, sich mit der Verschleierung als harmlose Frauen zu tarnen und Anschläge zu verüben, so die Argumentation der Verbotsbefürworter.

Tatsächlich leidet Ägypten seit dem Sturz von Mohammed Mursi, dem ersten Präsidenten aus der Muslimbruderschaft, im Jahr 2013 und dem Erstarken von al-Qaida und Islamischem Staat (IS) auf der Sinai-Halbinsel unter islamistischen Terrorattacken. Erst Anfang November griffen IS-Extremisten eine Gruppe koptischer Christen bei einem Kloster südlich von Kairo an und töteten sieben von ihnen. Auch Badeorte am Roten Meer wurden wiederholt Ziel von Anschlägen, etwa Hurghada 2016 und 2017.

Ob sich die Angreifer mit einer Burka getarnt hatten, dürfte allerdings bezweifelt werden. Das Sicherheitsargument ist aber nicht das einzige, das in Ägypten immer wieder gegen die Vollverschleierung vorgebracht wird. Bereits 2016 gab es einen ähnlichen Vorstoss, der Frauen das Tragen eines Nikabs an öffentlichen Orten und in staatlichen Einrichtungen verbieten wollte. Eine Professorin an der islamischen Al-Azhar-Universität in Kairo sagte damals, ein Vollschleier sei nach islamischem Recht nicht notwendig und habe seinen Ursprung nicht in der islamischen Tradition.

Bereits Verbote an Universitäten

Zwar wurde das Gesetz nicht angenommen, aber mehrere Hochschulen, darunter die Al-Azhar-Universität, hatten bereits eigenmächtig Burka-Verbote in ihren Räumlichkeiten erlassen. So dürfen Dozentinnen und Studentinnen beim Unterrichten oder an Prüfungen keinen Vollschleier mehr tragen.

Die Universitätsverbote waren bei der Einführung heftig umstritten. Auch beim aktuellen Gesetzesentwurf stehen streng religiöse Gruppierungen wie die Muslimbruderschaft progressiven Kräften gegenüber, die eine Vollverschleierung ablehnen und lediglich ein Kopftuch (Hijab) tragen. Dass ein Burka-Verbot in einem sunnitisch-muslimischen Land überhaupt diskutiert wird, dürfte auch mit Präsident Sisi zu tun haben. Der General, der nach dem Sturz von Muslimbruder Mursi die Macht in Ägypten übernahm, gilt zwar als fromm. Zugleich ist er ein Verehrer des früheren säkularen Präsidenten Nasser. Sisi rief am Geburtstag des Propheten Mohammed 2015 denn auch zu einer «religiösen Revolution» gegen den islamischen Extremismus auf. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.11.2018, 18:14 Uhr

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