Schlafwandler am Abgrund

Noch eine Woche, und Griechenland ist pleite. Was das bedeutet, darüber kann man nur spekulieren.

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Man trifft sich und hat sich nichts mehr zu sagen. Der griechische Finanzminister Giannis Varoufakis und seine Amtskollegen aus den 18 anderen Euroländern sind sich am Donnerstag nicht nähergekommen. Kein Wunder, die Fronten sind verhärtet, und niemand scheint einen Plan zu haben, um aus der anhaltenden Konfrontation herauszufinden.

Wie Schlafwandler bewegen sich beide Seiten mit erschreckender Leichtigkeit auf einen Abgrund zu. Noch gut eine Woche, und Griechenland ist pleite. Es gibt keinen Präzedenzfall für einen Staatsbankrott innerhalb der europäischen Währungsunion. Über die genauen Folgen für Griechenland und Euroland kann man also einzig spekulieren. Klar ist, dass es am Ende nur Verlierer geben wird.

Die Partner Griechenlands haben den Moment möglicherweise schon verpasst, die Mannschaft in Athen aus der Ecke herauszuholen, in die diese sich manövriert hat. Die Krisenmanager haben die Herausforderung unterschätzt, mit einer Regierung von linken und rechten Populisten verhandeln zu müssen. Kompromiss scheint für die linksradikale Syriza und ihre rechts­extremen Koalitionspartner ein Fremdwort zu sein.

Die Geldgeber sind den Griechen in den letzten Wochen weit entgegen­gekommen. Doch wollen Varoufakis und sein Premierminister Alexis Tsipras überhaupt einen Deal? Rhetorik und Auftritt der Griechen deuten darauf hin, dass zumindest einige in Athen längst den Ausgang aus Euroland suchen. Für diese Kreise geht es nur noch darum, wer am Ende den Schwarzen Peter für das Fiasko behält. Ideologen wollen stets als moralische Sieger untergehen.

Noch bleiben wenige Tage für eine Notbremsung kurz vor dem Abgrund. Wahrscheinlich muss der Anstoss von den Chefs kommen, von den Staats- und Regierungschefs. So oder so ist zwischen Athen und seinen europäischen Partnern viel Vertrauen zerstört worden. Auch ein Arrangement in letzter Minute wird nicht mehr als ein wackeliger Deal für ein paar Monate sein.

Erstellt: 18.06.2015, 23:52 Uhr

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