Trump in Mexiko: Beschimpfen, beleidigen – besuchen

Bösartigkeiten gegenüber den Mexikanern hatte Donald Trump viele auf Lager. Nun besucht er das Land. Blick auf die Liste der Schande.

Mexikanische Dialektik: Links eine Synthese aus Esel und Trump, rechts ein Erklärschild. (1. Mai 2016)

Mexikanische Dialektik: Links eine Synthese aus Esel und Trump, rechts ein Erklärschild. (1. Mai 2016) Bild: Rebecca Blackwell/Keystone

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Der mexikanische Präsident Enrique Peña Nieto lädt ausgerechnet seinen ärgsten Widersacher, Donald Trump, zu einem sehr kurzfristigen Besuch ein. Nur wenig später wird Trump eine wichtige Rede in Phoenix, Arizona halten. Das Thema passt: Immigration.

Immigration, Mexiko, Trump. Das ist Zündstoff. Auch in der Vergangenheit sorgte diese Kombination für bisweilen kolossalen Aufruhr. Begonnen hat dabei alles mit der leidigen «Wall» – Trumps Mauer, die gemäss eigenen Aussagen so herrlich werden soll, wie die Chinesische Mauer. Doch alles der Reihe nach:

Juni 2015, Trumps Präsidentschaftsankündigung

Damals noch belächelt, jetzt gefürchtet. Im Juni letzten Jahres teilt Donald Trump mit, Nachfolger von US-Präsident Barack Obama werden zu wollen. Bis dahin war er primär bekannt als Geschäftsmann, Reality-TV-Star und genereller Öffentlichkeits-Tunichtgut.

Besonders ein Zitat aus seiner Ankündigungs-Rede vom 16. Juni blieb im kollektiven Gedächtnis:

«Ich werde eine grossartige Mauer bauen – und niemand baut Mauern besser als ich, glaubt mir. Ich werde eine grossartige, grossartige Mauer an unserer südlichen Grenze bauen und ich werde Mexiko dazu bringen, dafür zu bezahlen. Lasst euch das gesagt sein!»Donald Trump

Doch das war nur der Höhepunkt einer Rede, in der The Donald das Wort «Mexiko» ganze 13-mal in den Mund genommen hatte, innerhalb von rund 45 Minuten.

«Die Vereinigten Staaten sind zur Müllhalde für die Probleme aller anderen geworden», eröffnete Trump damals seine Mexiko-Kritik. Und dann der folgende berühmte Ausspruch:

Sie [Mexiko] schicken nicht ihre besten Leute. Sie schicken Leute, die viele Probleme haben. Sie bringen Drogen und Kriminalität. Sie sind Vergewaltiger. Und einige, nehme ich an, sind gute Leute.Donald Trump

Juli 2015, Trump verteidigt seine Mexiko-Position

Wenn man jetzt glaubt, Donald Trump meine es nicht wörtlich, wenn er sagt, Mexiko schicke absichtlich schlechte Menschen in die USA – Fehlanzeige. Nach dem Shitstorm seiner Rede, verteidigte er diese in den Medien, sie sei missverstanden worden, das Problem liege bei den Journalisten, die die mexikanische Frage verschweigen würden:

Ich sage, dass die Regierung Mexikos Menschen in unser Land schickt und niemand darüber berichtet.Donald Trump

Und weiter: In vielen Fällen seien das Kriminelle, Drogendealer und so weiter. Diese Menschen würden ausserdem von Drogenkartellen direkt eingeschleust, die Grenzwächter wüssten das. Doch illegale Substanzen sind laut Trump nicht das Einzige, was den USA dräut:

Ungeheuer viele infektiöse Krankheiten strömen über die Grenze.Donald Trump

Mai, Juni 2016, Trump und der Latino-Richter

Die Trump-Universität wollte ursprünglich Leute in Sachen Immobilienhandel, Unternehmensgründung und Ähnlichem ausbilden. Nur: Nach mehreren Vorwürfen, darunter Betrug, musste das Institut seine Schotten dichtmachen.

Einer der Vorwürfe: Die Trump-Universität würde bestimmte Bildungsgesetze verletzen. Das lässt Trump nicht auf sich sitzen und wehrt sich. Nicht etwa wegen des Falles an sich, sondern wegen des Richters:

Es gibt eine ungeheure Feindseligkeit des Richters gegenüber mir, das kann man sich nicht vorstellen. Ich glaube, er ist ein Hispanic.Donald Trump

Seinen «Verdacht» auf unfaire Behandlung durch den angeblichen Latino-Richter bestätigte Trump auch in einem Interview mit der «Washington Post». In Tat und Wahrheit aber wurde Bundesrichter Gonzalo Curiel in East Chicago, Indiana geboren, als Sohn von mexikanischen Einwanderern, die je nach Bericht seit den 20er- oder 40er-Jahren in den USA leben.

Für seinen Angriff musste Trump auch aus den eigenen Reihen einstecken. Paul Ryan, Sprecher des Repräsentantenhauses, beurteilte die Äusserung als «Lehrbeispiel des Rassismus». Newt Gingrich, ebenfalls Republikaner, nannte es einen von «Trumps schlimmsten Fehlern. Ich denke, das ist unentschuldbar.»

Mai 2016, Trump liebt die Hispanics

Cinco de Mayo, der fünfte Mai, ist für Mexikaner ein Feiertag, dabei gedenkt man des Sieges der mexikanischen Armee über die überlegenen Franzosen. Deshalb hat Trump einmal nur nette Worte übrig für das sonst so getadelte Volk:

«Fröhlicher Cinco de Mayo! Die besten Taco-Schalen werden im Trump Tower Grill gemacht! Ich liebe Hispanics!»Donald Trump

Doch für Trump ging der Nettigkeitsschuss grösstenteils nach hinten los. Die meisten Beglückwünschten sahen darin eine weitere Stereotypisierung von Lateinamerikanern. Ein Facebook-Kommentator formuliert es bitterböse:

«Glückliches chinesisches Neujahr! Der beste Hund wird in Trump's Garden gemacht! Ich liebe Chinesen! Fröhliches Kwanza! Das beste frittierte Poulet wird bei Mama Trump's gemacht! Ich liebe die Schwarzen! Fröhliches Pessach-Fest! Die besten Bagel werden in Trump's Deli gemacht! Ich liebe die Juden! Fröhlicher Konföderierten-Gedenktag! Die besten spitzen Kapuzen werden in McTrump's General Store gemacht! Ich liebe die Weissen!»

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Februar 2015, Trump und der Oscar-Gewinner

Was für ein Filmjahr 2015 doch war! Da gab es das famose Coming-of-Age-Drama «Boyhood» von Richard Linklater, die Wes-Anderson-Sause mit «The Grand Budapest Hotel» oder das Space-Epos «Interstellar» von Christopher Nolan. Und, das ergrimmte The Donald, den Film «Birdman». Das Problem: Der Regisseur ist niemand Geringeres als der legendäre Alejandro Iñárritu – Mexikaner. Das reicht Donald Trump, ungeachtet der bisherigen filmischen Erfolge Iñárritus, für einen weiteren Mexiko-Generalangriff:

«Die Oscars waren eine grossartige Nacht für Mexiko, warum auch nicht – sie zocken die Vereinigten Staaten mehr ab als fast alle anderen Länder.»Donald Trump

Im November 2015 schlug der gescholtene Filmregisseur zurück. Ohne Trump namentlich zu nennen sprach er an der «Art + Film»-Gala: «Wenn wir diesen Worten weiterhin erlauben, die Saat des Hasses zu bewässern und minderwertige Gedanken und ungesunde Emotionen rund um die Welt zu jedem menschlichen Wesen zu verbreiten, werden nicht nur Millionen Mexikaner und lateinamerikanische Immigranten in Gefahr sein. Auch Immigranten rund um die Welt, die jetzt leiden, werden dasselbe gefährliche Schicksal teilen.»

Erstellt: 31.08.2016, 12:32 Uhr

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