Ukraine und Rebellen tauschen Häftlinge aus

Eine erste Gruppe von ukrainischen Gefangenen erreichte mit einem Bus von Kiew kontrolliertes Gebiet. Es soll der grösste Gefangenenaustausch seit Beginn des Konflikts sein.

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Laut dem Vertrag von Minsk sollten sie längst frei sein. Aber erst jetzt rafften sich die Konfliktparteien in der Ukraine zu einem grösseren Gefangenenaustausch auf. Es ging um mehr als 300 Menschen.

Gefangene: Ukraine und Rebellen tauschen Häftlinge aus. Video: Tamedia/AFP

Die Separatisten hatten am Mittwoch 74 ihrer Gefangenen an Übergabepunkte im Niemandsland gebracht, Vertreter der ukrainischen Regierung 233. Der Austausch war am Montag nach Gesprächen unter Vermittlung des russisch-orthodoxen Patriarchen Kyrill I. angekündigt worden.

Dank an Merkel und Macron

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko begrüsste die freigelassenen Ukrainer. Er lobte sie für ihr Durchhaltevermögen. Trotz der unerträglichen Bedingungen in Gefangenschaft hätten sie «zu den Prinzipien der Freiheit und Unabhängigkeit» gestanden. «Wir sind stärker, wir werden gewinnen», sagte er.

Poroschenko dankte auch Merkel und Macron für ihre Hilfe beim Gefangenenaustausch. Diese riefen zum Austausch sämtlicher Gefangener auf und forderten, dem Internationalen Komitee von Roten Kreuz vollen Zugang in die Konfliktgebiete zu gewähren und es bei der Suche nach Vermissten zu unterstützen. Der Gefangenenaustausch könne Vertrauen aufbauen – auch im Hinblick auf die Umsetzung der Waffenstillstandsvereinbarung von Minsk, sagten sie.

«Aus der Hölle»

Manche Gefangene waren mehr als ein Jahr festgehalten worden. «Ich bin aus der Hölle heraus. Ich habe überlebt», sagte Jewhen Tschudenzow, der in einem Freiwilligenverband gekämpft hatte und im Februar 2015 in Gefangenschaft geraten war. Ihm seien die Schneidezähne ausgeschlagen worden. Man habe ihn zum Tode und später zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Er werde sich erneut dem ukrainischen Militär anschliessen.

Bei vielen der Freigelassenen handelt es sich nicht um Kämpfer, sondern beispielsweise um Aktivisten oder Blogger, die der Spionage und des Verrats beschuldigt wurden. Beide Seiten hatten Tage daran gearbeitet, die Listen mit den auszutauschenden Gefangenen auszuarbeiten.

Die Ukraine hätte ursprünglich 306 Gefangene freilassen sollen. Dutzende entschieden aber, in der Ukraine zu bleiben oder seien vorher entlassen worden, sagte der Kiewer Unterhändler Viktor Medwedtschuk. Er beaufsichtigte den Austausch für die ukrainische Seite. Die Sprecherin der ukrainischen Generalstaatsanwaltschaft, Larissa Sargan, sagte, eine der von den Separatisten Freigelassenen wolle in Donezk bleiben.

Über 10'000 Tote

Überwacht wurde der Austausch von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa. Es sei zu begrüssen, dass kurz vor Neujahr und dem orthodoxen Weihnachtsfest, so viele Menschen nach Hause zurückkehren dürfen, sagte die OSZE-Vorsitzende, Österreichs Aussenministerin Karin Kneissl.

Seit 2014 sind im Konflikt in der Ostukraine mehr als 10'000 Menschen getötet worden. Der 2015 in Minsk vereinbarte Waffenstillstand sieht den Austausch aller Gefangenen vor. Es wird vermutet, dass beide Seiten Dutzende, wenn nicht Hunderte als Verhandlungsmasse gefangen halten.

Den letzten Gefangenenaustausch hatte es im September 2016 gegeben. Damals liess die ukrainische Regierung vier Separatisten frei, die Rebellen liessen wiederum zwei Gefangene gehen. (AFP/AP)

Erstellt: 27.12.2017, 14:56 Uhr

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