Wie Israel im Libanon saudische Interessen vertritt

Israel und Saudiarabien verbindet wenig – ausser der Feindschaft mit dem Iran und der Hizbollah. Treten die Israelis nun in den Konflikt um den Libanon ein, droht ein neuer Krieg.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (links) und der israelische Ministerpräsident Netanjahu (rechts) verfolgen gemeinsame Interessen. Fotomontage: Twitter / Starseed52

Der Feind meines Feindes ist mein Freund: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (links) und der israelische Ministerpräsident Netanjahu (rechts) verfolgen gemeinsame Interessen. Fotomontage: Twitter / Starseed52

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In den vergangenen Tagen ist die Gefahr gestiegen, dass im Nahen Osten ein neuer Krieg ausbricht. Schuld daran ist Saudiarabien, das den Libanon zum neuen Kampfgebiet erkoren hat und mit Israel eine ungewöhnliche Allianz eingegangen ist. Beide verbindet die Feindschaft mit Iran nach dem Motto: Der Feind meines Feindes ist mein Verbündeter. Saudiarabien geht es nur vordergründig um die Hizbollah im Libanon, sondern eigentlich um die Vorherrschaft in der Region und den iranischen Einfluss.

Video: Aus Angst zurückgetreten

Der libanesische Premier Saad al-Hariri trat zurück, weil er um sein Leben fürchtet. Video: Tamedia/AFP

Die Saudis haben zwar den Rücktritt des libanesischen Ministerpräsidenten Saad al-Hariri erzwungen und damit eine gefährliche Eskalation provoziert. Aber sie wollen selbst keinen Militärschlag führen, zumal sie bereits im Jemen gebunden sind und die Kämpfe dort andauern.

Die Israelis könnten erledigen, was der ehemalige US-Nahostbeauftragte und Botschafter in Israel, Dan Shapiro, treffend in wenige Worte kleidete: die «Drecksarbeit» für die Saudis. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu hat in den vergangenen Wochen einen Militärschlag nicht ausgeschlossen, Teile des Militärs drängen ihn zu diesem Schritt. Hisbollah-Chef Hassan Nasrallah warnte Israel «vor jeglichem Versuch, die Situation auszunutzen». Er warf Saudiarabien vor, Israel zu einem Krieg aufzuhetzen. Der Konflikt wandert von Syrien Richtung Süden.

Erpressung in Beirut

Die Saudis und Trump als Strippenzieher wären eine gefährliche Kombination Israel bombardiert schon seit Wochen immer wieder Stellungen der Hizbollah in Syrien. Aber ein Krieg wie 2006 im Libanon wäre für Netanyahu ein riskantes Unterfangen. Diesmal könnte es kaum bei gezielten Schlägen etwa gegen das Hauptquartier der Hizbollah im Süden von Beirut bleiben. Zwar ist die Hizbollah durch den seit mehr als sechs Jahren andauernden Bürgerkrieg in Syrien geschwächt. Nach Schätzungen sind mindestens 800 Kämpfer getötet und Tausende verwundet worden. Aber die Gefahr ist gross, dass sich nach einem israelischen Militärschlag Iran aktiv einmischen würde - so wie es Teheran im benachbarten Syrien getan hat.

Video: Nasrallah äussert sich zu Hariri und Israel

Der Generalsekretär der Hizbollah über die Gefahr eines israelischen Angriffs.

Israel könnte auch dem Glauben verfallen sein, dass es den USA mit einem Militärschlag im Libanon einen Gefallen tut. Jared Kushner, der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, hat in den vergangenen Wochen mehrere Besuche sowohl in Saudiarabien als auch in Israel absolviert. Prompt wird spekuliert, dass die USA im Hintergrund in die Vorbereitung von Militärschlägen involviert sein könnten. Saudiarabien und Trump im Hintergrund als Strippenzieher - das riecht nach einer gefährliche Kombination.

Israel will Stärke demonstrieren

Israel läuft Gefahr, in einen Stellvertreterkrieg hineingezogen zu werden Die eigene Stärke demonstriert Israel gerade bei der grössten Luftwaffenübung, die es je im Land gegeben hat. An der Übung nehmen neben den USA noch fünf andere Staaten teil. Israel will zeigen: Wir können, wenn wir wollen.

Das ist auch ein Signal an die Palästinenser und ihre Verbündeten. Denn Israel kämpft auch an einer anderen Front. Nachdem am Gazastreifen ein in Richtung Israel gegrabener Tunnel entdeckt und zerstört wurde - mindestens zwölf Menschen, darunter Kämpfer der Hamas und des Islamischen Jihad, wurden dabei getötet -, wurde im Süden des Landes aus Angst vor Vergeltungsanschlägen der Raketenschirm aktiviert.

Israels Regierung zeigt sich also zur Abwehr bereit. Aber sie rüstet sich auch für einen Angriff und läuft damit Gefahr, in einen Stellvertreterkrieg zwischen Saudiarabien und dem Iran hineingezogen zu werden. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.11.2017, 17:18 Uhr

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