Wie macht man Hollande beim Volk beliebt?

Kommunikationsberater Claude Sérillon war früher TV-Moderator und bekannt für seine Lachanfälle. Nun hat er sich einen ernsten Job gekrallt.

Schwierige Aufgabe: Claude Sérillon will das Image von François Hollande aufpolieren.

Schwierige Aufgabe: Claude Sérillon will das Image von François Hollande aufpolieren. Bild: alvinet

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Er ist eine alte Wohnzimmerbekanntschaft der Franzosen, eine dieser Figuren, die jahrzehntelang aus der Kiste grüssten, talkten, moderierten. Und obschon Claude Serillon aus dem ernsten Fernsehfach kommt, aus der Welt der Nachrichten und der Politik, kennt man ihn vor allem lachend. Auch schon mal laut und lang lachend. Einige seiner «fous rires», seiner Lachanfälle also, sind legendär und gehören in die Revuen lustiger Fernsehmomente. Der 62-jährige Journalist und Schriftsteller aus Nantes, lange Zeit Sprecher der Abendnachrichten auf France 2 und Moderator von Benefizsendungen, ist ein Mensch mit ansteckend guter Laune – eigentlich.

In seiner neuen Funktion versucht er nun mit viel Mühe, gute Laune bei den Franzosen zu stiften, wenn sie an ihren Präsidenten denken. Seit Januar ist Serillon Berater im Elysée, zuständig für die Kommunikation seines Freundes François Hollande, der heute Montag die Vollendung seines ersten Amtsjahres begeht. Er soll den Präsidenten inszenieren, dessen Ausflüge aufs Land choreografieren, die Fernsehauftritte vorbereiten. Das Licht, die Kameraeinstellungen, das Dekor: Serillon entscheidet. Er ist der Regisseur fürs grosse Drumherum, für das Image, die Aussenwirkung. Hollande soll möglichst souverän und volksnah wirken.

Beschönigend gesagt, haben Serillons Bemühungen noch nicht richtig gefruchtet. Die Umfragewerte des Präsidenten fallen noch immer. Mittlerweile hält ihn nur noch jeder vierte Franzose für einen guten Staatschef. Natürlich hat das viel mit den Folgen der Wirtschaftskrise zu tun, dem stetigen Anstieg der Arbeitslosigkeit und diesem Gefühl der Franzosen, ihr Land steige ab. Doch Hollande schafft es auch nicht, das Volk mit einer Vision zu gewinnen – mit einem narrativen Strang, an dem es sich vielleicht etwas leichter durch die Krise hangeln liesse.

Seine TV-Auftritte bleiben hölzern, seine Ausflüge in die Provinz nett, aber beliebig. Hollande verkauft selbst das schlecht, was er gut macht. Die Presse, auch die linken Zeitungen, strafen ihn deshalb mit bösen Kommentaren und Karikaturen. Und so fragt man sich: Was bringt Serillon? Hat er ein Skript? Kommt da noch was?

Serillon ist ein unabhängiger Geist. Sein Hang zur Linken war aber stets bekannt. Als die Rechte regierte, trug er oft rote Krawatten am Fernsehen. In jungen Jahren brachte er Präsident Valéry Giscard d’Estaing gegen sich auf mit einer Presseschau, welche das Diamantengeschenk eines afrikanischen Diktators thematisierte. Serillon wurde versetzt. Von Jacques Chirac ist der Ausruf überliefert: «Verdammt, dieser Serillon! Und dann lacht er auch noch immer!» Seine politischen Neigungen verzieh man ihm, weil er Sozialisten noch härter interviewte als Bürgerliche.

Dass er in den Elysée-Palast wechselte, war keine Überraschung. Die Macht faszinierte Serillon schon immer. Die französischen Journalisten wundern sich nur, dass er nie mit ihnen diniert und parliert, wie das früher die Kommunikationsberater von Nicolas Sarkozy taten. Das sei nicht seine Rolle, sagt Serillon. Man sollte es ihm hoch anrechnen. In Frankreich sind Macht und Medien traditionell viel zu stark verbandelt. Doch wahrscheinlich hat sein Chef gerade auch wegen Serillons löblicher Weigerung keine gute Presse. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 06.05.2013, 08:45 Uhr

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