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1 Million Fass Öl, mit denen keine Bank etwas zu tun haben will

Noch verzichten die USA auf Sanktionen gegen Venezuelas Ölindustrie. Die Banken haben aber bereits reagiert.

Der Öltanker Karvounis liegt vor der Küste des US-Staates Louisiana vor Anker. Foto: Jonathan Bachman (Reuters)
Der Öltanker Karvounis liegt vor der Küste des US-Staates Louisiana vor Anker. Foto: Jonathan Bachman (Reuters)

Im Golf von Mexiko, 100 Kilometer vor der US-Küste, liegt der Öltanker Karvounis vor Anker. Und hat ein Problem: An Bord befinden sich 1 Million Fass Öl der staatseigenen venezolanischen Ölfirma Petróleos de Venezuela (PDVSA), die für die US-amerikanische Raffineriegesellschaft PBF Energy bestimmt sind. Doch das Öl kann nicht entladen werden: Es findet sich keine Bank, welche die Bezahlung abwickelt. Die PDVSA lehnt eine Stellungnahme ab, PBF Energy hat erklärt, die Umstände der Lieferung seien vertraulich. Welche Banken angefragt wurden, ist nicht bekannt.

Offenbar sorgen sich die Geldinstitute um ihren Ruf. Bereits vor einer ­Woche berichtete die Nachrichtenagentur Reuters über ein internes Papier der Credit Suisse, in dem die Grossbank ihren Mitarbeitern untersagte, mit bestimmten Venezuela-Anleihen zu handeln. Sie wolle keine Geschäfte mit einer Regierung machen, die Menschenrechte verletze. Ob weitere Banken solche Direktiven erliessen, ist nicht bekannt. Die Situation der Karvounis im Golf von ­Mexiko legt diesen Schluss allerdings nahe.

In Venezuela tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen dem linksnationalistischen Präsidenten Nicolas Maduro und der Mitte-rechts-Opposition. Seit Anfang April wurden bei den politischen Unruhen mindestens 125 Menschen getötet. Inzwischen hat der Präsident das Parlament, in dem die Opposition dominiert, entmachtet und dessen Kompetenzen fast gänzlich der sogenannten Verfassunggebenden Versammlung übertragen, in der Maduros Anhänger in der Mehrheit sind.

Wann folgt der nächste Schritt?

Rein rechtlich wäre es kein Vergehen, den Öldeal abzuwickeln. Die Banken nehmen jedoch vorweg, womit die US-Regierung seit Wochen droht: Sanktionen gegen venezolanisches Öl. Dieser Schritt wird seit längerem diskutiert, schon mehrfach brachte US-Präsident Donald Trump solche Strafmassnahmen ins Spiel. Bisher verhängte die Regierung allerdings nur Sanktionen gegen Einzelpersonen, unter anderem gegen Venezuelas Präsidenten, die eher symbolischer Natur sind.

Nun könnte bald ein nächster Schritt folgen: Am Dienstag schrieb das «Wall Street Journal», dass ein neues Sanktions-Paket komme, das neben weiteren Personen auch den Handel mit venezolanischen Anleihen umfassen könnte. Ölsanktionen enthalte es allerdings nicht, auch wenn US-Vizepräsident Mike Pence in den vergangenen Tagen mehrfach mit der vollen ökonomischen und diplomatischen Power der USA drohte.

Maduro spielte die Drohungen herunter. Er habe bereits Vorbereitungen gegen «kommerzielle, finanzielle oder Ölblockaden» getroffen. Dabei hätte es drastische Folgen, sollte Venezuela tatsächlich Probleme bekommen, sein Öl in die USA zu exportieren. 2015 kauften die Vereinigten Staaten, Venezuelas Handelspartner Nummer eins, venezolanisches Öl im Wert von 13,2 Milliarden Dollar – was über ein Drittel aller venezolanischen Exporte ausmachte.

Die schlimmste Strafe

Zwar wären auch die USA von einem Handelsstopp betroffen, doch nur ein Zehntel aller amerikanischen Öl-Importe stammt aus Venezuela. Und die Lieferungen in das südamerikanische Land machten 2017 im ersten Halbjahr nur 0,3 Prozent aller US-Exporte aus. Der wirtschaftliche Schaden in den USA wäre also zu verschmerzen, in Venezuela könnte er hingegen zur Katastrophe führen. Einem Bericht der venezolanischen Wirtschaftswissenschaftlerin Tamara Herrera zufolge muss die Regierung in diesem Jahr 1,3 Milliarden Dollar für Kredite bezahlen, besitzt insgesamt aber nur noch 2 Milliarden an unmittelbar verfügbarem Kapital. Das reicht zwar, es bliebe aber kaum mehr Geld für die Importe von Lebensmitteln übrig. Diese fehlen ohnehin schon in Massen.

Anfang August analysierte der regierungsnahe US-Thinktank Atlantic Council fünf verschiedene US-Sanktions­möglichkeiten. Ein Importstopp von Öl wäre demnach für Venezuela die zweitschlimmste. Noch schlimmer wäre nur, wenn die USA die PDVSA, Venezuelas Ölkonzern, auf ihre Sanktionsliste setzen würden. Dann könnte keine international tätige Bank mehr Geschäfte mit PDVSA machen. Venezuela könnte gar kein Öl mehr verkaufen.

Korrekt: Ursprünglich wurde geschrieben, dass der Tanker Karvounis 100 Millionen Fass Öl transportiert. Richtig sind 1 Million Fass.

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