2718 legale Todesschüsse

Hunderte Menschen werden in den USA jedes Jahr von Polizisten erschossen. Urteile sind sehr selten. Die normalen Bürger werden viel härter angepackt.

Ausschreitungen nach der Tötung des Teenagers Michael Brown: Ein Polizist zielt in Ferguson auf Demonstranten. (18. August 2014)

Ausschreitungen nach der Tötung des Teenagers Michael Brown: Ein Polizist zielt in Ferguson auf Demonstranten. (18. August 2014) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Dass der Polizist, der in Ferguson einen schwarzen Teenager erschossen hatte, straffrei bleibt, löste in den USA einen Proteststurm aus. Doch ein Blick in die Statistiken zeigt: Ein solcher Entscheid der Geschworenen war zu erwarten. Eine neue Studie des Kriminologen Philip Stinson von der Bowling Green State University in Ohio hat von 2005 bis 2011 lediglich 41 Verurteilungen von US-Polizeibeamten wegen Mord oder Totschlag gezählt. Im gleichen Zeitraum wurden laut den Daten des FBI 2718 gerechtfertigte Tötungen von US-Polizeibeamten im Dienst begangen.

Stinson forscht seit Jahren zum Thema Polizeigewalt in den USA. Seine Studie, in der über 6700 Fälle von Untersuchungen gegen Polizisten aus allen US-Staaten ausgewertet worden waren, wurde mit staatlichen Mitteln finanziert. Er kommt zum Schluss, dass Richter wie Geschworene in ihren Urteilen gegen Polizeibeamte zurückhaltender seien als bei der restlichen Bevölkerung.

Weniger Urteile, kürzere Haftstrafen

Diesen Befund stützt eine Untersuchung des einflussreichen US-Thinktanks Cato Institute.

Zwischen April 2009 und Dezember 2010 wurden 8300 Berichte zu mutmasslichen Vergehen von Polizisten ausgewertet. Fast 11'000 Beamte waren betroffen. Lediglich 3238 wurden schliesslich angeklagt und nur 1063 Beamte verurteilt. In knapp 33 Prozent der Fälle führte also eine Anklage zu einem Urteil. Gemäss den Statistiken des US-Justizministeriums beträgt dieser Wert bei der übrigen Bevölkerung rund 68 Prozent.

Doch auch bei der Art der Urteile gibt es grosse Unterschiede: Werden allgemein in rund 70 Prozent der Fälle Haftstrafen ausgesprochen, sind es bei den Polizisten nur 36 Prozent.

Auch die durchschnittlichen Haftstrafen für Polizisten sind deutlich kürzer als bei der Gesamtbevölkerung:

Die meisten Untersuchungen (knapp 25 Prozent) gegen US-Polizeibeamte betreffen den Bereich der übertriebenen Gewalt, wie aus einem anderen Bericht von Cato von 2010 hervorgeht. Auf den Plätzen zwei und drei folgen sexuelles Fehlverhalten (knapp 10 Prozent) und Diebstahl/Betrug (rund 7 Prozent).

Hohe Dunkelziffer

Bei den registrierten Todesfällen waren zu über 70 Prozent Schusswaffen im Spiel. Gemäss den Daten des FBI kam es zwischen 2005 und 2011 im Schnitt zu knapp 400 gerechtfertigten Tötungen durch US-Polizisten pro Jahr. Die Daten sind allerdings unvollständig, denn die Staaten sind nicht gezwungen, ihre Zahlen an die Bundesbehörde zu übermitteln. Aus New York gingen zum Beispiel überhaupt keine Meldungen ein. Die Dunkelziffer ist hoch.

Bekannt ist dagegen die Zahl der jährlich im Dienst getöteten US-Polizisten: 2013 waren es laut dem FBI 27, im Jahr davor 49.

Erstellt: 25.11.2014, 16:06 Uhr

Bildstrecke

Ferguson: Krawalle nach Polizisten-Freispruch

Ferguson: Krawalle nach Polizisten-Freispruch Der Polizist, der den 18-jährigen Michael Brown erschoss, kommt nicht vor Gericht. Nach der Entscheidung der Grand Jury kam es in mehreren US-Städten zu Zusammenstössen.

Artikel zum Thema

«Wie ein fünfjähriges Kind gegen Hulk Hogan»

Der Todesschütze von Ferguson (USA) entgeht einer Anklage. Die nun freigegebenen Akten zeigen, wie Polizist Darren Wilson die Erschiessung des unbewaffneten Schwarzen Michael Brown erklärt. Mehr...

Ist ein schwarzes Leben weniger wert als ein weisses?

Analyse Der Entscheid der Jury zum Fall Michael Brown ist für das schwarze Amerika Beweis für Polizeibrutalität und Unrecht. Mehr...

Die Ferguson-Wut erfasst mehrere US-Städte

Der Todesschütze von Michael Brown wird nicht angeklagt, entschied eine Geschworenenjury. In Ferguson kommt es zu Plünderungen und Schüssen. Die US-Luftfahrtbehörde hat Flüge über der Stadt verboten. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Herbstlich gefärbte Weinberge: Winzer arbeiten in Weinstadt, im deutschen Baden-Württemberg. (17. Oktober 2019)
(Bild: Christoph Schmidt/DPA) Mehr...