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Absturz der United 93: Amateurfilmer hielt Material zurück

Erstmals zeigt eine Videoaufnahme die Momente nach dem Absturz der entführten Maschine der United Airlines am 11. September 2001 in Pennsylvania. Eine Privatperson behielt die Aufnahmen bis zu ihrem Tod für sich.

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«Dies sind die Reste eines Flugzeugcrashs drüben bei der Lambertsville Road. Eine Bombe von Terroristen hat wahrscheinlich das Flugzeug in die Luft gesprengt», kommentiert Dave Berkebile am Morgen des 11. Septembers 2001 mit ruhiger Stimme. Die Linse seiner Videokamera richtet er auf die Absturzstelle in Shanksville, wo die von Terroristen entführte Maschine der United-Airlines-93 ihr tragisches Ende fand. Eine grosse schwarze Rauchwolke verdüstert die ländliche Szenerie mit dem strahlend blauen Himmel. Es sind die wohl einzigen Aufnahmen, welche die Momente kurz nach dem Absturz festhalten.

Dave Berkebile ist zu diesem Zeitpunkt in seinem Haus, 4 Kilometer von Shanksville entfernt. «Es hat das Haus erschüttert, es hat alle Häuser hier erschüttert», hält er auf dem Videomaterial fest. Es ist 10.03 Uhr. Noch ist die Lage unklar. Zusammen mit seiner Frau Cathy hat er am Fernsehen die Anschläge auf das Pentagon und das World Trade Center verfolgt. Dave Berkebile geht davon aus, dass die Terroristen das Flugzeug bei Shanksville in die Luft gesprengt haben.

Die späte Veröffentlichung

Erst später stellte sich anhand von aufgezeichneten Telefongesprächen und des Flugschreibers heraus, dass die Entführer dank des mutigen Einschreitens der Passagiere ihr Anschlagsziel nie erreichten. Stattdessen stürzte die United 93 in ein Feld im US-Bundesstaat Pennsylvania. Dave Berkebile behielt die Aufnahmen über Jahre hinweg für sich. Im Februar dieses Jahres ist er gestorben.

Nun hat seine Frau Cathy das Videomaterial der Lokalzeitung «Tribune Democrat» zur Veröffentlichung übergeben. «Ich dachte mir, dass es sich um ein sehr wichtiges Stück Geschichte handelte», erklärte sie ihre Beweggründe.

Die halbfertige Gedenkstätte

An der Absturzstelle in Shanksville entsteht derweil eine Gedenkstätte, die am 10. September offiziell eingeweiht wird. Eine schlicht gestaltete Marmorwand, auf der die Namen der 40 verstorbenen Opfer eingraviert sind, erinnert hier an die tragischen Ereignisse vom 11. September 2001. Doch selbst hier ist die finanziell angespannte Lage im Land spürbar. Denn die Finanzierung der Gedenkstätte ist bis heute nicht vollständig gesichert.

Noch fehlen ein Besucherzentrum und 40 Bäume, die für jedes einzelne Opfer des United-93-Fluges gepflanzt werden sollen. Die Verantwortlichen glauben, dass die ländliche Lage die Unternehmen daran hindert, etwas zu spenden. Von den budgetierten 62 Millionen Dollar fehlen gemäss «NPR» noch 10 Millionen Dollar. «Das ist ein kleiner Preis, um an 40 Menschen zu erinnern, die einen grösseren Terroranschlag verhinderten», meint King Laughlin, Verantwortlicher für die Spendensammlung der Gedenkstätte. Trotz des Geldmangels hofft er, dass die Arbeiten bis 2014 abgeschlossen werden.

(jak)

Erstellt: 05.09.2011, 15:34 Uhr

Nach dem Absturz

Das Video von Dave Berkebile am 11. September 2001. (Video: Youtube, CNN)

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