Al-Qaida erwog offenbar Anschläge auf Züge

Die Terrororganisation soll schon vor einem Jahr ein Attentat auf das Zugsystem der USA diskutiert haben. Zudem beabsichtigte sie Anschläge auf Washington, New York, Los Angeles und Chicago.

Die al-Qaida plante offenbar ein erneutes Attentat: Zug passiert das Memorial in New York, das an die Anschläge am 11. September 2001 erinnert.

Die al-Qaida plante offenbar ein erneutes Attentat: Zug passiert das Memorial in New York, das an die Anschläge am 11. September 2001 erinnert. Bild: Keystone

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Anlässlich des zehnten Jahrestages der Anschläge vom 11. September lotete Al-Qaida-Chef Osama bin Laden noch in seinem pakistanischen Versteck die Möglichkeit von Terrorangriffen auf Züge in den USA aus. Das geht aus ersten Informationen hervor, die den US-Behörden nach der Tötung von bin Laden zugänglich wurden. Konkrete Pläne gab es nach Angaben von Terrorexperten aber wohl nicht.

Bin Laden wurde in der Nacht zum Montag von einer US-Kommandoeinheit in einem Haus in der pakistanischen Stadt Abbottabad getötet. Nach dem Einsatz durchsuchten die Soldaten das Gebäude und nahmen Computer und Dokumente mit, die nun ausgewertet werden.

Zug sollte Brücke hinabstürzen

In der Al-Qaida wurde demnach bis Februar 2010 überlegt, einen Zug in den USA entgleisen zu lassen, der dann in ein Tal oder von einer Brücke stürzen sollte, wie aus einer Warnung des US- Heimatschutzministeriums hervorgeht, die am Donnerstag an Behörden in den USA herausging.

Das Heimatschutzministerium hob aber hervor, dass es sich nur um einen ersten Eindruck nach der Prüfung des Materials handele, der irreführend sein könne. Eine offizielle Terrorwarnung sei deshalb nicht geplant, sagte der Sprecher des Heimatschutzministeriums, Matt Chandler.

In den USA wurde 2009 ein geplanter Anschlag auf das New Yorker U-Bahnnetz vereitelt. Am Montag, nach dem Tod bin Ladens, warnten die Sicherheitsbehörden vor Vergeltungsanschlägen. Der Verkehrsbereich gilt als eines der möglichen Ziele.

Eine Botschaft für die Welt

US-Präsident Barack Obama war gestern nach New York gereist und erinnerte am Ground Zero an die Todesopfer der Anschläge vom 11. September 2001. Obama legte an der Stelle, an der die Zwillingstürme des World Trade Centers einstürzten, einen Kranz nieder. Der tödliche Einsatz gegen bin Laden «hat eine Botschaft um die Welt geschickt, aber auch eine Botschaft hier nach Hause», sagte er zuvor bei einem Treffen mit Feuerwehrleuten.

Derweil berichtet heute ein pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter, dass die Ehefrau des getöteten Al-Qaida-Chefs nach eigenen Angaben sechs Jahre lang in dem Versteck des Terroristen in Abbottabad gelebt habe. Während dieser Zeit habe sie die oberen Stockwerke des Gebäudes nicht verlassen, erklärte der Geheimdienstmitarbeiter. Er sagte nicht, ob die Frau darüber sprach, dass auch bin Laden seit 2006 in dem Haus lebte.

Die im Jemen geborene Frau ist eine von drei Ehefrauen bin Ladens, die derzeit in Pakistan verhört werden. Zudem werden derzeit noch acht bis neun Kinder von den Behörden festgehalten, die während des US-Kommandoeinsatzes in dem Haus vorgefunden wurden. Ihre Berichte sollen einen Einblick geben, was bin Laden in jener Zeit getan hat, und möglicherweise Hinweise auf die inneren Strukturen von Al-Qaida liefern. (pbe/mrs/miw/bru/dapd)

Erstellt: 05.05.2011, 23:49 Uhr

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