Als New Orleans in den Fluten versank

Nicht Isaac wird Mitt Romney und seiner Partei wirklich gefährlich, sondern die Erinnerung an das tragische Versagen der Republikaner nach der Katastrophe durch Hurrican Katrina vor sieben Jahren.

Genau vor sieben Jahren verwüstete Wirbelsturm Katrina die Stadt New Orleans: Ein überflutetes Gebiet, aufgenommen am 13. September 2007, 16 Tage nach dem Hurrikan.

Genau vor sieben Jahren verwüstete Wirbelsturm Katrina die Stadt New Orleans: Ein überflutetes Gebiet, aufgenommen am 13. September 2007, 16 Tage nach dem Hurrikan. Bild: Keystone

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Er wirbelt durch den Golf von Mexiko und stört die Partylaune der Republikaner auf ihrem Präsidentschaftskongress in Tampa. Nicht nur schien es unziemlich, die Kür Mitt Romneys kräftig zu feiern, derweil nur eine Flugstunde entfernt der Sturm Isaac mit Windgeschwindigkeiten von über einhundert Stundenkilometern und Sturmfluten von mehreren Metern die amerikanischen Küsten bedrohte. Der höchst unerbetene Sturm weckte obendrein Erinnerungen an den Wirbelsturm Katrina, der auf den Tag genau vor sieben Jahren New Orleans verwüstete und 2000 Menschenleben forderte.

New Orleans, vernachlässigt und schlecht geschützt vor den Sturmfluten, ging unter, doch mit der Stadt soff auch die Präsidentschaft des Republikaners George W. Bush ab. Die Reaktion der Washingtoner Regierung auf die Katastrophe am Golf von Mexiko fiel in jenem August 2005 so erbärmlich aus, dass Bush wohl kaum wiedergewählt worden wäre, wenn Katrina ein Jahr früher, also im August 2004 und damit nur Monate vor den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im November 2004, New Orleans heimgesucht hätte.

Fragen an die republikanische Ideologie kamen auf

Das Debakel warf potente Fragen in Bezug auf die republikanische Ideologie eines finanziell ausgebluteten Staats auf: Warum waren Deiche und Dämme rund um New Orleans so sträflich vernachlässigt worden? Und warum war Bushs Regierung ausser Stande, ja unfähig, auf das sich anbahnende Desaster am Golf angemessen zu reagieren? Katrina entlarvte die Weltmacht unter Führung ihres republikanischen Präsidenten als eine Bananenrepublik, die es nicht einmal vermochte, ihre bedrohten Bürger aus der Gefahrenzone zu evakuieren. Weil es zumeist arme Afroamerikaner waren, die in den Fluten des Hurrikanes ertranken, wurden zudem Rassismus-Vorwürfe laut.

Am Pranger standen der bürokratische Apparat und seine politische Führung in Washington: Der völlig überforderte Chef des Katastrophenschutzes, Michael Brown, ein dank politischer Beziehungen zum republikanischen Parteiapparat aufgestiegener Dilettant, wurde just dann von seinem Boss im Weissen Haus gepriesen («Toller Job, Brownie!»), als die Golfküste versank und verzweifelte Menschen auf den Dächern ihrer Häuser eine letzte Zuflucht suchten.

Die Erinnerungen sind überall noch sichtbar

Dass ausgerechnet jetzt durch Isaac Erinnerungen an die Ereignisse vor sieben Jahren wach werden, kann den Republikanern in Tampa nicht recht sein. Immerhin führte Katrina einen Staat vor, der völlig hilflos und unvorbereitet agierte. Deiche, Dämme und Pumpen in und um New Orleans sind seitdem für Milliarden Dollar erneuert und ausgebaut worden, und die Stadt erholt sich langsam, aber stetig. Die Erinnerung an Katrina aber wird niemals verblassen: Hausruinen und überwucherte Grundstücke im «Lower Ninth», jenem Stadtbezirk, der am schlimmsten betroffen war, bezeugen die Katastrophe. Und noch immer liegt die Einwohnerzahl der Stadt unter der im August 2005, dem Sommer der Katastrophe. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 28.08.2012, 18:10 Uhr

US-Präsident Barack Obama hat die Bürger in den vom Wirbelsturm Isaac bedrohten Bundesstaaten aufgefordert, eventuellen Evakuierungsaufforderungen nachzukommen. (Video: Reuters )

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