Hintergrund

Amerika dankt seinen Senatorinnen

Hinter dem Deal in Washington steht eine Gruppe von 14 Mitgliedern des Senats, die einen Kompromiss ausarbeiteten. Eine besondere Rolle spielte ein nächtliches Treffen der Frauen.

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Nichts hatte darauf hingewiesen, dass an diesem Dienstag, dem 8. Oktober 2013, der Grundstein für den historischen Kompromiss zwischen Republikanern und Demokraten gelegt würde. Der Shutdown hatte bereits die erste Woche hinter sich, die Finanzmärkte trudelten lustlos vor sich hin, und im Senat schoben sich Demokraten und Republikaner in einer nicht enden wollenden Debatte die Verantwortung für die Eskalation im Budgetstreit zu.

Da trat Susan Collins, Republikanerin aus Maine, ans Mikrofon. «Ich fordere meine demokratischen und republikanischen Kollegen auf, sich zusammenzusetzen», sagte sie. «Wir können es schaffen. Wir können auf verantwortungsvolle Weise und in gutem Glauben Gesetze erlassen.» Die Demokratin Barbara Mikulski ergänzte: «Lasst uns den Job erledigen. Ich bin bereit zu verhandeln und bereit für einen Kompromiss.» Als Dritte sprach die Republikanerin Lisa Murkowski: «Ich denke, dieses Vorhaben ist sinnvoll.»

Konspiratives Treffen bei Pizza und Wein

Wie das Magazin «Time» schreibt, hatten sich bereits in der Nacht zuvor die Dinge in Bewegung gesetzt – bei Pizza, Salat und Wein: In den Büroräumen von Senatorin Jeanne Shaheen aus New Hampshire hatten sich die 20 Frauen des Senats zu einem seit einigen Jahren institutionalisierten parteiübergreifenden Essen getroffen. Das Thema, das den Abend beherrscht habe, sei der Plan von Susan Collins gewesen, eine Einigung durch verschiedene strategische Kompromisspunkte zu erzielen. Es wurde diskutiert, Vorschläge wurden gemacht, in den folgenden Stunden gesellten sich auch Senatoren dazu.

Zu der 14-köpfigen Gruppe, die schliesslich hinter dem Kompromissvorschlag stand, der den Parteiführern Harry Reid und Mitch McConnell übergeben wurde, gehörte auch John McCain. «Die Führung wurde voll und ganz von den Frauen des Senats übernommen», sagt er gegenüber «USA Today».

Mehrheitsführer Harry Reid hatte den Vorschlag zunächst zwar abgelehnt, doch im Kompromiss, den er schlussendlich mit McConnell ausarbeitete, sind wesentliche Punkte des Papiers vorhanden: die Öffnung der Verwaltung, die Verschiebung der Frist, Massnahmen, um bei Obamacare Missbrauch zu verhindern, und eine gemeinsame Budgetkonferenz zwischen den Handelskammern. Wie CNN berichtet, habe der Plan aber vor allem die Hoffnung zurückgebracht, dass eine Einigung doch noch möglich ist.

Das «Old Boys Network» der Frauen

Nun werden Susan Collins und ihre Mitstreiter von den Amerikanern gefeiert, und die Zeitungen fragen sich, welche Rolle es gespielt habe, dass es die im Senat immer noch untervertretenen Frauen gewesen seien, die eine Einigung erzielt hätten. «Hätte es den Shutdown verhindert, wenn mehr Frauen im Kongress sitzen würden?», fragt sich die «Washington Post». «Die Männer haben uns den Shutdown gebracht, die Frauen haben uns wieder rausgeboxt», schreibt die «Huffington Post».

Über Frauen in Führungspositionen werde manchmal gewitzelt, sagt Senator Mark Pryor der Zeitung: «Doch die Wahrheit ist, Frauen im Senat sind eine gute Sache. Wir sind froh, dass sie uns gezeigt haben, wie es geht.» «Der einzige Ort, wo zuletzt das berühmte ‹Old Boys Network› des Senats zu funktionieren schien», schreibt die «Time», «ist bei den Frauen des Senats.»

Erstellt: 17.10.2013, 13:58 Uhr

Parteiübergreifende Gruppe

Diese Senatoren gehören zu dem Komitee, das dem Deal den Weg geebnet hat:
Susan Collins (R)
Kelly Ayotte (R)
Lisa Murkowski (R)
Joe Manchin (D)
Mark Pryor (D)
Amy Klobuchar (D)
Joe Donelly (D)
Heidi Heitkamp (D)
Jeanne Shaheen (D)
Angus King (unabhängig)
John McCain (R)
Mike Johanns (R)
Mark Kirk (R)
Jeff Flake (R)

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