Auf Frieden mit Farc folgen «Vertreibungen, Entführungen, Morde»

Gemäss Amnesty International hat die Gewalt in Kolumbien ein Jahr nach dem Frieden mit Farc wieder zugenommen. Andere Guerilla-Gruppen haben die Gebiete übernommen.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ein Jahr nach der Unterzeichnung des Friedensabkommens zwischen der kolumbianischen Regierung und der FARC-Guerilla nimmt die Gewalt in einigen Gebieten des Landes wieder zu. Zu diesem Schluss kommt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International.

In den von den FARC verlassenen Gebieten kämpften nun andere Guerilla-Gruppen und Paramilitärs um die Vorherrschaft, heisst es in einem am Mittwoch in Bogotá vorgestellten Amnesty-Bericht. Die eskalierende Gewalt richte sich insbesondere gegen indigene und afrokolumbianische Gemeinden sowie gegen Menschenrechtsverteidiger. «Der Staat hat die Menschen in den Gebieten, aus denen sich die FARC im Rahmen des Friedensprozesses zurückgezogen haben, schutzlos paramilitärischen Gruppierungen und anderen bewaffneten Gruppen überlassen», kritisierte der Generalsekretär von Amnesty in Deutschland, Markus N. Beeko, in Bogotá. Diese drangsalierten die Bevölkerung «mit Vertreibungen, Entführungen und Morden».

Der Bericht beleuchtet die Lage in Kolumbien nach dem Friedensschluss mit der FARC am Beispiel der Region Chocó im Westen des Landes. Dort und in anderen Regionen des südamerikanischen Landes seien «Behörden und staatliche Sicherheitskräfte praktisch nicht präsent», kritisierte Beeko. Wer Verstösse anzeige oder Rechte geltend mache, werde bedroht und getötet.

92 Menschenrechtler getötet Nach UNO-Angaben seien seit Jahresbeginn 92 Menschenrechtsverteidiger ermordet worden, kritisierte Amnesty. Kinder und Jugendliche würden weiter von bewaffneten Gruppen rekrutiert und auch sexualisierte Gewalt sei «nach wie vor weit verbreitet». Die Regierung von Kolumbiens Staatschef Juan Manuel Santos sei «gefordert, die im Friedensabkommen zugesagten Landrückgaben, Entschädigungen und insbesondere den Schutz der Betroffenen umzusetzen», erklärte Beeko. Der Staat müsse «Präsenz zeigen und konsequente Massnahmen einleiten».

Die Guerrillagruppe Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens (FARC) hatte ein halbes Jahrhundert lang gegen die Regierung in Bogotá gekämpft. Mehr als 260'000 Menschen wurden in dem Konflikt getötet. Im November 2016 schlossen beide Seiten ein Friedensabkommen. Die FARC gab darauf ihre Waffen ab und tritt nun als politische Partei auf. Santos wurde für die Beilegung des Konflikts mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. (foa/sda)

Erstellt: 23.11.2017, 05:16 Uhr

Artikel zum Thema

Farc-Guerilla bietet Hilfe beim Wiederaufbau an

Die Schlammlawine in der kolumbianischen Stadt Mocoa forderte über 250 Tote. Die Angst vor Seuchen ist gross. Der Präsident verspricht den Wiederaufbau. Mehr...

Kolumbien schliesst Frieden mit der Farc

Der kolumbianische Kongress hat das neue Friedensabkommen zwischen der Regierung und der Farc-Guerilla gebilligt. Mehr...

«Ich würde nie für einen Mann waschen»

Interview #12 Daisy Joanna war bis vor kurzem Guerillera der Farc. Jetzt spricht sie über ihr Leben als Kriegerin im kolumbianischen Dschungel. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Es gibt Besseres als Escorts

Echte Erotik und richtigen Sex, bei dem beide Lust aufeinander haben, findet man nicht bei Escorts. Aber dafür beim Casual-Dating im Internet.

Kommentare

Blogs

History Reloaded Die willkommene Einmischung der USA

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Nacktbaden: TeilnehmerInnen des Dark Mofo Sommersonnenwenden Nackschwimmens stürzen sich in den Fluss Derwent im australischen Hobart. (22.Juni 2018)
(Bild: Rob Blakers/EPA) Mehr...