Bisschen Obama, bisschen Kennedy

Der Premierminister Kanadas, Justin Trudeau, gilt als Hoffnungsträger der Generation Smartphone. Jetzt war er auf Staatsbesuch in Washington.

Sein erster offizieller Besuch im Weissen Haus: Justin Trudeau tritt mit Barack Obama im Rosengarten vor die Presse. Foto: Jim Lo Scalzo (Keystone)

Sein erster offizieller Besuch im Weissen Haus: Justin Trudeau tritt mit Barack Obama im Rosengarten vor die Presse. Foto: Jim Lo Scalzo (Keystone)

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Die erste Auslandsreise des damals frisch gekürten Präsidenten führte Barack Obama im Februar 2009 nach Kanada, wo er sich mit dem konservativen Premierminister Stephen Harper traf. Sie sprachen über den Klimawandel und das Freihandelsabkommen zwischen den beiden Ländern mit der weltweit längsten Grenze. Obama galt als der junge Hoffnungsträger, der mit einem Wahlversprechen, für Wandel zu sorgen, nicht nur in Nordamerika, sondern auf der ganzen Welt Begeisterung auslöste.

Sieben Jahre später haben sich die Vorzeichen geändert. Jetzt ist es der jugendliche Justin Trudeau, seit November vergangenen Jahres Premierminister von Kanada, dem die Sympathien zufliegen, noch bevor er in seinem neuen Amt überhaupt etwas bewirken konnte. Trudeau war mit Frau und Kindern diese Woche auf Staatsbesuch in Washington.

«Ich wünsche ihm, dass seine Haare nicht ganz so schnell ergrauen wie meine.»Obama über Trudeau

Während der Kanadier seine Amtszeit noch vor sich hat, steht Obama bald am Ende seiner acht Jahre und ringt um sein politisches Erbe. Dabei versprüht er nicht mehr ganz so viel Hoffnung wie noch 2009. Die erbitterten Machtkämpfe mit dem republikanisch dominierten Kongress haben beim amerikanischen Präsidenten deutliche Spuren hinterlassen. Er wirkte zuletzt etwas resigniert, anlässlich der gemeinsamen Pressekonferenz mit Trudeau wiederholte er, was er schon in seiner State-of-the-Union-Rede im Januar ansprach: «Ich habe es nicht geschafft, Brücken über die beiden Lager zu schlagen.» Er frage sich immer wieder, so Obama, was er hätte besser machen sollen, um das Land zu vereinen. Über Trudeau meinte er: «Sein Optimismus und seine Visionen inspirieren die jungen Generationen Kanadas», und fügte an: «Ich wünsche ihm, dass seine Haare nicht ganz so schnell ergrauen wie meine.»

Seit Beginn seines Wahlkampfs in Kanada wird Justin Trudeau von den Medien wahlweise mit Obama verglichen, weil auch er viel von Wandel sprach und eine offene, liberale Politik vertritt; oft aber auch mit John F. Kennedy, weil er aus einer Politdynastie stammt: Trudeaus Vater war schon Premierminister, seine Mutter galt damals als ähnlich glamourös wie Jackie Kennedy.

Kabinett mit 15 Frauen und 15 Männern

Wo immer der 43-Jährige Premierminister auftritt, wird viel über seine Frisur, die Kleider seiner Frau und seine Tätowierung am linken Arm geschrieben. In Kanada gilt er als Popfigur, jede Regung wird auf Social Media abgefeiert. International bekannt wurde Trudeau mit einem einzigen Satz. Auf die Frage einer Journalistin, warum er sein Kabinett aus 15 Frauen und 15 Männern gebildet habe, antwortete er: «Weil wir im Jahr 2015 leben.»

Inhaltlich sprachen die beiden Staatsoberhäupter — ähnlich wie 2009, bei Obamas Besuch in Kanada — über gemeinsame Klimaziele und den Abbau von Handelsschranken. Doch im Unterschied zu seinem Vorgänger Stephen Harper, der sich für Kanadas Ölindustrie starkmachte, hat sich Trudeau von Beginn weg für eine umweltfreundlichere Energiepolitik ausgesprochen. Er begrüsse den Führungsanspruch Obamas in der Bekämpfung der Klimaerwärmung, «wir stehen mit den USA in dieser Sache Seite an Seite», sagte Trudeau.

Dankbar für «ambitionierte Klimaziele»

Der Entscheid Präsident Obamas, den Bau der Keystone-Pipeline, die Rohöl aus den Erdölfeldern der westkanadischen Provinz Alberta zu den US-Raffinerien in Oklahoma und Texas hätte führen sollen, erst zu stoppen und dann ganz abzulehnen, hatte noch zu Spannungen mit Trudeaus Vorgänger Harper geführt. Trudeau hingegen bedankte sich bei Obama für dessen «ambitionierte Klimaziele». Sie verkündeten während ihres Treffens in Washington diese Woche, die Emissionen von Methangas in rund zehn Jahren um bis zu 45 Prozent senken zu wollen.

Zur Sprache kam auch Obamas Vorgehen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat, das die meisten Republikaner als viel zu zögerlich bezeichnen. Trudeau hatte in Absprache mit Obama schon im vergangenen November verkündet, sechs kanadische Kampfflugzeuge aus Syrien und dem Irak abzuziehen und Luftangriffe einzustellen. Zur Stabilisierung der Region, so Trudeau, soll über die kommenden Jahre umgerechnet eine Milliarde Euro in humanitäre Projekte fliessen. «Die Menschen, die täglich vom IS terrorisiert werden, brauchen nicht unsere Rache. Sie brauchen unsere Hilfe», wiederholte Trudeau einen Satz, den er schon bei seinem Amtsantritt verkündete.

Offen für Trump-Flüchtlinge

Sowohl Obama als auch Trudeau erwähnten in ihren Reden den amerikanischen Wahlkampf, der in diesen Tagen sämtliche Gespräche in Washington dominiert. Obama meinte etwas scherzhaft, dass er für sehr viele Dinge, die in diesem Land schief laufen, verantwortlich gemacht würde. Neulich aber habe er gehört, dass ihm nun auch noch der Höhenflug Donald Trumps angelastet werde, «was ich entschieden zurückweise».

Trudeau sagte daraufhin, sein Land sei offen für jeden, der aus Angst vor einer Präsidentschaft Trumps ausreisen wolle. «Wer auch immer Ende des Jahres im Weissen Haus sitzen wird», sagte er ganz diplomatisch: «Ich freue mich auf die Zusammenarbeit.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.03.2016, 16:54 Uhr

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