Bohrmaschine an der Schläfe, Pistole an der Brust

Bis zu 180 Stunden Schlafentzug, Erniedrigung, simuliertes Ertrinken: Der CIA-Folterbericht liefert Details über die Qualen von Terrorverdächtigen.

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Mindestens 119 Terrorverdächtige soll die CIA in ihren Geheimgefängnissen misshandelt haben – das prangert der fast 7000 Seiten lange Folterbericht des US-Senats an. Er beschreibt in allen Einzelheiten die grausamen Foltermethoden der Geheimdienstler, zeichnet aber auch mehrere Schicksale Inhaftierter nach – mit teils bisher unbekannten Einsichten.

Einer dieser Häftlinge ist Khalid Sheikh Mohammed, er ist auch der Bekannteste unter ihnen. Mohammed gilt als Chefplaner von 9/11. Seine Beteiligung an den Anschlägen gesteht er zwar. Doch erst 2006 – mehr als drei Jahre nach Waterboarding und Schlafentzug. Dieses Detail steht im Einklang mit den Ergebnissen des CIA-Reports: In vielen Fällen führte die Folter nicht zum Geständnis, auch Osama Bin Ladens Aufenthaltsort soll nicht durch Folter gefunden worden sein.

2003 wird Mohammed in Pakistan gefasst, landet in einem US-Gefängnis in Afghanistan. Dokumentiert ist auch, wie der Häftling in ein polnisches Geheimgefängnis überstellt wird, von dem die Welt erst Jahre später erfahren soll. Insgesamt 183-mal wird der Pakistani dem Waterboarding unterzogen, im Schnitt acht Mal pro Tag. Der Senatsbericht dokumentiert die Prozedur in allen Einzelheiten. Mohammed soll so viel Wasser geschluckt haben, dass er «fast ertrunken» sei, schreiben die Ärzte. Um Informationen zu bekommen, wird der Häftling auch geschlagen und um den Schlaf gebracht. 2006 wird Mohammed nach Guantánamo überstellt, wo er bis heute einsitzt.

Waterboarding und Schlafentzug

Der erste Häftling, der nachweislich von der CIA gefoltert wird, ist Abu Subaida. 2002 wird Subaida in Pakistan festgenommen, später hält man ihn in mehreren Geheimgefängnissen fest. Zu diesem Zeitpunkt glaubt der Geheimdienst noch, Subaida sei im Besitz von Informationen zu Anschlagsplänen und Hintermännern. Der Senatsbericht kommt jedoch zu dem Schluss, die Rolle des damals 31-Jährigen sei «erheblich überbewertet» worden.

Auch soll sich Subaida während seiner Inhaftierung überaus kooperativ verhalten, die Agenten sogar auf Khalid Scheikh Mohammed und seine Rolle bei 9/11 hingewiesen haben. Die CIA foltert ihn trotzdem – «fast rund um die Uhr». Waterboarding, Schlafentzug, der Einsatz von Insekten sind dabei nur einige der angewandten Methoden. Einmal habe man sein Ertrinken so lange simuliert, bis Subaida Schaumblasen vor dem Mund hatte.

2006 kommt auch er nach Guantánamo, wo er nach wie vor festgehalten wird. Aktuelle Fotos zeigen den Mann mit einer Augenklappe über dem linken Auge, die er bei seiner Festnahme noch nicht hatte. Die ihm vorgeworfene Mitgliedschaft bei al-Qaida lässt sich unterdessen nach wie vor nicht bestätigen.

Angstzustände und Depressionen

Auch das Schicksal von Abd al-Rahim al-Nashiri ist im Senatsbericht dokumentiert. Der Saudi soll unter anderem Anschläge auf mehrere US-Botschaften geplant haben. 2002 in Dubai festgenommen, foltern CIA-Beamte den Mann jahrelang – insgesamt sitzt er in fünf Geheimgefängnissen ein. So muss al-Nashiri einmal über zwei Tage lang aufrecht stehend verbringen, ein anderes Mal hält man ihm eine Bohrmaschine an die Schläfe und eine Pistole an den Körper. CIA-Beamte äussern auch Drohungen, erklären, al-Nashiris Mutter vor seinen Augen missbrauchen zu wollen.

Schon damals dokumentieren die Agenten körperliche und psychische Auswirkungen auf den Häftling. Man befürchte, dass die Verhörmethoden den Terrorverdächtigen «um den Verstand bringen» – er habe Angstzustände und Depressionen, steht in einem internen Bericht. Die Folter geht trotzdem weiter. 2006 gelangt auch al-Nashiri nach Guantánamo. Während der ganzen Jahre in den CIA-Gefängnissen gibt der Häftling keine Informationen über allfällige Anschlagspläne preis.

Erstellt: 10.12.2014, 11:10 Uhr

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