Brände im Amazonasgebiet: Bolsonaro schickt 44'000 Soldaten

Unter internationalem Druck hat der brasilianische Präsident den Einsatz der Armee gegen die verheerenden Waldbrände angeordnet.

Eine brennende Farm in Mato Grosso. (AFP/Joao Laet)

Eine brennende Farm in Mato Grosso. (AFP/Joao Laet)

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Angesichts der verheerenden Waldbrände im Amazonasgebiet setzt die brasilianische Regierung nun Soldaten bei den Löscharbeiten und der Verfolgung von Brandstiftern ein. Der Militäreinsatz begann am Samstag im Bundesstaat Rondônia, wie Verteidigungsminister Fernando Azevedo e Silva mitteilte.

Insgesamt stünden in der Region 44'000 Soldaten zur Verfügung. Bislang haben vier Bundesstaaten die Unterstützung der Streitkräfte angefordert.

Präsident Jair Bolsonaro erliess am Freitag (Ortszeit) ein Dekret, das für vier Wochen den Einsatz von Truppen zur Verhinderung und Bestrafung von «Umweltdelikten» und zum Kampf gegen die Flammen regelt.

EU-Ratspräsident Donald Tusk machte am Samstag den Fortgang der Ratifizierung des Handelsabkommens mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten von einem glaubwürdigen Einsatz Brasiliens gegen die Waldbrände abhängig.

Umweltschützer werfen Bolsonaro vor, ein politisches Klima geschaffen zu haben, in dem sich Bauern zu immer mehr Abholzung und Brandrodung ermutigt sehen. Der Staatschef hat immer wieder klar gemacht, dass er die Amazonasregion vor allem mit ungenutztem wirtschaftlichen Potenzial verbindet.

Im Verlauf der vergangenen Woche hatte Bolsonaro die Bedeutung der Waldbrände heruntergespielt und eine Einmischung aus dem Ausland abgelehnt. «Es gibt überall auf der Welt Waldbrände - und das kann nicht als Vorwand für mögliche internationale Sanktionen dienen», sagte er am Freitag noch einmal im brasilianischen Fernsehen. Als der französische Präsident Emmanuel Macron als Ausrichter des G7-Gipfels in Biarritz ankündigte, die Waldbrände bei dem Gipfel zum Thema zu machen, warf Bolsonaro ihm eine «kolonialistische Mentalität» vor.

«Unser Haus brennt»

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel äusserte vor dem Treffen in Biarritz die Hoffnung auf ein klares Signal zur Bekämpfung der Waldbrände. Es werde beim G7-Gipfel auch darum gehen zu klären, wie «wir da unterstützen und helfen können», sagte Merkel in einem am Samstag veröffentlichten Video-Podcast. Ziel sei, «einen klaren Aufruf zu senden, dass alles getan werden muss, damit der Regenwald aufhört zu brennen».

Die Kanzlerin unterstützte ausdrücklich Macrons Entscheidung, die Brände auf die Tagesordnung des Gipfels zu setzen: «Unser Haus brennt - und da können wir nicht schweigen.» Durch die «schrecklichen Brände» am Amazonas sei die Welt «in ganz besonderer Weise aufgerüttelt».

Der deutsche Aussenminister Heiko Maas warnte Bolsonaro vor wirtschaftlichen Konsequenzen. Die Umwelt- und Klimapolitik sei «von zentraler Bedeutung bei der Bewertung des EU-Mercosur-Abkommens», sagte Maas der Zeitung «Bild am Sonntag». Zugleich erklärte Maas ebenso wie Innenminister Horst Seehofer (CSU) die Bereitschaft Deutschlands, bei der Brandbekämpfung zu helfen.

Alarmierende Satellitenbilder

Das brasilianische Weltraumforschungsinstitut INPE hatte Anfang der Woche alarmierende Zahlen und Satellitenbilder von Waldbränden am Amazonas veröffentlicht. Demnach gab es in Brasilien seit Anfang Jahr bereits mehr als 76'000 Waldbrände - ein Zuwachs von 84 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hauptgrund ist die Waldrodung. Bolsonaro machte hingegen wiederholt Umweltschutzgruppen für die Waldbrände verantwortlich.

EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte in Biarritz, zwar stehe die EU weiter zu dem Handelsabkommen mit den Mercosur-Staaten, «doch ist es schwierig, sich einen harmonischen Ratifizierungsprozess vorzustellen, solange die brasilianische Regierung die Zerstörung der grünen Lunge des Planeten Erde zulässt». Zuvor hatten bereits Frankreich und Irland mit einer Blockade des Freihandelsabkommens gedroht. Die Bundesregierung lehnte einen Einsatz des Abkommens als Druckmittel gegen Brasilien hingegen ab.

Appell von Indigenen

Der Häuptling des brasilianischen Kayapó-Volkes, Raoni Metuktire, rief die internationale Gemeinschaft zum Einschreiten gegen Bolsonaro auf. Macron und weitere internationale Akteure könnten «Druck machen», damit das brasilianische Volk Bolsonaro «los wird» und das Parlament des südamerikanischen Staates die Absetzung des Präsidenten beschliesse, sagte Raoni der Nachrichtenagentur AFP. Das Oberhaupt des Volks der Kayapó machte Bolsonaro für die Feuer im Amazonasgebiet verantwortlich.

«Er will mit dem Wald Schluss machen, mit uns», sagte Raoni. «Es ist wirklich schrecklich, was er macht.» Der brasilianische Präsident stachle die Bauern dazu an, den Regenwald in Flammen zu setzen, um zusätzliches Ackerland zu gewinnen. US-Präsident Donald Trump bot Brasilien Unterstützung im Kampf gegen die Waldbrände an. In einem Telefonat habe er Bolsonaro gesagt, dass die USA bereit stünden, wenn ihre Hilfe benötigt werde, sagte Trump.

In Brasilien wüten derzeit die schwersten Waldbrände seit Jahren. Seit Januar nahmen die Feuer und Brandrodungen im grössten Land Südamerikas im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 83 Prozent zu. Insgesamt wurden über 72'000 Brände registriert. In den meisten Fällen waren Flächen in Privatbesitz betroffen, aber auch in Naturschutzgebieten und Ländereien der indigenen Bevölkerung brechen immer wieder Feuer aus. (sep/sda)

Erstellt: 24.08.2019, 21:17 Uhr

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