Alarmstufe «äusserst hoch» – Kommt jetzt das Zika-Virus?

«Wir müssen Zika den Krieg erklären», tönt es aus Brasilien. Andere Staaten treten in die Allianz ein – und die WHO schlägt Alarm, das Virus verbreite sich «explosionsartig».

Das Zika-Virus: Was man bisher weiss. (Video: Lea Koch)

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Wie gefährlich ist das sich ausbreitende Zika-Virus? Neben der Weltgesundheitsorganisation zeigen sich auch betroffene Länder besorgt. Brasiliens Staatschefin spricht sogar von Krieg.

Brasilien will vehement gegen die besorgniserregende Verbreitung des Zika-Virus vorgehen. «Wir müssen der Aedes-aegypti-Mücke den Krieg erklären», schrieb Staatschefin Dilma Rousseff am Donnerstag auf Twitter, während sie an einem Treffen der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten im ecuadorianischen Quito teilnahm.

Diese Mücke überträgt neben Dengue- und Gelbfieber auch Zika. Das Virus wird mit einer seltenen Schädelfehlbildung von Neugeborenen in Verbindung gebracht.

Präsident von Kolumbien trägt nur noch langärmelig

Der Mücke müsse der Nährboden entzogen werden, bis ein Impfstoff entwickelt worden sei, so Rousseff. Sie solle in allen stehenden Gewässern eliminiert und von der Fortpflanzung abgehalten werden. Zurück in ihrem Heimatland sagte Rousseff später bei einem Treffen mit hochrangigen Wirtschaftsvertretern in der Hauptstadt Brasília, alle Teile der brasilianischen Gemeinschaft sollten die Mücke bekämpfen. «Eine Mücke kann und wird nicht stärker sein als ein ganzes Land, das sich der Bedrohung bewusst ist, die sie darstellt.»

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Rousseff blieb am Donnerstag nicht die einzige, die auf den Erreger hinwies. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos sagte, er selbst habe den Gebrauch von Schutzspray verdoppelt und trage langärmelige Sport-Shirts, wenn er am Wochenende Rad fahre. In einem Interview der Nachrichtenagentur AP sagte er, Zika sei auf kurze Sicht eine grosse Bedrohung. «Die Leute haben Angst.» Das Virus könne in der kolumbianischen Tourismusbranche grossen Schaden anrichten. Sein Land ist mit mehr als 16000 bestätigten und vermuteten Fällen nach Brasilien am stärksten von dem Virus betroffen. In Spitzenzeiten könnten bis zu 600000 Menschen infiziert sein, schätzte Santos.

Auch die Behörden in Venezuela brachen ihr langes Schweigen zu dem Zika-Ausbruch. Gleichzeitig gelobten sie, gegen die Ausbreitung vorzugehen. Bislang gebe es 4700 vermutete Fälle, sagte Gesundheitsministerin Luisana Melo am Donnerstag im Staatsfernsehen.

WHO zeigt sich besorgt

Die Chefin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Margaret Chan, kündigte wegen des Zika-Virus für Montag ein Krisentreffen internationaler Experten an. Dabei soll entschieden werden, ob der Ausbruch zu einem internationalen Gesundheitsnotstand erklärt werden sollte. Chan sagte bei einem Sondertreffen in Genf, das Virus werde zunehmend zur Bedrohung und verbreite sich «explosionsartig».

Es gebe zwar keine eindeutige Beweise, dass das Virus für einen Anstieg der Zahl von Babys verantwortlich sei, die in Brasilien mit ungewöhnlich kleinen Köpfen zur Welt kämen. Doch sei die Alarmstufe «äusserst hoch», so Chan.

Drastische Zunahme von Zika-Fällen erwartet

Das Zika-Virus wurde 1947 erstmals entdeckt. Über Jahrzehnte löste es nur schwache Erkrankungen aus. Doch «die heutige Situation ist auf dramatische Art und Weise anders», sagte die WHO-Generalsekretärin. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC gibt es das Virus inzwischen in mehr als 20 Ländern, vor allem in Zentral- und Südamerika.

Die WHO schätzt, dass es in Nord- und Südamerika im Laufe des nächsten Jahres drei bis vier Millionen Zika-Fälle geben könnte. In Brasilien hat sich der Ausbruch bislang auf den armen Nordosten des südamerikanischen Landes konzentriert. Am zweitstärksten betroffen ist aber der wohlhabende Südosten mit São Paulo und Rio de Janeiro. In Rio sollen im August die Olympischen Sommerspiele stattfinden.

Die WHO hatte zuletzt wegen des verheerenden Ebola-Ausbruchs in Westafrika 2014 einen internationalenNotstand ausgerufen. Sie war für ihre langsame Reaktion auf Ebola kritisiert worden. (chi/sda)

Erstellt: 29.01.2016, 03:18 Uhr

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