Das Ende der Cheeseburger-Diplomatie?

Noch vor einer Woche unterhielten sich Obama und Medwedew in lockerer Atmosphäre beim Hamburger essen. Mit der Spionage-Affäre droht erneut eine Abkühlung der Beziehungen.

Wechselhafte Beziehungen: US-Präsident Barack Obama und sein russischer Amtskollege Dmitri Medwedew im Hamburgerlokal «Ray's Hell Burger».

Wechselhafte Beziehungen: US-Präsident Barack Obama und sein russischer Amtskollege Dmitri Medwedew im Hamburgerlokal «Ray's Hell Burger».

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Nach der Zerschlagung eines mutmasslichen russischen Spionage-Rings in den USA drohen erneut Spannungen zwischen Washington und Moskau aufzukommen. Das russische Aussenministerium nannte die Festnahmen am Dienstag «unbegründet» und «zutiefst bedauerlich». Nach Angaben des US-Justizministeriums wurden zehn Verdächtige festgenommen, die für den russischen Geheimdienst gearbeitet haben sollen.

Das Moskauer Aussenministerium kritisierte die Vorwürfe als «Spionagegeschichten im Geiste des Kalten Krieges». Die Beschuldigten seien unbescholtene russische Bürger, die zu verschiedenen Zeitpunkten in die USA eingereist seien. Der russische Regierungschef Wladimir Putin sagte der Nachrichtenagentur Interfax zufolge, er hoffe, dass das Verhältnis zwischen beiden Ländern durch die Affäre nicht beschädigt werde.

«Gewisse Finesse»

Zuvor hatte bereits der russische Aussenminister Sergej Lawrow bei einem Besuch in Jerusalem eine Erklärung von der US-Regierung verlangt. Angesichts des erst wenige Tage zurückliegenden Besuchs von Präsident Dmitri Medwedew in Washington zeuge der Zeitpunkt der Festnahme von einer «gewissen Finesse». Medwedew und US-Präsident Barack Obama hatten bei ihrem Treffen die in jüngster Zeit deutlich verbesserten bilateralen Beziehungen hervorgehoben.

Die vom Justizministerium veröffentlichte Anklageschrift liest sich wie die Zusammenfassung eines Spionageromans mit verschlüsselten Botschaften, falschen Identitäten, Geschichten über vergrabenes Geld und versteckten Videokameras in Hotelzimmern. Laut FBI waren die Verdächtigen auf einer langfristigen Mission in den USA. Sie sollten demnach dem Hauptquartier des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR - einem der Nachfolger des berüchtigten sowjetischen Geheimdienstes KGB - Bericht erstatten.

Mehr als zehn Jahre überwacht

Zehn mutmassliche Spione wurden nach US-Angaben am Sonntag in den vier nordöstlichen Bundesstaaten New York, New Jersey, Massachusetts und Virginia festgenommen. Neun von ihnen wird demnach auch Geldwäsche zur Last gelegt. Ihnen drohen bis zu 25 Jahre Haft. Die Bundespolizei FBI hatte die Verdächtigen mehr als zehn Jahre lang überwacht, sie in ihren Wohnungen und in Hotelzimmern abgehört, ihre Anrufe mitgeschnitten und ihre E-Mails gelesen.

Fünf der Verdächtigen wurden am Montag einem Bundesgericht in New York vorgeführt, wegen Fluchtgefahr sollen sie vorerst in Haft bleiben. Die anderen fünf Festgenommenen sollten Gerichten in Virginia und Boston im Bundesstaat Massachusetts vorgeführt werden. Am Dienstag wurde zudem in Zypern nach Angaben örtlicher Behörden ein elfter Spionageverdächtiger verhaftet. Der 54-jährige kanadische Staatsbürger sei nach Hinterlegung einer Kaution auf freien Fuss gekommen. Er musste aber seinen Pass abgeben.

(jak/afp)

Erstellt: 29.06.2010, 18:42 Uhr

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