Das Ende des «Muschi-Grapschers»?

Donald Trumps Vulgärvideo beweist, dass er sexuelle Belästigung von Frauen zumindest billigt. Das könnte das Ende seiner Kandidatur bedeuten.

Wenn sie wüsste, wie die beiden sich eben über Frauen geäussert haben: Trump und sein Gesprächspartner steigen nach ihrer verfänglichen Unterhaltung aus dem Bus. (Bild: Screenshot Youtube)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Politisch Totgesagte leben länger: Donald Trump hat wiederholt gezeigt, dass er Skandale überleben kann, die viele andere Politiker erledigt hätten. Was die «Washington Post» jedoch am Freitag aufdeckte, könnte die Wahlchancen Trumps erheblich mindern und der Republikanischen Partei insgesamt politische Probleme bereiten. Trumps Bemerkungen aus dem Jahr 2005, sein Sexismus, seine unverhohlene Beschreibung sexueller Übergriffe und seine Entwürdigung von Frauen als Sexualobjekte eines seiner Macht bewussten Machos lassen einen Wahlsieg des bereits angeschlagenen republikanischen Kandidaten nahezu unmöglich erscheinen.

Indem er einen Skandal der Extraklasse auslöste, hat Trump nur vier Wochen vor dem amerikanischen Wahltag auch seine Partei in Mitleidenschaft gezogen. Eine Partei übrigens, die sich schämen sollte, Trumps unverzeihliches Benehmen gegenüber Frauen, Immigranten oder Körperbehinderten immer wieder als Kavaliersdelikte entschuldigt zu haben. Es sprach Bände, als Trumps Vize Mike Pence am Freitagabend nach dem Bekanntwerden von Trumps vulgärer Eruption den Fragen von Reportern auswich, statt sich wie viele andere Republikaner von Trump zu distanzieren.

«Wenn du ein Star bist, lassen sie es dir durchgehen», ist Trump auf dem Video zu vernehmen. «Durchgehen» lassen Frauen Trump nach seinen Aussagen nicht nur, dass er sie küsst und die Einwilligung dazu voraussetzt. Sie lassen ihm ebenfalls «durchgehen», dass er ihre Muschi begrapscht. Genau das meint Trump, wenn er sagt: «Grab them by the pussy» – und hinzufügt: «Du kannst alles machen». Es braucht nicht viel Vorstellungskraft, um Trump als eine ungeheure Gefahr im Weissen Haus zu begreifen. 2005 war er lediglich ein «Star» und Entertainer, 2017 könnte er Präsident der mächtigsten Nation auf Erden und Herr über deren gewaltige Streitkräfte, Geheimdienste und Polizeikräfte sein.

Vulgär und abwertend: Das Gespräch, das Trump als blosses Umkleidekabine-Geplapper unter Männern abtut. (Video: Tamedia)

Trumps Entschuldigung, am Freitagabend über Facebook verbreitet, ist nicht wirklich eine Entschuldigung. Zwar gesteht er ein, sich damals «falsch» verhalten zu haben, bezeichnet den Skandal jedoch als «Ablenkung» und schiesst sich auf die Clintons ein: Bill Clinton sei beim Umgang mit Frauen noch viel schlimmer gewesen: Zeit also, sich wieder abzuregen.

Genau das aber werden viele Amerikaner, vorneweg Frauen, nicht tun. Trumps Beschreibung seiner sexuellen Übergriffe gegen Frauen hat ein Fass zum Überlaufen gebracht, in dem sich schon zuvor eine Menge Hässliches und Unanständiges angesammelt hatte. Die Defizite des republikanischen Kandidaten bei Frauen dürften noch grösser werden und Trumps Siegeschancen weiter schmälern. Seine Partei steht unterdessen vor einem unlösbaren Problem: Sie wird die Kandidatur des Muschi-Grabschers weiterhin unterstützen und kann nur hoffen, dass sich der Kollateralschaden begrenzen lässt. Als Trump im Sommer gegen einen Bundesrichter wütete, der mexikanischer Abstammung war, warnte Senator Lindsey Graham seine Parteifreunde, dies sei womöglich die «letzte Rampe», um sich von Trumps Kandidatur zu distanzieren. Nun bietet sich führenden Republikanern neuerlich eine «Rampe» - und manche ergriffen die Gelegenheit: Die Senatoren Mark Kirk, Ben Sasse und Mike Lee forderten Trump auf, seine Kandidatur aufzugeben, Dutzende republikanische Amtsträger verurteilten seine entwürdigende Sprache und Gewalt gegen Frauen.

Umfrage

Ist das Trumps Ende?




Nirgendwo schlug Trumps Unanständigkeit härter ein als im verlässlich republikanischen Mormonen-Staat Utah, wo sowohl Gouverneur Gary Herbert als auch Senator Mike Lee und der Kongressabgeordnete Jason Chaffetz ankündigten, Trumps Kandidatur nicht mehr zu unterstützen. Paul Ryan, als Sprecher des Repräsentantenhauses der ranghöchste Republikaner in Washington, distanzierte sich von Trump ebenso wie Mitch McConnell, der Mehrheitsführer im Senat. «Keine Enschuldigung kann Donald Trumps verwerfliche Entwürdigung von Frauen wiedergutmachen», twitterte Jeb Bush. So ist es. Was kann schon von einem gemeingefährlichen Egomanen erwartet werden, der seine Freundin und spätere Frau Marla Maples aufforderte, sie solle nackt für Playboy posieren, und eigenhändig die Gage für den Auftritt aushandelte, obschon Maples sich dagegen sträubte und Trumps Wunsch letztendlich ausschlug?

Mit Trumps Vulgärvideo hat der amerikanische Wahlkampf einen neuen Tiefpunkt erreicht. Am Sonntag, wenn die zweite TV-Debatte zwischen ihm und Hillary Clinton ansteht, könnte es noch schlimmer werden: Trump will offenbar die Ehe der Clintons zum Debattengegenstand machen. Nicht Bill Clinton aber steht zur Wahl. Befragt werden zu seiner Einstellung zu Frauen und sexueller Gewalt sollte Donald Trump, der Muschi-Grapscher.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 08.10.2016, 18:29 Uhr

Artikel zum Thema

Trump prahlte mit sexueller Belästigung

Video «Ich fange einfach an, sie zu küssen...ich warte nicht einmal»: Ein Video stellt Trumps bisherige frauenfeindliche Äusserungen in den Schatten. Es könnte ihn den Wahlsieg kosten. Mehr...

Trump: «Habe törichte Dinge gesagt»

Video Donald Trump versucht seine vulgären Äusserungen über Frauen zu entschuldigen. Das aufgetauchte Video aus dem Jahr 2005 schockiert zwei Tage vor der nächsten TV-Debatte die USA. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Es gibt Besseres als Escorts

Echte Erotik und richtigen Sex, bei dem beide Lust aufeinander haben, findet man nicht bei Escorts. Aber dafür beim Casual-Dating im Internet.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Spiel zwischen Mauern: Palästinensische Buben spielen in einem verlassenen Gebäude in Gaza Stadt. (21.Juni 2018)
(Bild: Mohammed Salem) Mehr...