Das Foto-Dilemma der USA

Von Osama Bin Ladens Leiche existieren drei Fotoserien. Der Chef der CIA rechnet damit, dass bald ein Bild veröffentlicht wird. Doch das Weisse Haus tut sich aus mehreren Gründen schwer mit der Entscheidung.

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Noch sind sie nicht veröffentlicht. Doch die Bilder des toten Osama Bin Laden, welche die Elitesoldaten gemacht haben, sorgen bereits jetzt für heftige Diskussionen in den USA. Laut CIA-Chef Leon Panetta werden sie wohl eines Tages publiziert, möglicherweise sogar bald. Darüber befinde aber letztlich das Weisse Haus. Gemäss eines Vertreters der US-Regierung ist die Entscheidung bis jetzt noch nicht gefallen, berichtet CNN. «Wichtig ist erst einmal, dass das Weisse Haus weiss, dass wir Bilder haben», sagte Panetta gegenüber dem amerikanischen Sender.

Zwei demokratische Senatoren, die sich von CNN nicht namentlich zitieren lassen wollten, vermuten, dass die Veröffentlichung bald erfolge. Offenbar gibt es aber im Weissen Haus unterschiedliche Meinungen darüber, ob es sinnvoll ist, die Bilder zu veröffentlichen. Mehrere ranghohe Mitglieder der Obama-Administration sind gemäss dem Fernsehsender Fox News der Ansicht, man solle dies besser unterlassen. Die Frage ist tatsächlich delikat: Einerseits könnten die Bilder Verschwörungstheorien aus dem Weg räumen, wonach Bin Laden gar nicht getötet worden sei. Gleichzeitig befürchten die USA, die Fotos des toten Terrorfürsten könnten in der arabischen Welt für Unruhen und Massenausschreitungen sorgen. Die US-Regierung sorgt sich vor allem darüber, dass dies dem Anti-Amerikanismus in der Region Auftrieb geben könnte.

Sorge um «Bin Ladens Würde»

Offenbar wird das Weisse Haus aber nicht nur von solchen praktischen Fragen beeinflusst, sondern auch von ethischen Bedenken: «Wir wollen sicherstellen, dass wir Osama Bin Ladens Würde bewahren – wenn es eine gab», sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, Mike Rogers. Von Bedeutung wäre auch, welche Bilder die Regierung veröffentlichen würde. Gemäss dem Sender CNN, der sich auf Regierungsquellen beruft, gibt es drei Sätze von Fotografien. Der erste Satz wurde offenbar in einem Hangar in Afghanistan aufgenommen. Er zeige klar und deutlich Bin Ladens Leiche. Eine Aufnahme, die sein Gesicht mit einer grossen offenen Kopfwunde zeige, sei besonders grauenvoll. Die beiden anderen Fotosätze zeigen den Angriff auf Bin Ladens Unterschlupf und die Seebestattung. Von Letzterer existiert auch ein Video.

Das grauenvollste Bild von Bin Ladens Leiche würde die Zweifel über den Tod des Terroristen am deutlichsten ausräumen. Doch Vertreter der Regierung finden, es eigne sich nicht für die Frontseiten der Zeitungen. Tatsächlich diskutieren die Medien bereits, was sie mit den Bildern tun sollen, wenn sie denn zur Veröffentlichung freigegeben werden. «Es tönt altmodisch, aber wir sind eine Familienzeitung», sagt Liz Spayd, Chefredaktorin der «Washington Post». Andererseits wolle man nicht verschweigen, was auf der Welt geschehe.

US-Medien zeigten Saddams Leiche

ABC News würde wohl ein Foto veröffentlichen, das Bin Laden aus weiter Entfernung zeige, sagt Jeffrey Schneider, Sprecher des Medienunternehmens gegenüber der «Washington Post». In der amerikanischen Medienlandschaft gilt der Kodex, möglichst keine Bilder von Toten zu publizieren, zumindest keine Aufnahmen von Verstümmelten oder Misshandelten. An dieses Gebot halten sich die meisten Zeitungen selbst in der Kriegsberichterstattung oder bei Artikeln über Katastrophen. Allerdings machen die US-Medien immer wieder Ausnahmen: So zeigten sie etwa Saddam Husseins Leiche nach dessen Hinrichtung. Zudem machten erste Bilder zweier pakistanischer Sender, die angeblich Bin Ladens Leiche zeigten und sich später als Fälschungen entpuppten, auch in amerikanischen Medien die Runde. Ob die US-Medien auf die Veröffentlichung der echten Bilder des getöteten Osama Bin Laden verzichten würden, ist deshalb fraglich.

Erstellt: 04.05.2011, 10:11 Uhr

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