Hintergrund

Das Geschäft mit der US-Einreiseerlaubnis

Für visumsfreie Einreisen in die USA braucht es die Genehmigung Esta. Oft landen Reisende bei inoffiziellen Onlineanbietern, die ein Vielfaches der Esta-Gebühr verrechnen. Wie man sich dagegen wappnen kann.

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Er wollte nur schnell eine Einreisegenehmigung vor seinem kurzfristigen Flug nach New York holen – und erlebte eine böse Überraschung. Anstatt der üblichen 14 US-Dollar, die seit dem 8. September 2010 zu entrichten sind, zahlte der Zürcher Christian Lüscher 74 Dollar für die elektronische Einreisegenehmigung (Esta, Electronic System for Travel Authorization), die man mindestens 72 Stunden vor Abflug einholen muss.

Was ist passiert? Als Lüscher die Esta-Website via Google suchte, landete er auf der Website eines unautorisierten Vermittlers. Sie befand sich in den Suchresultaten an erster Stelle. «Die Sache sah seriös aus», so Lüscher. Dort füllte er das elektronische Formular aus und gab seine Kreditkartendaten ein. Er erhielt darauf eine echte Esta-Genehmigung. In seiner Eile bemerkte Lüscher jedoch nicht die Randnotiz, in der die Kosten von 74 Dollar erwähnt werden. Erst nach der Bestätigung sah er, dass er 60 Dollar zu viel bezahlt hatte. «Der Ärger ist gross», so der Zürcher gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

Lüscher ist nicht der Einzige, der für das Ausstellen der Esta nicht auf der offiziellen Website von U.S. Customs and Border Protection (CBP) landet. Leicht geraten die Leute an abzockende Esta-Vermittler, die sich eine Topplatzierung in den Google-Suchresultaten erkauft haben. Gibt man bei Google den Suchbegriff Esta ein, erscheint der Link zur offiziellen Esta-Website insgesamt erst an vierter Stelle – respektive an erster Stelle bei den nicht bezahlten Suchresultaten.

«Eine freche Abzockerei»

Auch Werner Wiedmer, Chairman des Visit USA Committee Switzerland, ist mit den inoffiziellen Esta-Websites konfrontiert. Immer wieder erhält er Anfragen von Leuten, die deutlich mehr als 14 US-Dollar für ihr Esta bezahlt haben. «Wenn schon nur ein kleiner Teil der aktuell über 500'000 Schweizer USA-Reisenden pro Jahr auf einen teuren Drittanbieter hereinfällt, verdient sich dieser eine goldene Nase», so Wiedmer gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Die Vermittlung von Esta-Genehmigungen sei ein «Riesengeschäft».

Auch wenn manche Anbieter eine Dienstleistung, die Esta, lieferten: Es sei eine freche Abzockerei an der Grenze zum Betrug, wenn beispielsweise 74 statt 14 Dollar verrechnet werden, empört sich Wiedmer. «Dem USA-Reisenden entsteht kaum ein Mehrwert. Ob er nun seine Genehmigung direkt oder via Vermittler organisiert, hat er dieselbe Arbeit mit dem Eintragen von Personalien, Reisedaten und Kreditkartenangaben.»

Nur über die offizielle Government-Seite gehen

Neben Websites, auf denen eine echte Esta-Einreisebewilligung für zu viel Geld erhältlich ist, existieren aber auch solche, die weitere Zwecke verfolgen: Etwa an die Kreditkartendaten der Leute heranzukommen, ohne dass ihnen eine Esta ausgestellt wird. Wie kann man im Internetdschungel also herausfinden, welchen Websites man vertrauen kann? Wiedmer gibt folgende Tipps dazu:

1. Preis abklären: Wenn die Einreisegenehmigung Esta mehr als 14 US-Dollar kostet, ist der Anbieter nicht offiziell. Oft ist jedoch nicht auf Anhieb ein Preis ersichtlich. Deshalb:
2. Internetadresse überprüfen: Wenn diese kein «.gov» (für «government») enthält, ist sie nicht von einer staatlichen Institution. Für Estas immer die offizielle Website aufrufen: https://esta.cbp.dhs.gov/esta

Existenz der eigenen Esta überprüfen

Ob man seine Esta über einen Drittanbieter anfordert oder direkt auf der «echten» Website: Man kann zumindest selber überprüfen, ob sie überhaupt existiert. Wer eine via Regierungs-Website anfordert, erhält per E-Mail jeweils eine Bestätigung mit einer achtstelligen Dossiernummer. Mit dieser kann auf der offiziellen Esta-Website die eigene Einreisegenehmigung eingesehen werden. Wer über einen Vermittler geht und allenfalls keine solche Nummer erhält, sollte auf Empfehlung von U.S. Customs and Border Protection (CBP) die Existenz seiner Einreisegenehmigung überprüfen. Dazu gibt man auf der offiziellen Esta-Website unter «Einen Antrag aufrufen» Passnummer, Name und Geburtsdatum ein.

Wenn man sich dennoch auf eine inoffizielle Seite eingelassen und zu viel bezahlt hat, gibt es laut Wiedmer kein Zurück. «Das Geld ist weg.» Dagegen könne man nicht vorgehen, weil man mit dem Anbieter einen rechtsgültigen Vertrag eingegangen sei. Die für die Esta zuständige U.S. Customs and Border Protection (CBP) hält auf ihrer Website fest: Wenn man einer Drittpartei zu viel bezahlt habe, könne CBP das Geld nicht rückerstatten. Aber Betroffene könnten bei der Bank oder der Kreditkartenfirma eine Rückerstattung des Geldbetrags anfordern, der die Esta-Gebühr von 14 Dollar übersteigt.

Bei den unautorisierten Esta-Anbietern ist jeweils nicht klar, ob sie die Kreditkartendaten missbräuchlich verwenden. Aus diesem Grund empfahl ein befreundeter Anwalt dem USA-Reisenden Lüscher, die Kreditkarte zu sperren respektive unregelmässige Belastungen sofort dem Kreditkarteninstitut zu melden. Die Wahrscheinlichkeit einer Rückerstattung ist jedoch fraglich. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.11.2012, 10:38 Uhr

Beispiele von unautorisierten Esta-Websites

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